23 Auszubildende aus der Region Marburg-Biedenkopf haben eindrucksvoll bewiesen, dass für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten keine jahrelange Berufserfahrung nötig ist. In den vergangenen Monaten haben sie als Digiscouts ihren Arbeitsalltag unter die Lupe genommen, Digitalisierungspotenziale entdeckt und eigenständig Lösungen entwickelt.

Am 23. Oktober 2026 war es so weit: Im Coworking Space in Marburg präsentierten die sieben Teams ihre Ergebnisse. Nach der Begrüßung durch Landrat Jens Womelsdorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) und einem Impulsvortrag von Christian Höhle (setaro GmbH) zum Thema „KI-Kompetenz im Unternehmen“ gehörte die Bühne den Auszubildenden. Mit Video-Pitches, einer Gesprächsrunde und beim anschließenden „Markt der Digiscouts“ zeigten sie, was sie auf die Beine gestellt haben.

Das Projekt wurde regional durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Marburg-Biedenkopf und das RKW Hessen begleitet. 

Hier finden Sie einen Überblick über die sieben Projekte aus der Region Marburg-Biedenkopf:

Arbeitskleidung digital bestellen statt umständlich organisieren

Die Bestellung von Arbeitskleidung gehört bei der Alfred PRACHT Lichttechnik GmbH zum betrieblichen Alltag – und bietet Potenzial für digitale Verbesserungen. Die beiden Digiscouts nahmen sich dieses Prozesses an und arbeiteten an einer digitalen Lösung für die Bestellung von Arbeitskleidung. Ihr Projekt zeigt, dass Digitalisierung nicht immer bei großen technischen Herausforderungen beginnen muss. Auch die Vereinfachung alltäglicher Abläufe kann einen wertvollen Beitrag leisten.

Auf dem Weg zur papierlosen Werkstatt

In einer Kfz-Werkstatt müssen Informationen schnell verfügbar sein und Arbeitsabläufe reibungslos funktionieren. Das Digiscoutsteam vom Autohaus Denzel GmbH beschäftigten sich deshalb mit der papierlosen Werkstatt. Ihr Digitalisierungs-projekt setzt dort an, wo im Werkstattalltag bislang papiergebundene Abläufe eine Rolle spielen. Ziel ist es, Prozesse digitaler und damit einfacher zu gestalten.

Fahrtenbücher werden digital

Fahrtenbücher dokumentieren wichtige Informationen, ihre Führung kann jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden sein. Die fünf Digiscouts der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH widmeten sich deshalb der Digitalisierung der Fahrtenbücher. Mit ihrem Projekt griffen sie einen konkreten betrieblichen Prozess auf und zeigten, wie digitale Lösungen die tägliche Dokumentation unterstützen können.

Ein Raum, ein Klick, ein Display: Raumbuchung neu gedacht

Welcher Besprechungsraum ist frei? Und wie lässt sich verhindern, dass Räume doppelt gebucht werden? Zwei angehenden Fachinformatiker der INTEGRAL gGmbH entwickelten dafür eine Lösung, die digitale Raumverwaltung und praktische Technik miteinander verbindet.

Über das Intranet können Räume zentral gebucht werden. Die Belegung erscheint automatisch auf energiesparenden E-Ink-Displays direkt an den jeweiligen Räumen. Die beiden Digiscouts entwickelten dafür unter anderem einen eigenen Python-Dienst und fertigten die Displayrahmen selbst im 3D-Druck. Das Ergebnis: eine zentrale Buchung ohne Doppelbelegungen, eine aktuelle Anzeige direkt am Raum und ein System, das sich auf weitere Räume ausweiten lässt. Ein schönes Beispiel dafür, wie aus einer alltäglichen Herausforderung ein durchdachtes Digitalisierungsprojekt wird.

Azubis helfen Azubis – mit einer digitalen Lernplattform

Gemeinsam lernen, Wissen teilen und sich gegenseitig unterstützen: Diesen Gedanken griffen fünf Azubis der Sparkasse Gießen mit ihrem Projekt „Azubis helfen Azubis“ (AhA) auf.

Im Mittelpunkt stand die Entwicklung einer digitalen Lernplattform für Auszubildende. Damit widmete sich das Team einem Thema, das unmittelbar mit der eigenen Ausbildung verbunden ist: Wie können junge Menschen digitale Möglichkeiten nutzen, um das gemeinsame Lernen und den Wissensaustausch zu unterstützen?

Eine Ausbildungsplattform von Azubis für Azubis

Link zum Video (Youtube-Short)

Auch bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf stand die Ausbildung selbst im Mittelpunkt des Digiscouts-Projekts. Das Azubiteam beschäftigten sich mit einer digitalen Ausbildungsplattform unter dem Motto „Azubis helfen Azubis“.

Die Idee dahinter: Auszubildende wissen aus eigener Erfahrung, welche Informationen und Unterstützung sie während ihrer Ausbildung benötigen. Dieses Wissen bildet einen wertvollen Ausgangspunkt, um digitale Angebote zu entwickeln, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nachwuchskräfte orientieren.

Auch die Verwaltung wird digitaler: Mülltonnentausch neu organisieren

Digitalisierungspotenziale gibt es nicht nur in Unternehmen, sondern auch in der öffentlichen Verwaltung. Die beiden Auszubildenden der Stadtverwaltung Frankenberg (Eder) nahmen sich einen ganz konkreten Verwaltungsablauf vor: den Prozess des Mülltonnentauschs.

Mit ihrem Projekt beschäftigten sie sich damit, wie dieser Vorgang digitalisiert werden kann. Ein Beispiel dafür, dass auch vermeintlich unspektakuläre Verwaltungsprozesse spannende Ansatzpunkte für digitale Veränderungen bieten.

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © Wirtschaftsförderungsgesellschaft Marburg-Biedenkopf mbH / Privat/Non-kommerziell – Digiscouts-Abschluss_Marburg-Biedenkopf.jpg
  • © Sparkasse Marburg-Biedenkopf / Privat/Non-kommerziell – Sparkasse_Marburg-Biedenkopf.jpg

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