Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit – im Sinne der Minimierung von Umweltauswirkungen – im unternehmerischen Handeln von Gründerinnen und Gründern in Deutschland? Bestehen hierzulande innovative Startups im Bereich Nachhaltigkeit und was zeichnet diese jungen wachstumsorientierten (Deep-Tech-)Unternehmen aus? Und macht sich ökologisches Wirtschaften für Gründerinnen und Gründer auch in ökonomischer Hinsicht als Wettbewerbsvorteil bemerkbar? Diesen Fragen ging der vierte Online-Dialog „45 Minuten Global Entrepreneurship Monitor (GEM)“ am 09.09.2026 nach. Die Inhalte der Online-Session haben wir für Sie nachfolgend zusammengefasst.
Nachhaltigkeit ist bei Gründerinnen und Gründern ein Fokus
Die GEM Daten 2025/2026 für Deutschland zeigen, dass rund 65 % der Gründerinnen und Gründer innerhalb des letzten Jahres Schritte unternommen haben, um die Umweltauswirkungen ihrer Unternehmen zu minimieren. Gründerinnen und Gründer sind im GEM Personen zwischen 18 und 64 Jahren, die während der letzten dreieinhalb Jahre ein Unternehmen gegründet haben. Die Umweltaspekte umfassen Themen wie die Reduzierung von Emissionen, Schadstoffen und giftigen Gasen sowie den Aspekt des sparsamen Umgangs mit Wasser, Elektrizität und Kraftstoffen. Auch der Internationale Vergleich zeigt den ausgeprägten Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit. So sind es beispielsweise in den Niederlanden (45 %) und in Schweden (47 %) weniger als die Hälfte der Gründerinnen und Gründer die Nachhaltigkeit berücksichtigen. Dahingegen liegen die Werte in einzelnen Ländern wie in Polen (92 %) oder den USA (72 %) noch höher. Mit einem Abstand von sieben Prozentpunkten zu den USA liegt Deutschland jedoch vergleichsweise nahe an der Spitzengruppe.
Nachhaltigkeit hat für Gründerinnen und Gründer einen positiven ökonomischen Effekt
Die GEM Daten für Deutschland zeigen weiter, dass die Berücksichtigung von Umweltaspekten im unternehmerischen Handeln für Gründerinnen und Gründer auch aus ökonomischer Hinsicht relevant ist. Unter denjenigen, die Umweltaspekte in ihre Geschäftstätigkeit integrieren, berichtet eine Mehrheit von positiven wirtschaftlichen Effekten: 65 % geben an, dadurch mehr Kundinnen und Kunden zu gewinnen (Mehrfachantworten möglich). Bei 54 % ergibt sich dadurch eine Steigerung des Umsatzes, während 49 % angeben, dadurch einen höheren Gewinn erzielen zu können.
Umweltaspekte sind insbesondere für junge Gründerinnen und Gründer relevant
Nach Altersgruppen betrachtet wird deutlich, dass es insbesondere junge Gründerinnen und Gründer in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren sind, die Umwelteffekte in ihrem wirtschaftlichen Handeln berücksichtigen. Bei Ihnen liegt der Anteil bei 80 %. In den meisten älteren Altersgruppen sind die diesbezüglichen Werte mit einem Unterschied von 15 bis 35 Prozentpunkten (deutlich) niedriger. Nur in der ältesten im GEM beachteten Altersgruppe gibt jede der befragten Personen (100 %) an ökologische Effekte zu berücksichtigen. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass die Fallzahl der Befragten analog der Altersverteilung der Gründerinnen und Gründer (die vorwiegend jung sind) vergleichsweise klein ist.
Innovative nachhaltigkeitsorientierte Startups
Im zweiten Teil der Dialogveranstaltung gab Prof. Dr. Klaus Fichter vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit einen Einblick in die Ergebnisse des Green Startup Report (GSR) 2026. Zu den „grünen“ Startups zählen junge Unternehmen die unter 10 Jahre alt sind, die innovativ und wachstumsorientiert sind sowie nach wissenschaftlicher Einstufung (auf Basis der Kriterien von Eurostat und durch Zugehörigkeit zur Borderstep-Impact-Datenbank) durch ihre Produkte oder Dienstleistungen einen Beitrag zu ökologischen Zielen leisten. Der GSR 2026 zeigt, dass in Deutschland 4.668 grüne Startups aktiv sind. Betrachtet nach Branchen sind diese häufig in technologieintensiven innovativen Feldern tätig. Dies zeigt sich auch an den Patenten. Diese werden insbesondere im Bereich Energie (insbesondere bezüglich Batterien), Transport und Logistik (insbesondere in Bezug auf Elektrofahrzeuge) sowie in der Chemie (insbesondere in der Biochemie) erzielt.
Berlin ist Spitzenreiter bei der absoluten Zahl grüner Startups, Mecklenburg-Vorpommern betrachtet nach deren Anteil an allen Startups je Bundesland
Analog zur Bevölkerungszahl sind diese insbesondere in den bevölkerungsstarken Bundesländern wie Bayern (906 grüne Startups), Nordrhein-Westfalen (741) und Baden-Württemberg (538) angesiedelt. Der Stadtstaat Berlin, der eine sehr aktive Gründungszene aufweist, verzeichnet mit 924 grünen Startups den höchsten Wert. Betrachtet man hingegen den Anteil der grünen Startups an allen im jeweiligen Bundesland ansässigen Startups, zeigt sich ein anderes Bild. In dieser Betrachtung liegt laut GSR 2026 Mecklenburg-Vorpommern (28 %) an der Spitze, gefolgt von Bremen (26 %). Die Daten des GSR zeigen zudem, dass der Anteil grüner Startups an allen Startups in Deutschland von 2019 bis 2023 jährlich gestiegen ist. Seit 2024 ist dieser Trend rückläufig.
Klimaschutzpotenzial grüner Startups
Der GSR liefert einzigartige Daten zum Klimaschutzpotenzial junger, innovativer Unternehmen. Die vom Borderstep Institut validierten Impact-Daten zeigen eine große Bandbreite der Klimawirkung – von wenigen hundert bis hin zu Hunderttausenden Tonnen CO₂ eingesparter Emissionen pro Jahr. Die technologie- und skalierungsstarken jungen wachstumsorientierten Unternehmen weisen dabei in Summe eine hohe Klimaschutzwirkung auf. Im Durchschnitt reduzieren grüne Startups die Treibhausgasemissionen gegenüber marktüblichen Produkten und Technologien um mehr als 70 %.
Fazit: Nachhaltigkeit ist ökonomischer Faktor
Die Ergebnisse des GEM und GSR zeigen, dass das Thema Ökologie bei Gründerinnen und Gründern sowie bei grünen Startups in Deutschland eng mit Innovation und High-Tech verknüpft ist. Gleichzeitig berichten nachhaltige junge Unternehmen von positiven ökonomischen Effekten, die mit ihrem Nachhaltigkeitsfokus einhergehen.
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