Future Skills sind derzeit stark im Fokus – die Arbeitswelt verändert sich rasant. Doch welche „menschlichen“ Fähigkeiten zählen künftig wirklich – und welche Aufgaben übernimmt zunehmend die KI?

Die Frage, welche Kompetenzen künftig im Arbeitsleben gefragt sein werden, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Denn was unter „Future Skills“ verstanden wird, variiert nach Organisation und Institution, die sich mit dem Thema beschäftigen. Das „World Economic Forum“ teilt die Future Skills in verschiedene Bereiche ein. Ganz oben steht die Kategorie „Digitale und technologische Kompetenz mit den Skills ‚Cybersecurity & Cloud Operations‘“, KI und Big Data sowie Datenanalyse. Auf menschlicher Ebene nennt das WEF unter anderem kreatives und analytisches Denken, Neugier sowie lebenslanges Lernen, Resilienz, Flexibilität und Agilität. Die Bertelsmann Stiftung hingegen identifiziert diese Future Skills als besonders wichtig: kreatives Denken, Anpassungsfähigkeit, kritisches Denken, Teamfähigkeit, Lernbereitschaft und Probleme lösen.

Future Skills lernen – aber wie? 

Doch noch spannender als das „Was“ ist die Frage, „wie“ man Future Skills erlernt. Gerade in Zeiten, in denen Betriebe über die fehlende Ausbildungsreife ihrer Auszubildenden klagen, ist das ein entscheidender Punkt. Was können Betriebe also tun, um ihre Auszubildenden in Future Skills erfolgreich zu schulen? Die Antwort ist erstaunlich simpel: Mit Azubiprojekten erlernen junge Menschen wichtige Future Skills. 

Azubiprojekte fördern Persönlichkeit und Kompetenzen

Ursprünglich wurden die Digiscouts ins Leben gerufen, um kleine und mittlere Unternehmen niedrigschwellig bei der Digitalisierung zu unterstützen. Über die Jahre hat sich das Projekt jedoch als regelrechter Turbo für die Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung der Auszubildenden erwiesen. Die Auswertung aus acht Jahren Digiscouts zeigt beeindruckende Ergebnisse: Die Teilnehmenden haben in hohem Maße persönlich profitiert. Viele der Fähigkeiten, die sie dabei weiterentwickeln konnten, werden heute den Future Skills zugeordnet. Das belegen nicht nur die Befragungen der Auszubildenden, sondern auch die Rückmeldungen ihrer Ausbilderinnen und Ausbilder. 

Die Zahlen bestätigen den Erfolg

Die aktuelle Auswertung aus dem Jahr 2025 umfasst 92 Unternehmen mit insgesamt 296 Auszubildenden. Auf die Frage nach den im Projekt erworbenen Kompetenzen wurden – in absteigender Häufigkeit – insbesondere Selbstorganisation, Problemlösungsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein genannt, gefolgt von Eigenmotivation zur Projektumsetzung im Team, Verständnis für betriebliche Abläufe, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, individuelles Erzeugen und Teilen von Wissen, Kreativität und Flexibilität.

Persönliche Interviews bestätigen den Erfolg als Kompetenzbooster

Persönliche Interviews, die im Nachgang der Digiscouts-Durchgänge geführt wurden, bestätigen diesen Effekt eindrücklich. So zeigt sich ein ähnliches Bild auch in Gesprächen mit Teilnehmenden. 

Vanessa Markus, ehemalige Digiscout der stahlotec GmbH, antwortet auf die Frage, was sie aus dem Projekt mitgenommen hat: „Das Projekt hat uns Auszubildenden geholfen, unsere Stärken und Interessen zu entdecken. Besonders im Bereich Digitalisierung haben wir viel gelernt, was uns später zugutekam. Allgemein bieten die Digiscouts eine Gelegenheit, um über den Tellerrand hinauszublicken und Themen außerhalb der Ausbildung kennenzulernen.“ 

Der Artikel ist zuerst im RKW Magazin "Kreidezeit? Bildung zwischen Fachkräftemangel, KI und neuen Kompetenzen" erschienen.

Mehr Selbständigkeit, Kommunikationsfähigkeit und stärkeres Verantwortungsbewusstsein 

Vanessa Markus ist sich sicher, dass sie selbstständiger geworden ist. „Nach dem Projekt habe ich deutlich mehr Eigenverantwortung übernommen und bin selbstbewusster geworden. Ich persönlich habe zudem entdeckt, dass mir die Übernahme von Führungsverantwortung Freude bereitet. Ich sehe diese Entwicklung auch bei anderen Azubis: Einige sind durch die Teilnahme regelrecht aufgeblüht, haben ihre Kommunikationsfähigkeiten gestärkt und hinterfragen Prozesse kritisch.“ 

Geschäftsführung zieht positive Bilanz

Die Geschäftsführung bewertet die Kompetenzentwicklung laut Vanessa Markus in ähnlicher Weise: „Der Geschäftsführer ist begeistert von der Entwicklung, die er bei den Azubis sieht, und ermutigt uns, auch über das Projekt hinaus weiterzumachen. Er sieht darin eine Win-win-Situation: Die Azubis durchlaufen eine persönliche Entwicklung hinsichtlich Interessen und Fähigkeiten, während das Unternehmen von engagierten, gut ausgebildeten Fachkräften und Digitalisierungsprojekten profitiert.“

Warum Azubiprojekte echte Kompetenztreiber sind

Bei den Digiscouts arbeiten die Auszubildenden an realen Projekten. Es werden nicht nur – wie häufig in der Schule – Begriffe und Konzepte wiederholt, sondern über Konsequenzen nachgedacht und Entscheidungen getroffen. Dieses informelle und implizite Lernen stärkt insbesondere Eigenverantwortung und Selbstführung und wirkt deutlich kompetenzfördernder als reine Theorie. So entstehen Future Skills, die den jungen Fachkräften ein Leben lang erhalten bleiben. 

Bildquellen und Copyright-Hinweise
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