Warum gelingt es kleinen Betrieben oft schwerer, Auszubildende aus der Generation Z zu gewinnen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines World-Cafés mit Ulrike Friedrich (DIHK).

Das Worldcafé war Programmpunkt unserer Veranstaltung „Praktische Impulse für die Fachkräftesicherung“ am 10.02.2026 in Frankfurt am Main. Weitere Informationen und Dokumentationen finden Sie auf der Veranstaltungsseite: zur Veranstaltungsseite

Die Station war bewusst zweigeteilt: In der ersten Runde wurde der Problemraum geöffnet – also die Herausforderungen gesammelt und zugespitzt. In der zweiten Runde ging es in den Lösungsraum: Was hilft in der Praxis, was funktioniert bereits, welche Ansätze lassen sich übertragen?

Mit jeweils knapp 20 Teilnehmenden pro Session wurde intensiv gearbeitet, diskutiert und ergänzt. Die 30 Minuten pro Runde fühlten sich deutlich zu kurz an – das Thema ist relevant, sehr nah an der betrieblichen Realität und berührt viele unmittelbar.

Problemraum: Wo kleine Betriebe ins Hintertreffen geraten

Ein zentrales Thema war die relative Unsichtbarkeit kleiner Betriebe. Viele leisten hervorragende Ausbildungsarbeit, werden aber im Alltag junger Menschen kaum wahrgenommen – vor allem digital. Häufig fehlen Zeit, Know-how oder Zuständigkeiten für regelmäßige Kommunikation. Dann entstehen Notlösungen, etwa wenn Azubis „nebenbei“ Social Media übernehmen. Das kann kurzfristig helfen, ist aber selten nachhaltig.

Daran knüpft das Thema Image an. Gemeint war weniger ein grundsätzlich negatives Bild, sondern oft: ein unklares Profil. Große Arbeitgeber liefern Orientierung durch Marke, sichtbare Karrierewege und standardisierte Angebote. Kleine Betriebe müssen stärker erklären, wofür sie stehen – und wie Ausbildung bei ihnen konkret aussieht.

Spürbar wurde außerdem ein Werte- und Erwartungskonflikt. Diskutiert wurden Unterschiede in Kommunikation, Feedbackkultur und Planbarkeit, aber auch in der Frage, was „gute Arbeit“ bedeutet. Häufig sind es keine „falschen Werte“, sondern fehlende gemeinsame Absprachen, die im Alltag zu Reibung führen.

Mehrere Beiträge zielten auf die Rahmenbedingungen: Vergütung und finanzielle Machbarkeit, das Bedürfnis nach Verlässlichkeit („Sicherheit“) und die Erwartungen an Arbeitszeiten und Ausgleich („Work-Life-Balance“). Gerade kleine Betriebe spüren: Wenn diese Punkte nicht nachvollziehbar sind – oder nicht aktiv kommuniziert werden – wird Ausbildung schnell aussortiert, oft noch bevor ein Gespräch stattfindet.

Sehr konkret wurde es bei Standortthemen: ländlicher Raum, Erreichbarkeit, Mobilität und Wohnraum. Hier zeigte sich: Manche Ausbildung scheitert nicht am Betrieb, sondern an der Lebensrealität rundherum.

Schließlich wurde deutlich, dass Betriebe oft gar nicht in die Auswahl junger Menschen kommen, weil Berufsorientierung (BO) nicht ausreichend greift. Das Praktikum wurde deshalb als Schlüssel diskutiert – als Brücke zwischen abstraktem Berufsbild und echter Erfahrung. Und: Selbst wenn Recruiting gelingt, entscheidet die Begleitung in der Ausbildung sowie die Sichtbarkeit von Entwicklungsperspektiven darüber, ob junge Menschen bleiben – oder ob Abbrüche und negative Erfahrungen die Reputation dauerhaft belasten.

Lösungsraum: Was Betriebe konkret tun können

Im Lösungsraum ging es weniger um „die eine Maßnahme“, sondern um ein stimmiges Gesamtbild. Für die Sichtbarkeit wurden Social Media und insbesondere kurze, authentische Videoformate genannt – gerne mit Humor, aber vor allem regelmäßig und klar verantwortet. Entscheidend ist, dass Kommunikation nicht „irgendwie nebenbei“ läuft, sondern als kleine, realistische Routine mit festen Zuständigkeiten.

Mehrfach wurde betont, dass digitale Sichtbarkeit am besten wirkt, wenn sie in echte Begegnung übergeht. Persönlicher Kontakt – etwa über Praktika, Schulkooperationen oder Veranstaltungen – bleibt ein entscheidender Faktor.

Um das Profil zu schärfen, hilft es, Ausbildung konkret zu erzählen: Welche Aufgaben übernehmen Azubis? Wie sieht die Begleitung aus? Was lernt man wann – und mit wem? Erfahrungsstimmen aus dem Betrieb und Einblicke in Lernorte und Projekte schaffen Glaubwürdigkeit.

Für den Umgang mit Wertekonflikten wurden Azubi-Projekte und klare Feedback-Routinen als Hebel genannt. Wenn junge Menschen Verantwortung übernehmen dürfen und Erwartungen transparent sind, wird Zusammenarbeit berechenbarer – für beide Seiten.

Als starkes Signal wurde außerdem Teilzeit-Ausbildung diskutiert. Sie erweitert Zielgruppen und zeigt, dass Ausbildung auch in komplexeren Lebenslagen machbar ist. Bei Standort- und Wohnraumfragen wurden Kooperationen mit Partnern als Ansatz genannt – etwa über Kammern oder Trägerstrukturen. Die Botschaft dahinter: Azubimarketing ist nicht nur Kommunikation, sondern oft auch organisatorische Ermöglichung.

Fazit: Azubimarketing als Paket denken

Das World-Café hat eine klare Linie gezeigt: Kleine Betriebe konkurrieren nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern um Passung. Erfolgreich ist, wer Sichtbarkeit, Ausbildungsqualität und Lebensrealität zusammendenkt.

Konkret heißt das: Betriebe müssen digital auffindbar sein und zugleich echte Kontakte ermöglichen. Sie sollten Ausbildung so beschreiben, dass sie greifbar wird – mit klarer Begleitung und nachvollziehbaren Perspektiven. Und sie gewinnen, wenn sie Hürden wie Planbarkeit, Flexibilität oder Wohnraum nicht ausblenden, sondern aktiv angehen.

Die Diskussionen waren so lebendig, weil sie an realen Engpässen ansetzen – und weil viele Lösungen weniger am Budget hängen als an Struktur, Klarheit und Konsequenz. Und jeder – wirklich jeder – hatte und hat dazu eine starke Meinung einzubringen.

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