Mit sichtbarem Stolz präsentierten die Auszubildenden aus fünf Betrieben und Organisationen in der Region Südniedersachsen ihre Digitalisierungsprojekte und setzten damit den Schlusspunkt hinter ihre Reise als Digiscouts.

Im Tagungszentrum an der Sternwarte in Göttingen kamen Ausbildungsbetriebe, Azubis und Projektbeteiligte zur feierlichen Abschlussveranstaltung zusammen. An Marktständen und in kreativen Videopitches zeigten die Teams, wie vielfältige Digitalisierungsideen aus der Ausbildung heraus entstehen und umgesetzt werden können.

 

Hier finden Sie einen Überblick über die Projekte der fünf Teams aus Südniedersachsen:

Digitale Arbeitshilfen im Verpackungs- und Montagebereich

In der Werkstatt der Göttinger Werkstätten gGmbH war es bislang nur den am wenigsten beeinträchtigten Beschäftigten möglich, mehrstufige Arbeitsaufträge selbstständig zu erledigen. Alle anderen Personen waren auf den Reihenarbeitsplatz und die kontinuierliche Begleitung durch die Gruppenleitung angewiesen. Die Azubis entwickelten digitale Arbeitshilfen, die Arbeitsschritte über eine digitale Arbeitsbrille visuell und verständlich erklären. So können auch stärker kognitiv beeinträchtigte Werkstattbeschäftigte in ihrem eigenen Tempo mehrere Arbeitsschritte nacheinander eigenständig durchführen, ohne auf die Verfügbarkeit der Gruppenleitung angewiesen zu sein. Neben dem praktischen Nutzen bringt die neue Technologie auch eine positive Erfahrung mit sich: Für viele Beschäftigte ist die digitale Arbeitsunterstützung etwas Neues und Spannendes, das die Freude an der Arbeit zusätzlich fördern kann.

 

Digitales Empfangsmanagement

Ausgedruckte Dokumente, physische Ablageordner und Medienbrüche zwischen verschiedenen Systemen prägten bisher den Empfangsprozess bei den Kommunalen Diensten Göttingen (KDG). Von einem durchgängig digitalen Ablauf waren sie weit entfernt. Die Azubis konzipierten eine Lösung, die den gesamten Empfangsprozess über ein elektronisches Gerät mit digitaler Unterschriftsfunktion abbildet. Dokumente werden künftig direkt bei der Erfassung revisionssicher archiviert und sind für berechtigte Mitarbeitende jederzeit und ortsunabhängig abrufbar, ohne, dass lange in physischen Ablagen gesucht werden muss. Der Papierverbrauch sinkt ebenso wie der Bedarf an Lager- und Archivierungsfläche. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass Datenschutz- und Compliance-Anforderungen durchgängig eingehalten werden können.

 

Bargeldlose Bezahlung in der Kantine

Das analoge Kassensystem in der Kantine des Maßregelvollzugszentrums Niedersachsen – Moringen stieß regelmäßig an seine Grenzen. Lange Schlangen zur Mittagspause, manuelles Auszählen von Wechselgeld und ein aufwändiger Tagesabschluss am Kassenende belasteten den Betrieb täglich. Die Azubis entschieden sich dafür, ein modernes digitales Kassensystem einzuführen, das Girokarten, Kreditkarten und kontaktlose Bezahldienste wie Apple Pay und Google Pay per NFC akzeptiert.

Die Kassenprozesse laufen damit deutlich schneller ab, der Kassenschluss erfolgt weitgehend automatisiert und das Risiko von Kassenfehlbeträgen durch Verzählen entfällt. Weniger Bargeld vor Ort bedeutet zudem mehr Sicherheit und weniger Aufwand beim Zählen und bei Geldtransporten zur Bank. Gleichzeitig ist die Kantine damit auch für jene Gäste offen, die im Alltag kein Bargeld mehr bei sich tragen.

 

Digitalisierung der Ausbildungsbeurteilungen

Der Beurteilungsprozess bei der Piller Group GmbH war für alle Beteiligten mit erheblichem manuellem Aufwand verbunden. Vierteljährliche Beurteilungsgespräche mussten terminiert werden, Formulare wurden ausgedruckt, zum Betriebsrat gebracht und anschließend wieder abgeholt, bevor das Dokument eingescannt und doppelt abgelegt wurde. Die Azubis integrierten die Beurteilungsbögen direkt in die bereits genutzte Plattform Azubiheft.de, die von Haus aus eine Feedbackfunktion mitbringt. Auszubildende erhalten künftig automatisch eine terminierte Erinnerung, rechtzeitig ein Feedbackgespräch zu vereinbaren und der gesamte Prozess läuft anschließend digital ab, ohne Ausdrucken, Transportwege oder nachträgliches Einscannen. Das sorgt dafür, dass Beurteilungen fristgerecht erstellt und an die zuständigen Personen weitergeleitet werden. Alle Beteiligten gewinnen damit spürbar Zeit.

 

Die digitale Mieter-Map

Wer eine neue Wohnung sucht, möchte nicht nur die Wohnung selbst kennenlernen, sondern auch die Umgebung und das am liebsten bequem von zuhause aus. Die bisherige Google-Maps-Karte der Städtischen Wohnungsbau GmbH Göttingen zeigte lediglich die Lage der einzelnen Objekte, ohne weiterführende Informationen. Die Azubis entwickelten eine deutlich erweiterte, interaktive Kartenlösung, die Interessentinnen und Interessenten sowie Mieterinnen und Mietern auf einen Blick zeigt, was die Wohnumgebung zu bieten hat: Supermärkte, Schulen, Arztpraxen, Haltestellen, Freizeitangebote und vieles mehr, inklusive Entfernungsangaben wie „zu Fuß in 8 Minuten". Einzelne Gebäude lassen sich anklicken und zeigen gebäudespezifische Informationen wie Aufzüge, Solaranlagen oder barrierefreie Zugänge. Über einen QR-Code auf dem Exposé kann die Karte direkt für das jeweilige Objekt geöffnet werden. Telefonische Nachfragen zur Lage und Infrastruktur lassen sich so künftig deutlich reduzieren.

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © Luisa Erika Bill / RKW Kompetenzzentrum – 20261105_Gruppenfoto_Abschluss_Digiscouts_Suedniedersachsen.jpg

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