Kapitel: Vorteile auf dem Weg zur Gründung

Vorteile auf dem Weg zur Gründung

Die Vorteile, die sich aus dem Alter für eine Unternehmensgründung ergeben können, wurden in der RKW-Studie 2010 nicht explizit thematisiert, sind allerdings Untersuchungsgegenstand weiterer Quellen (Kohn und Spengler, 2008, DIHK, 2009, Franke, 2010 und 2012, IHK OWL, 2012). Die meisten Experten heben insbesondere drei positive Eigenschaften hervor: die Lebens-, aber auch Berufs- und Branchenerfahrung, die gute Vernetzung und den Besitz von Eigenkapital.

Startvorteil Berufserfahrung

Viele der Gründer ab dem mittleren Alter sind formal gut ausgebildet und verfügen über eine große Erfahrung als leitende Angestellte, manchmal sogar aus Führungspositionen. Sie sind deshalb in der Lage, aus volkswirtschaftlicher Sicht besonders erwünschte wissensintensive und zugleich innovative Unternehmen zu gründen. Gründer in der zweiten Lebenshälfte sind außerdem geschäftlich gut vernetzt, mit Kontakten, die oftmals in die selbstständige Tätigkeit beziehungsweise das neue Unternehmen mitgenommen werden. Nicht zuletzt verfügen ältere Gründungswillige in vielen Fällen über mehr Eigenkapital als jüngere, das in das eigene Unternehmen investiert wird, womit sich der Kapitalbedarf, selbst bei Projekten mit hohem Investitionsvolumen, erheblich reduziert.

Personen mittleren Alters sind erfahren, haben reife Geschäftsideen, sind gut vernetzt, risikobereit und belastbar und sind daher für den Start in die Selbstständigkeit bestens gerüstet. Leistungsbereitschaft und Motivation spielen gerade bei dieser Altersgruppe eine große Rolle. Professionalität und Effizienz zeichnen ihre Arbeit aus.

Startvorteil Lebenserfahrung

Weitere Eigenschaften, die einen positiven Einfluss auf das eigene Gründungsvorhaben erwarten lassen, sind eher typische herausragende Ressourcen älterer Gründerpersonen, darunter "eine gereifte Persönlichkeit", "Zielgerichtetheit" oder "Seriosität" des Alters (Franke, 2012, S. 182) oder "eine strenge Arbeitsethik / -Disziplin" (Hannon, 2012). Ferner weisen ältere Gründer als Resultat größerer Lebenserfahrung eine signifikant höhere emotionale Stabilität und eine gesunde Distanz zum eigenen Gründungsprojekt auf und können deshalb ihre eigenen Fähigkeiten und Schwächen sowie die hiermit verbundenen Erfolgschancen des Gründungsprojekts besser einschätzen (Fernández Sánchez und Geisen, 2012).

Weitere Vorteile

Späte Gründer sind hoch erwerbsmotiviert und wollen lange erwerbstätig bleiben. Für viele von ihnen ist es denkbar, weit über das gesetzliche Rentenalter hinaus zu arbeiten (Franke, 2012, S. 236).

Noch ein weiterer Vorteil für ältere Gründer im Zusammenhang mit der neuen Kunden- und Konsumentenstruktur ist aus dem Alter abzuleiten. Gründer und Selbstständige in der zweiten Lebenshälfte fühlen sich der wachsenden Gruppe der "Silver Ager" zugehörig, altern mit ihren Kunden und können auf die sich verändernde Güternachfrage besser reagieren (Kohn und Spengler, 2008).

Weitere Pluspunkte, die sich aus dem Alter ableiten lassen, sind das Wegfallen von familiären (erwachsene Kinder, die meistens bereits das Elternhaus verlassen haben) und finanziellen Verpflichtungen (Hypothek oder Baukredite sind meistens schon abbezahlt).

Ein wichtiger Aspekt, den die jüngste Forschung besonders betont, ist die Einordnung der Selbstständigkeit in den eigenen Lebenslauf. "Die Mehrheit der Gründer vertritt die Meinung, dass ihnen für eine Gründung in jüngeren Jahren die nötigen Kompetenzen, Fachwissen, Erfahrungen oder Kontakte gefehlt hätten. Vielfach wird der späte Schritt in die Selbstständigkeit als Gründung zum richtigen Zeitpunkt bewertet" (Franke, 2012, S. 231).

Die eigene Biografie spielt eine wichtige Rolle für Gründungsvorhaben im Alter. Späte Gründungen entwickeln sich in der Regel auf der Grundlage bereits vorhandener Erfahrungen und Wissensbestände (ebd, S. 207) und die Geschäftsidee kommt oftmals aus der bisher ausgeübten Tätigkeit.