Kapitel: Erfolgsmessung und Auswirkungen auf die Volkswirtschaft

Erfolgsmessung und Auswirkungen auf die Volkswirtschaft

Im vorherigen Abschnitt wurden Eigenschaften älterer Gründer vorgestellt, die zusammengenommen eher dafür sprechen, dass ihre Gründungsprojekte überdurchschnittlich erfolgreich sind. In diesem Abschnitt soll nun konkret betrachtet werden, wie Gründungen von Menschen in der zweiten Lebenshälfte bei den verschiedenen, in der Literatur genannten Erfolgsfaktoren für Gründungen abschneiden.

Rein wirtschaftliche Parameter zur Erfolgsmessung einer Unternehmensgründung sind zum Beispiel der Umsatz oder die Schaffung von Arbeitsplätzen. Allerdings sind die aktuellen Erkenntnisse der Forschung in diesem Bereich aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht eindeutig und zeichnen kein klares Bild der Leistungsfähigkeit von Unternehmen, die von Älteren Unternehmern gegründet wurden.

Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum

Zhang 2008, zitiert nach Franke 2012, fand heraus, dass "späte Gründungen einen signifikant positiven Einfluss auf das Wirtschaftswachstum zeigen, der aufgrund ihrer Qualität sogar größer ausfällt als bei jüngeren Gründern" (S. 128). Weitere Quellen zeigen, dass Senior-Entrepreneure mit ihren Gründungsvorhaben, verglichen mit den Jüngeren, höhere Überlebensraten erreichen und zwar aufgrund der im Verlauf ihrer Karriere gewonnenen Reife, des generierten Human- und Sozialkapitals sowie der besseren finanziellen Absicherung (Hatak et al., 2013).

Laut der EUROSTAT-Erhebung "Faktoren für den Unternehmenserfolg" (2005) haben jedoch Unternehmen mit einem über 40 Jahre alten Chef, im Vergleich zu diesen, die von unter 30-Jährigen geführt werden, ein unterdurchschnittliches Beschäftigungswachstum. In den meisten Ländern ist die Altersgruppe der über 40-Jährigen diejenige, die am wenigsten Arbeitsplätze schafft. Eine Ausnahme stellt Dänemark dar, wo von älteren Unternehmern geleitete Betriebe das größte Beschäftigungswachstum aufweisen (EU/OECD, 2013).

Vorteile von Gründungsprojekten 45+

Trotz der teilweise widersprüchlichen Datenlage lassen alle bisher thematisierten Eigenschaften (Vor- und Nachteile) von Gründern ab 45 Jahren (siehe Kapitel 3.5.) eher erwarten, dass ihre Gründungsvorhaben erfolgversprechend sind. Die KfW-Untersuchung aus dem Jahr 2012 zum Thema demografischer Wandel stützt diese Erkenntnis ebenfalls (Hagen und Ullrich, 2012). Gründungsprojekte von erfahrenen Personen ab dem mittleren Alter sind aus den folgenden Gründern besonders attraktiv:

  • Sie unternehmen Projekte mit höherem Finanz- und Investitionsbedarf. Ein Grund mag daran liegen, dass Unternehmen älterer Gründerpersonen aufgrund des längeren Zeitraums zur Vermögensbildung mehr Eigenmittel zur Verfügung stehen.
  • Ihre langjährige Berufs- und Lebenserfahrung spiegelt sich außerdem in einer besseren Risikoeinschätzung sowie Problemlösung wider, was die Überlebenschancen von "jungen" Unternehmen erhöht. Aus diesem Grund geraten sie seltener in Finanzierungsschwierigkeiten als etwa jüngere Gründer und haben bessere Erfolgschancen. Nachweise dafür sind einerseits eine geringere Insolvenzquote, andererseits die höhere Verweildauer am Markt von Startups von Gründern 45+.
  • Ferner entscheiden sich Gründer in der zweiten Lebenshälfte bewusst häufig für Gründungen im Team und im Vollerwerb, was ihre Gründungsprojekte in Hinblick auf deren volkswirtschaftliche Bedeutung interessanter macht.

Der Fokus der meisten Studien liegt auf dem Idealtypus der Unternehmer oder Entrepreneure, deren Hauptmotiv die Selbstverwirklichung ist und die meistens eine erfolgreiche berufliche Karriere, einige sogar eine Unternehmerkarriere als serial entrepreneure, hinter sich haben. Im Unterschied zu den beiden weiteren Idealtypen der Existenzgründer und Selbstständigen (siehe Kapitel 3.4.) trägt diese Art von Gründern tendenziell durch Innovation und Arbeitsplatzschaffung maßgeblich zum Wachstum und der Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Volkswirtschaft bei.

Abgesehen von den ökonomisch quantifizierbaren Vorteilen, die insbesondere Gründungen so genannter Entrepreneure mit sich bringen können, haben auch aus der Not getriebene Existenzgründungen positive volkswirtschaftliche Effekte, nämlich die Reduzierung der Arbeitslosigkeit sowie die soziale Integration durch ökonomische Aktivität.