Wie kann die Bauwirtschaft ihre Leistungsfähigkeit stärken und gleichzeitig dem Fachkräftemangel begegnen? Digitalisierung, Qualifizierung und eine gute Zusammenarbeit im Unternehmen bieten hierfür wichtige Ansatzpunkte. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, warum es sich lohnt, diese Themen gemeinsam zu betrachten.

Produktivitätsentwicklung gibt Anlass zum Nachdenken

Beim Arbeitskreis Bau- und Wohnungsmarktprognostik im Herbst 2026 standen die Baukonjunktur, die Entwicklung der Baukosten sowie die Auswirkungen öffentlicher Investitionen im Mittelpunkt.

Alexander Schiersch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) stellte eine gemeinsam mit Martin Gornig erarbeitete Studie vor, die von der Bertelsmann Stiftung herausgegeben wurde. Ein bemerkenswerter Befund: Die Arbeitsproduktivität in der deutschen Bauwirtschaft ist zwischen 2010 und 2025 um rund 29 Prozent zurückgegangen.

Die Gründe dafür sind komplex. Die Studie diskutiert unter anderem Kapazitätsengpässe und begrenzte Anpassungsmöglichkeiten bei hoher Nachfrage. Zugleich benennen die Autoren Möglichkeiten, die Produktivität zu verbessern, etwa durch digitale Planungsprozesse, Automatisierung sowie serielle und modulare Bauverfahren.

Fachkräfte gewinnen und vorhandene Potenziale nutzen

Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels kommt es darauf an, Beschäftigte langfristig zu binden, neue Fachkräfte zu gewinnen und vorhandene Kompetenzen gezielt weiterzuentwickeln. Auch die Gewinnung und erfolgreiche betriebliche Integration internationaler Fachkräfte kann hierzu beitragen.

Ein weiteres Potenzial liegt in der Zusammenarbeit der Beschäftigten. Unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven können sich ergänzen, Wissenstransfer fördern und neue Ideen für Arbeitsabläufe hervorbringen. Entscheidend ist nicht das Alter der Beschäftigten, sondern wie Unternehmen ihre individuellen Stärken miteinander verbinden.

Hier setzt auch die Generationenzusammenarbeit an: Wer den Austausch innerhalb der Belegschaft bewusst gestaltet, schafft bessere Voraussetzungen, um Wissen zu sichern und neue Arbeitsweisen gemeinsam zu entwickeln.

Digitalisierung braucht Kompetenzen

Digitale Lösungen können Arbeitsprozesse vereinfachen, Informationen leichter verfügbar machen und die Zusammenarbeit zwischen Büro, Planung und Baustelle verbessern.

Die PwC-Bauindustriestudie 2026 unterstreicht jedoch, dass fehlendes digitales Know-how und der Fachkräftemangel die Einführung neuer Technologien erschweren. Es reicht daher nicht aus, innovative Anwendungen bereitzustellen. Die Beschäftigten müssen auch die Möglichkeit erhalten, entsprechende Kompetenzen aufzubauen und die Lösungen in bestehende Abläufe zu integrieren.

Gerade für kleine und mittlere Bauunternehmen ist entscheidend, dass digitale Anwendungen einen erkennbaren praktischen Nutzen bieten und sich unter den jeweiligen betrieblichen Bedingungen einsetzen lassen.

Innovation und Zusammenarbeit auf der BAU 2027 erleben

Wie technologische Innovationen und die Potenziale von Beschäftigten zur Zukunftsfähigkeit der Bauwirtschaft beitragen können, zeigt die RG-Bau auf der BAU, Weltleitmesse für Architektur, Materialien, Systeme, vom 11. bis 15. Januar 2027 in München.

Bei der Preisverleihung des Wettbewerbs „Auf IT gebaut – Bauberufe mit Zukunft“ am 12. Januar werden innovative digitale Ideen und Anwendungen für die Bauwirtschaft ausgezeichnet. Die prämierten Projekte bieten Anregungen, wie digitale Lösungen in der Baupraxis eingesetzt werden können.

Am 13. Januar lädt die RG-Bau zum interaktiven Workshop „Generationenzusammenarbeit gestalten: Neue Chancen für Innovation und Produktivität“ ein. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wird diskutiert, wie unterschiedliche Erfahrungen und Kompetenzen für Wissenstransfer, verbesserte Arbeitsabläufe und neue Ideen genutzt werden können.

Bei der Fishbowl „Technologie braucht Urteilskraft“ am 14. Januar wird das Zusammenwirken von Menschen, Prozessen und Daten in Bauplanung und Bauausführung diskutiert.

Diese Veranstaltungen verdeutlichen: Die Zukunftsfähigkeit der Bauwirtschaft hängt nicht allein von neuen Technologien ab, sondern auch davon, wie Menschen zusammenarbeiten und ihre Kompetenzen einbringen können.

Veranstaltungstermine auf der BAU 2027

BAU 2027
11. bis 15. Januar 2027, Messe München

Preisverleihung „Auf IT gebaut – Bauberufe mit Zukunft“
Dienstag, 12. Januar 2027, ab 10:30 Uhr
Neo Stage, Halle C5

Workshop „Generationenzusammenarbeit gestalten: Neue Chancen für Innovation und Produktivität“
Mittwoch, 13. Januar 2027, 14:00 bis 15:30 Uhr
Halle B0, Workshop-Area der Black Box

Fishbowl „Technologie braucht Urteilskraft – Zusammenwirken von Menschen, Prozessen, Daten“
Donnerstag, 14. Januar 2027, 13:30 bis 14:00 Uhr
Halle B0, Stage der Black Box

Quellen und weiterführende Informationen

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