Am 11. Juni 2026 ist es genau ein Jahr, dass Chiye You in Deutschland ankam. Damals ist sie 19 Jahre alt und startet ihre Ausbildung (am 01.08.2026) zur Veranstaltungskauffrau bei der Stadthalle GmbH Oberursel im Konzern der Stadtwerke Oberursel im Rahmen eines Programms vom koreanischen Bildungsministerium und der Eckert Schulen, dass koreanische Jugendliche für eine Duale Ausbildung nach Deutschland bringt.

Ich treffe sie bei Ihrem Einsatz in der Stadthalle Oberursel. In zwei Stunden startet das Event „Flamingo Bingo – ein Abend in Flamingo Strandatmosphäre und mit Bingo spielen.“ Ein Konzept, dass sich das Veranstaltungsteam der Stadthalle unter der Leitung von Aline Becker selbst ausgedacht hat. Die Stadthalle ist mit Flamingos und Strandstühlen in pink geschmückt. Cocktails und die Bingo Ausstattung stehen bereit. Chiye schneidet gerade Limetten für die Cocktails.

Wie bist Du darauf gekommen, für eine duale Ausbildung nach Deutschland zu kommen?

Eigentlich wusste ich früher kaum etwas über Deutschland, nur über die Geschichte des 2. Weltkrieges und natürlich, dass Deutschland ein wichtiges Land in Europa ist. Dann kam Frau Hyeyun Kim von den Eckert Schulen in meine Schule in Südkorea und erzählte von der dualen Ausbildung in Deutschland. Ich war begeistert, denn ich wollte immer ins Ausland. Damals hatte ich ein Bild von einer Ausbildung im Büro im Kopf.  

Als Du in Deutschland ankamst, wie hat sich das angefühlt?

Ich komme aus der kleinen Stadt Cheonan (ca. 600.000 Einwohner) rund 100 km südlich von Seoul.

Mir ist aufgefallen, dass die Gebäude in Deutschland anders sind. Nicht so hoch wie bei uns in Südkorea. Man kann den blauen Himmel sehen. Überhaupt finde ich die Umwelt hier besser, die Luft ist frischer.

Wie kam es, dass Du Dich für die Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau entschieden hast?

Frau Hyeyun Kim, die für das koreanische Bildungsministerium die Vermittlung von Jugendlichen nach Deutschland übernimmt, hatte ein Online-Kennenlernen organisiert. Mein Interview war mit den Stadtwerken Oberursel.  Das Gespräch empfand ich als sehr positiv und reiste daher 2024 für ein einwöchiges Praktikum hierher.  Ich kam ins Veranstaltungsteam zu Aline Becker und das hat mir richtig Spaß gemacht. Also habe ich mich entschieden, Veranstaltungskauffrau zu lernen.

Der Beruf gefällt mir sehr gut, er ist abwechslungsreich. Ich bin manchmal im Büro, bearbeite Emails, etc.  und manchmal bin ich auf Veranstaltungen vor Ort. Ich organisiere, habe viel mit Menschen zu tun. Wenn wir eigene Konzepte entwickeln, können wir sehr kreativ sein – wie heute beim Flamingo Bingo. Meine Ausbilderin überlegt sich gerne neue, innovative Veranstaltungen und wir können uns alle einbringen. Das macht mir sehr viel Spaß. Vor kurzem hatten wir beispielsweise eine Veranstaltung namens „Paint on Stage“ – also Malen auf der Bühne. Es waren Menschen zwischen 16 und 70 Jahren dabei, die auf der Bühne unter Anleitung eines Künstlers gemalt haben. Das war toll.

Du lernst bei den Stadtwerken Oberursel, wie findest Du Deinen Ausbildungsbetrieb?

Meine Ausbilderin Aline Becker ist sehr nett. Wir sind ein kleines Team, weniger als zehn Personen und sitzen alle zusammen in einem hellen Büro im Keller der Stadthalle.  Das ist familiär und gefällt mir gut. Bei den gesamten Stadtwerken gibt es insgesamt nur 80 Mitarbeitende. Glücklicherweise stellen mir die Stadtwerke eine Wohnung. Sie ist direkt gegenüber der Firmenzentrale. Dort wohne ich mit einer anderen Auszubildenden. Ohne diese Möglichkeit wäre es sehr schwer geworden, eine Wohnung zu finden.

Wie läuft es für Dich in der Berufsschule?

Ich gehe auf die Stauffenberg Berufsschule in Frankfurt. Die Berufsschule ist nicht leicht für mich, die  Lehrenden sprechen oft sehr schnell und ich verstehe im Unterricht nur ca. 70 Prozent. Daher muss ich mir den Stoff aus der Schule daheim erst mal erarbeiten. Zum Glück hilft mir eine andere Auszubildende aus dem Team, so dass ich meine Prüfungen hoffentlich schaffe. Einen Vorteil habe ich allerdings: An meiner Schule in Südkorea hatte ich bereits Word, Excel, etc. Das beherrsche ich viel besser als meine Mitschüler und werden oft nach Rat gefragt.  

Was haben Deine Eltern gesagt, als Sie erfuhren, dass Du nach Deutschland gehst?

Meine Eltern haben eigentlich nicht viel gesagt. Sie wissen, dass ich eine starke Meinung habe und dass es nichts geändert hätte, wenn sie dagegen gewesen wären. Vielleicht hat das mit meinem Namen zu tun. „Chiye You“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „Helle Meinung oder positiver Mensch“.

Gibt es etwas, dass Du an Südkorea vermisst?

Am meisten vermisse ich meine Katze! Ich würde sie gerne hierherholen, aber das ist nicht ganz einfach, auch weil ich nicht alleine wohne. Koreanisches Essen fehlt mir ebenfalls manchmal, aber zum Glück gibt es hier in Oberursel und in Frankfurt viele Asien Geschäfte zum Einkaufen.

Wo siehst Du Dich in 5 Jahren?

Ich hoffe, dass ich meine Prüfungen schaffe und weiter in Deutschland arbeiten kann.

 

Über die Ausbilderin, Aline Becker: Sie liebt die Abwechslung in ihrem Beruf. Jede Veranstaltung ist anders, von Tagungen über Konzerte bis hin zu Firmenfeiern. Sie begleitet den Veranstalter vom ersten Gespräch bis zum Schlussapplaus und freut sich, wenn aus einer Idee ein gelungenes Event wird. Der Kontakt mit Menschen und die Organisation im Hintergrund machen ihren Beruf jeden Tag aufs Neue spannend

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