Wie unterscheiden sich Frauen und Männer beim Zugang zu Gründungskapital? Welche Rolle spielen Bankkredite, Beteiligungskapital und informelle Investitionen? Und wo gibt es strukturelle Unterschiede? Um diese Fragen drehte sich der zweite Online-Dialog „45 Minuten Global Entrepreneurship Monitor (GEM)“ am 18.03.2026. In der Session wurden Erkenntnisse aus dem GEM Women Reports 24/25 und aus der Studie Zur Finanzierungssituation von jungen Unternehmen – eine genderspezifische Analyse des IfM Bonn vorgestellt. Einige Kernergebnisse haben wir hier für Sie zusammengefasst:

1. Informelle Investitionen – Ergebnisse aus dem Global Entrepreneurship Monitor

Informelle Investitionen – also Kapital von Privatpersonen zur Unterstützung von Gründungen* – können gerade in frühen Gründungsphasen, in denen der Zugang zu klassischen Finanzierungsquellen noch begrenzt ist, für Gründerinnen und Gründer eine wichtige Starthilfe sein. Die Ergebnisse des aktuellen GEM Women Report 24/25 zeigen, dass beim informellen Investieren deutliche Geschlechtsunterschiede bestehen. Datengrundlage ist die repräsentative Bevölkerungsbefragung des GEM mit 3.019 befragten 18- bis 64-Jährigen im Jahr 2024.

Frauen finanzieren Gründerinnen, Männer finanzieren Gründer

Die Daten zeigen, dass Frauen in Frauen investieren, und Männer in Männer. Im Jahr 2024 investierten informelle Investorinnen zu fast 60 Prozent in andere Frauen, knapp ein Drittel ihrer Investitionen unterstützte Männer. Männer hingegen investierten zu 64 Prozent in andere Männer, während nur 18 Prozent ihrer Investitionen Gründerinnen zugutekamen. Diese Ergebnisse verdeutlichen: Beim informellen Investieren werden häufig Personen des eigenen Geschlechts bevorzugt. Gleichzeitig zeigt sich bei Investorinnen eine größere Offenheit: Sie investieren häufiger als Männer auch in Gründende des anderen Geschlechts.

Anteil informeller Investorinnen niedriger als bei Männern    

Im Zeitraum 2020 bis 2024 war der Anteil informeller Investoren an der männlichen 18- bis 64-jährigen Gesamtbevölkerung größer als der Anteil informeller Investorinnen innerhalb der weiblichen Vergleichsgruppe. Im Jahr 2024 stellten beispielsweise fast 9 Prozent der Männer informell Kapital zur Unterstützung neuer Unternehmen bereit. Unter Frauen lag dieser Anteil bei nur 5,1 Prozent.

Frauen offener für Investitionen abseits von Freunden und Familie  

Ein Großteil der informellen Investitionen ging 2024 an enge Familienmitglieder – sowohl bei investierenden Männern (39 Prozent), als auch bei Investorinnen (37 Prozent). Ein weiterer Teil entfiel auf Freundinnen und Freunde oder Nachbarinnen und Nachbarn: Bei Männern betrifft dies rund 20 Prozent der Investitionen, bei Frauen knapp 12 Prozent. Der restliche Anteil entfiel auf Personen außerhalb des sozialen Umfelds, etwa Fremde mit einer überzeugenden Geschäftsidee, Arbeitskolleginnen und -kollegen oder entfernte Verwand­te (42 Prozent bei Männern und 51 Prozent bei Frauen). Frauen investieren damit häufiger als Männern auch jenseits des klassischen „Family-and-Friends“-Kreises.

2. Die Finanzierungssituation von frauen- und männergeführten Unternehmen – Ergebnisse aus dem IfM Bonn

Die Studie des IfM Bonn zeigt Unterschiede zwischen männergeführten und frauengeführten jungen Unternehmen. Datenbasis ist das IAB/ZEW-Gründungspanel, das Unternehmen, die maximal 5 Jahre alt sind, im Zeitraum 2011 bis einschließlich 2022 umfasst (46.368 Beobachtungen).

Keine Unterschiede bei Finanzierungsschwierigkeiten und Bankkrediten

Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen und Männer ähnlich häufig von Finanzierungsschwierigkeiten betroffen sind. Außerdem nutzen frauengeführte junge Unternehmen ähnlich oft Bankkredite wie männergeführte junge Unternehmen. Betrachtet man hingegen ausschließlich von Frauen geführte junge Unternehmen, insbesondere Solo-Gründungen, zeigt sich, dass sie deutlich seltener Bankkredite nutzen.

Unterschiede in der Nutzung externer Finanzierungsquellen

Frauengeführte Unternehmen greifen häufiger auf informelle Finanzierungsquellen wie Familie und Freunde sowie auf öffentliche Fördermittel zurück als männergeführte Unternehmen. Im Bereich externer Eigenkapitalfinanzierung zeigen sich hingegen gegenteilige Unterschiede: Beteiligungskapital wird häufiger von männergeführten Unternehmen genutzt, während frauengeführte Unternehmen diese Finanzierungsform seltener in Anspruch nehmen.

Frauen betreiben Selbstrationierung

Ein zentraler Befund ist die sogenannte Selbstrationierung: Frauen verzichten signifikant häufiger von vornherein auf die Beantragung von Bankkrediten, da sie mit einer Ablehnung rechnen – obwohl ihre tatsächlichen Erfolgschancen nicht automatisch geringer sind.

3. Wie kann der Gendergap in der Gründungsfinanzierung kleiner werden?

Selbstwahrnehmung der eigenen Fähigkeiten auf Seiten der Frauen stärken

Die Selbstrationierung von Frauen kann unter anderem auf eine verzerrte bzw. vorsichtigere Einschätzung der eigenen Erfolgschancen zurückgeführt werden. Vor diesem Hintergrund erscheint es zentral, die unternehmerische Selbstwirksamkeit von Frauen zu stärken, damit Frauen weniger unbegründete Zurückhaltung bei Finanzierungsentscheidungen zeigen. In dem Zusammenhang ist es auch wichtig, das gesellschaftliche Bild des männlichen Unternehmers aufzubrechen.

Rahmenbedingungen zur Finanzierung von Gründerinnen weiter verbessern

Die größere Zurückhaltung von Frauen bei externer Finanzierung bedeutet nicht, dass gleiche Bedingungen für beide Geschlechter bestehen. Vielmehr zeigen unter anderem die Ergebnisse des Global Entrepreneurship Monitor (GEM), dass Frauen weiterhin strukturelle Nachteile beim Zugang zu Kapital haben. Unterschiede in der Finanzierung sind daher nicht nur auf individuelles Verhalten zurückzuführen, sondern auch auf bestehende Rahmenbedingungen.

Gezielte Maßnahmen zur Stärkung weiblicher Investorinnen erscheinen vor diesem Hintergrund sinnvoll, da sie zur Erweiterung von Finanzierungsnetzwerken beitragen und Zugangsbarrieren für Gründerinnen verringern können. Zudem ist eine Sensibilisierung für Diskriminierung und geschlechtsspezifische Stereotype notwendig, da diese den Zugang zu Kapital zusätzlich beeinflussen.

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Begriffsdefinitionen des Women Entrepreneurship Monitors 2024/25

* Informelle Investorinnen bzw. Informelle Investoren: Diejenigen, die in den letzten drei Jahren vor dem Befragungszeitpunkt Gelder zur Verfügung gestellt haben, um von anderen Personen gegründete Unternehmen in der frühen Phase zu unterstützen (ohne Aktienkäufe).

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © Anawat_s / Getty Images – Hände halten digitalen Globus (3609_haende-halten-digitalen-globus.jpg)

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