61. Frankfurter Bausachverständigentag – Schäden und Werkzeuge für Bausachverständige

Der 61. Frankfurter Bausachverständigentag befasste sich mit Bauschadensbewertung und Sanierungen im Bestand. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung in drei Themenblöcke gegliedert: Zunächst wurden am Vormittag neue, digitale Methoden vorgestellt, die Sachverständige bei ihren Tätigkeiten unterstützen können. Nach der Mittagspause ging es mit Schadenbildern infolge von klimatischen Veränderungen und aktuellen Vorgaben für den Brandschutz bei verschiedenen Bauteilen weiter. Die letzten Referenten des Tages befassten sich mit Normen und dem Umgang mit ihnen aus praktischer und juristischer Perspektive.

Digitale Werkzeuge für Bausachverständige

Volker Schweitzer ist Bauingenieur und Diplom-Wirtschaftspädagoge und seit 25 Jahren beim Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau. Er gab einen Einblick in die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz beim Planen und Bauen. Dabei zeigte er nicht nur Use Cases, sondern auch Hemmnisse, die die KI mit sich bringen kann.

Ralph Mathes ist Bauingenieur und öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger (BVS). Als Mitglied im Netzwerk Schimmel e.V. hat er verschiedene Anwendungen bei der Erkennung und Bestimmung von Schimmelpilzen mit beeindruckendem Erfolg geprüft. Dabei vergaß er nicht zu betonen, dass die von der KI herangezogenen Quellen noch durch den Menschen geprüft werden müssen.

Katrin Hupfer beschrieb im anschließenden Vortrag Möglichkeiten moderner Diagnoseverfahren zur Bauwerksuntersuchung. In ihrem Büro nutzt sie diese vor allem bei fehlenden Unterlagen zu einem Bestandsgebäude. So können Schadensursachen oder ihr Ausmaß sichtbar gemacht werden. An verschiedenen Beispielen zeigte sie, wie genau verschiedene Verfahren sind und wo sie ihre Grenzen haben.

Ausgewählte Bauschäden

Nach dem Rekord-Hitze-Sommer konnte das Thema des Vortrags „Auswirkungen von klimatischen Veränderungen“ von Heike Böhmer kaum aktueller sein. Sie verknüpft Forschung und Praxis als Bauingenieurin, Sachverständige und Leiterin des Instituts für Bauforschung IFB. In der aktuellen Studie des Instituts wurde die Schadenentwicklung vor dem Hintergrund der klimatischen Auswirkungen und Extremwetterereignisse untersucht. Insbesondere Schäden infolge von Hagel und Sturm oder Starkregen sind in der Studie besonders auffällig. Nicht nur ihre Anzahl, sondern auch die Folgekosten dieser Schäden haben enorm zugenommen. Vor diesem Hintergrund ruft Frau Böhmer zu einem neuen Denken beim Bauen auf: Qualität wiederzudenken und weiterzuentwickeln.

Neben Feuchteschäden ist für Bausachverständige der Brandschutz eine große Herausforderung, insbesondere bei Bestandsmaßnahmen. Olivia Mayr ist Architektin und Stadtplanerin. Außerdem ist sie öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für vorbeugenden Brandschutz und Prüfsachverständige für Brandschutz in Bayern. In ihrem Vortrag stellte sie die Bewertung und den Umgang mit brandschutztechnisch relevanten Bauteilen bei Sanierungen am Beispiel von Feuerschutzabschlüssen und Geschossdecken vor. Sie setzt bei diesen Maßnahmen vor allem auf einen angemessenen Umgang, denn der bauliche und finanzielle Aufwand für Brandschutzmaßnahmen bei Umbauten kann sehr hoch sein. Durch aktuelle Anpassungen der Bauordnungen werden diese allerdings erleichtert. Am Beispiel von Feuerschutzabschlüssen und Geschossdecken zeigte sie, wo Ertüchtigungen reichen oder ein Austausch der Bauteile erforderlich wird.

Werkzeuge oder für die Praxis zu komplex: Normen

Den Einstieg in den dritten Teil des Frankfurter Bausachverständigentags machte das DIN Deutsches Institut für Normung e. V.. Sebastian Edelhoff, Geschäftsführer des DIN-Normenausschusses Bauwesen (NABau), erläuterte, wie Bausachverständige Normen als Werkzeuge nutzen können. Er betonte, dass es nicht um eine schematische Anwendung der Normen geht, sondern sie sachgerecht bewertet und eingesetzt werden sollten.

Astrid Wuttke, Architektin bei schneider+schumacher, Partnerin und Geschäftsführerin der schneider+schumacher Weiterbauen GmbH und Professorin für Transformation und Entwerfen an der Universität Siegen, zeigte an denkmalgeschützten Beispielen, welche Anforderungen in der Praxis Normen tatsächlich an die Planung stellen. Frau Wuttke schlussfolgerte aus ihren Erfahrungen bei Projekten mit hohem Abstimmungsaufwand bei Abweichungen, deren Dokumentationen und vor allem aufgrund des daraus resultierenden hohen zeitlichen Aufwands, dass eine Neudefinition von allgemein anerkannten hin zu objektbezogenen Regeln der Technik sinnvoll ist. Pragmatische Lösungsansätze könnten sich damit auf situationsbezogene rechtliche Rahmenbedingungen und Haftungsrisiken ausrichten und mit technischen Voraussetzungen abwägen.

Traditionell ist der letzte Vortrag des Bausachverständigentags ein juristisches Update, das in diesem Jahr RA Michael Halstenberg, Ministerialdirektor a. D., übernommen hat. Neben der Definition von Normen und anerkannten Regeln der Technik ordnete Herr Halstenberg diese ein. Dabei vergleicht er ihre Nutzung mit einem Kochrezept, denn die Beachtung technischer Regelwerke sei grundsätzlich jedermann freigestellt. Dennoch haben sie zum einen Bedeutung im Bauordnungsrecht und zum anderen im Werkvertragsrecht. Kritisch wird allerdings die Menge dieser Vorgaben betrachtet. Sein Fazit lautet bei der Nutzung von technischen Regelwerken: „Es kommt darauf an, was man daraus macht!“

Auch im kommenden Jahr wird der Frankfurter Bausachverständigentag stattfinden:

Am 24. September 2027 in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © Peter Jülich / Czybik & Schmid Media – Volker Schweizer und Ralph Mathes beim 61. Frankfurter Bausachverständigentag (61_BST_VS.jpg)
  • © Peter Jülich / Czybik & Schmid Media – Heike Böhmer beim 61. Frankfurter Bausachverständigentag (61_BST_HB.jpg)
  • © Peter Jülich / Czybik & Schmid Media – Publikum beim 61. Frankfurter Bausachverständigentag (61_BST_Auditorium.jpg)
  • © Peter Jülich / Czybik & Schmid Media – Fachausstellung beim 61. Frankfurter Bausachverständigentag (61_BST_TitelbildV2.jpg)

- SAVE THE DATE -

Der Termin für den 62. Frankfurter Bausachverständigentag steht bereits fest. Merken Sie sich den 24. September 2027 vor!

Christina Hoffmann RG-Bau / Leiterin der RG-Bau

06196 495-3504
Christina Hoffmann