Vom Du zum Wir

Kapitel: Maßnahmen, die das Fundament ergänzen

Das Azubimarketing-Haus hilft Ihnen bei der Unterscheidung der Zielgruppen: Sie sollten vor allem, aber nicht ausschließlich die Jugendlichen ansprechen. Ein gesundes Verhältnis: Richten Sie sich mit Ihren Maßnahmen zu mindestens zwei Dritteln an die Schüler und zu einem Drittel an alternative Bewerbergruppen, Eltern und Lehrer – beziehen Sie aber Ihre bisherigen Erfahrungen der erfolgreichen Bewerbersuche mit ein. Die folgenden Maßnahmen entsprechen dieser Einteilung und haben sich als empfehlenswert herausgestellt. Die ersten drei sind besonders unkompliziert und schnell umzusetzen. Die anschließenden fünf Maßnahmen sind ebenfalls geeignete Ergänzungen Ihres Azubimarketings, aber etwas aufwendiger. Schauen Sie sich diese in Ruhe an und überlegen Sie, ob sie umsetzbar wären.

Meldung von Stellen bei der Agentur für Arbeit (O)

Was und wie? Offene Ausbildungsstellen melden Sie bei der ansässigen Agentur für Arbeit. Ihr Stellenangebot wird online gestellt. Aufwand? Sie benötigen ein Stellenangebot.
Kosten? Keine.
Vorteile? Vielgenutztes Onlineportal (Jobbörse).
Nachteile? Schwierig, als ausbildendes Unternehmen aus der Masse herauszustechen.

Unser Statement: Eine selbstverständliche Maßnahme, die trotzdem oder gerade deswegen nicht unerwähnt und als Chance ungenutzt bleiben darf.

Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen (C)

Was? Klassische Stellenanzeigen in Onlineportalen, -jobbörsen und zugleich für Ihre Website. An erster Stelle sind die Angebote des DIHK und der einzelnen Kammern zu nennen.
Wie? Erstellen Sie eine Stellenanzeige, die Ihrer Zielgruppe entspricht. Denken Sie an eine geeignete Ansprache und vor allem an verständliche Formulierungen ebenso wie die wirklich wichtigen Informationen für die Jugendlichen. Suchen Sie Jobbörsen, Praktikumsbörsen und Anzeigenseiten von regionalen und lokalen Medien. Ihr Fokus sollte generell auf Ihrer Region liegen. Tragen Sie sie auch bei den Jobbörsen der Kammern und in branchenbezogene Jobbörsen ein (dort meistens mit Formularen, eine Gestaltung ist daher nicht notwendig). Und verlinken Sie auf Ihre Website.
Aufwand? Das Texten und Zusammenstellen der Anzeige kostet Zeit. Die Linksammlung auf www.rkwazubimarketing.de hilft Ihnen, geeignete Seiten zu finden, ersetzt aber nicht die regionale Recherche. Das Einstellen geht schnell.
Kosten? Die Gestaltung der Anzeige bei externer Vergabe verursacht Kosten. Für das Einstellen der Anzeige in den Stellenbörsen und die Laufzeit fallen Gebühren an.
Vorteile? Jugendliche und Eltern durchforsten die gängigen Stellenbörsen. Sie machen auf sich aufmerksam und führen Interessierte auf Ihre Website. Wenn diese auch überzeugt, sind Sie als möglicher Ausbildungsbetrieb „im Lostopf“.
Nachteile? Der Erfolg steht und fällt mit der Qualität 26 Vom Du zum Wir – Jugendliche aktiv ansprechen und für eine Ausbildung gewinnen Ihrer Anzeige. Anzeigen können nur schwer Ihr persönliches Engagement und damit die besondere Eignung als Ausbildungsbetrieb vermitteln.

Unser Statement: Wenig Aufwand, überschaubare Kosten. Vernünftige Standardmaßnahme!

Stellenanzeigen in lokalen Printmedien (J)

Was? Anzeigenschaltungen in regionalen und lokalen Medien wie Wochenzeitungen oder Anzeigenblättern oder im Regionalteil größerer Zeitungen.
Wie? Erstellen Sie eine Stellenanzeige, die Ihrer Zielgruppe entspricht – in dem Fall zusätzlich den Eltern. Informieren Sie sich über das Internet und über die Mediadaten, über die Anzeigenpreise und was Sie wie und wann liefern müssen.
Aufwand? Für das Erstellen der Anzeige sollten Sie genügend Zeit einplanen. Auch für eine mögliche Gestaltung extern. Sie benötigen Vorlauf.
Kosten? Anzeigen in Printmedien kosten Geld. Schauen Sie sich gut an, welche Formate für Sie infrage kommen. Die Mediadaten und die Anzeigenstaffelungen helfen Ihnen weiter. Vorteile? Klassische Anzeigen in Zeitungen erreichen vermehrt die Eltern der Jugendlichen als Leserkreis und können daher einen zusätzlichen indirekten Effekt entwickeln.
Nachteile? Große Anzeigen sind teuer. Sie erreichen viele Leser, aber ob die richtigen dabei sind, wissen Sie nicht. Die Streuverluste können demnach sehr groß sein.

Unser Statement: Mit dieser Maßnahme haben Sie wahrscheinlich selbst schon Erfahrungen gemacht. Bedenken Sie aber: Allzu viele Alternativen, die Eltern anzusprechen, gibt es nicht. Nach wie vor betrachten Eltern und Schüler die klassische Stellenanzeige als einen wichtigen Informationskanal (der schnurstracks auf Ihre Website führt).

Azubi-Speed-Dating (D)

Was? Zehn Minuten Zeit, in der sich Unternehmen und Jugendlicher kennenlernen – und dann kommt der nächste Jugendliche. Es geht aber auch umgekehrt: Unternehmens-Speed-Dating gibt es ebenfalls.
Wie? Informieren Sie sich, ob Ihre IHK oder HWK Azubi-Speed-Datings anbietet und durchführt. Alternativ können Sie auch in Schulen aktiv werden. Idealerweise im Rahmen einer Schulkooperation. Erkundigen Sie sich, was Klassenlehrer der achten und neunten Klassen davon halten.
Aufwand? Wenn es angeboten wird, nur die Zeit für die Veranstaltung. Wenn Sie es selbst organisieren wollen im Rahmen einer Klassenpatenschaft oder in einer Schule, rechnen Sie mit mehreren Gesprächen, bis alles steht.
Kosten? Ihnen entstehen keine Kosten oder Teilnahmegebühren.
Vorteile? Gerade bei den angebotenen Veranstaltungen wenig zeitlicher Aufwand und die Möglichkeit, ein Dutzend Jugendlicher kennenzulernen und deren Interesse zu wecken.
Nachteile? Zehn Minuten Zeit ist wenig, um alle wichtigen Informationen weiterzugeben. Daher: Anschlussgespräche anbieten, Einladungen aussprechen, z.  B. zu einer Betriebsbesichtigung oder einem Schnuppertag.

Unser Statement: Sehr in Mode, weil effektiv – mit den Kammern.

Schulkooperation (E)

Was? Ausbildungsberufe vorstellen, Einblicke in den Betrieb geben, Bewerbertrainings durchführen, Fragen rund um Ausbildung und Berufswahl beantworten.
Wie? Suchen Sie Kontakt zu den Schulen Ihrer Umgebung. Erst einmal grundsätzlich beim Schulleiter anfragen, anschließend die infrage kommenden Lehrer der geeigneten Klassen kontaktieren. Gemeinsame Überlegungen, wie man zusammenarbeiten kann, bereiten den Weg. Unter Umständen geht es aber auch einfacher: Oftmals unterstützen oder koordinieren die Kammern Bildungspartnerschaften mit Schulen – diese Möglichkeit sollten Sie nutzen. Die darüber zustande kommenden Kooperationen sind langfristig angelegt und beruhen auf einem Kooperationsvertrag, in dem alle Einzelheiten der Zusammenarbeit schriftlich und verbindlich festgehalten werden. Es werden Verantwortliche genannt, die für regelmäßigen Austausch sorgen. Sehr informativ dazu: „Handbuch Bildungspartnerschaften“ der HWK Karlsruhe.
Aufwand? Bis eine Schulkooperation steht, kann längere Zeit vergehen. Es muss viel besprochen und abgestimmt werden, so dass gerade am Anfang der Aufwand hoch ist. Mit dem Fuß in der Tür und entsprechenden Absprachen wird der Aufwand geringer. Vier einstündige Termine in der Schule pro Jahr bringen Sie schon weiter.
Kosten? Keine. Vielleicht zusätzliches Informationsmaterial oder Firmenpräsente zur Erinnerung.
Vorteile? Der Klassenraum als Bühne. Gespräche über und Argumente für einen Ausbildungsberuf schon in der Phase der Berufsorientierung. Sie können bei den Schülern frühzeitig Interesse an einer Ausbildung bei Ihnen wecken.
Nachteile? Hoher Aufwand, hohe „Streuverluste“, da in der frühen Phase der Berufsorientierung angesiedelt.

Unser Statement: Schulkooperationen – wenn sie einmal angelaufen sind – sind fruchtbar und bieten die Möglichkeit, mit Schülern, Lehrern und Eltern (über Elternabende) gleichermaßen in Kontakt zu treten.

Betriebserkundung (F)

Was? Theorie und Praxis vereint in einem Klassenausflug – oder auch unabhängig davon – mit konkreten Übungen im Betrieb.
Wie? Auch hierbei wäre eine Schulkooperation oder eine Klassenpatenschaft hilfreich. Kleine Aufgaben praktischer Natur, witzige Anekdoten, Einblicke in den Arbeitsalltag und die Möglichkeit, über alles zu reden und Fragen zu stellen, wechseln sich ab. Das Erlebnis steht für die Jugendlichen im Vordergrund.
Aufwand? Der Aufwand ist etwas höher. Erst recht, wenn gar keine Kontakte bestehen. Die Planung und Abstimmung kostet Zeit. Binden Sie Mitarbeiter – oder noch besser – Ihre Auszubildenden ein, denen die Arbeit an diesem Projekt Spaß machen würde.
Kosten? Gegebenenfalls für Essen und Getränke. Eventuell für weitere Informationen, die Sie Ihren Besuchern mit auf den Weg geben können – zur Orientierung und als Visitenkarte Ihres Unternehmens.
Vorteile? Jugendliche sind begeisterungsfähig. Wenn es Ihnen gelingt, mit Ihren Aufgaben und Ihren Erzählungen die Schüler zu begeistern, sind die nächsten Praktikanten oder auch Auszubildenden nicht mehr weit. Nebenbei kostenlose Imagepflege.
Nachteile? Etwas zeitintensivere Maßnahme. Der Erfolg hängt sehr davon ab, wie Sie sich und Ihren Betrieb verkaufen können.

Unser Statement: Eine Maßnahme nicht nur für Schüler. Nutzen Sie sie, um auch mit den Lehrern besser ins Gespräch zu kommen. Lehrer sind dankbar für die Möglichkeiten eines solchen Ausflugs. Und ebenso Eltern, sogar Großeltern nehmen solche Gelegenheiten wahr. 28 Vom Du zum Wir – Jugendliche aktiv ansprechen und für eine Ausbildung gewinnen

Aktionstag mit Zielgruppenfokus (L)

Was? Schwimmen Sie gegen den Strom und sprechen Sie diejenigen an, die sonst häufiger vernachlässigt werden – mit einer Veranstaltung im Sinne eines Aktionstages. Bekannteste Beispiele: der Girls‘ Day und der Boys‘ Day.
Wie? Beim Girls‘ Day oder Boys‘ Day fangen Sie mit dem Eintrag auf der Website dieser Aktion an. Denken Sie auch über Migranten, ältere Ausbildungskandidaten und andere Zielgruppen nach. Informieren Sie sich im regionalen Umfeld über mögliche Vereine und Einrichtungen etc., die Sie dafür gewinnen können. Sie brauchen allerdings Aufmerksamkeit und ein ähnliches Konzept wie bei der Betriebserkundung.
Aufwand? Höherer Aufwand, da verschiedene Aufgaben zu bewältigen sind, ehe ein solcher Aktionstag steht.
Kosten? Ohne Informationsmaterial, Verpflegung, Marketingbudget kommen Sie nicht aus – ähnlich wie bei der Betriebserkundung.
Vorteile? Eine solche Veranstaltung kostet Zeit und Geld. Allerdings: Gerade solche Veranstaltungen bringen Ihnen mediale Aufmerksamkeit; es lohnt sich in dem Fall auch, Pressearbeit zu leisten. Laden Sie Journalisten der regionalen Medien und der Regionalteile überregionaler Medien ein. Sie werden sehen, dass Sie Pressebesuch bekommen werden. Außerdem erschließen Sie sich neue Zielgruppen, denen Sie eine Chance geben sollten. Nachteile? Verlangt viel Zeit und Engagement. Eventuell nicht für jeden Betrieb umsetzbar.

Unser Statement: Wenn Sie sich intensiver mit alternativen Zielgruppen auseinandersetzen wollen, ist diese Maßnahme ein guter Weg. Sie knüpfen Kontakte zu Einrichtungen, zu lokalen Medien und nicht zuletzt zu einer neuen Zielgruppe.

Ausbildungsbotschafter (S)

Was? Eigene Azubis als „Botschafter“ in die Schulen bringen.
Wie? Sie haben eine Schulkooperation oder eine Klassenpatenschaft? Dann ist es leicht, mit dem entsprechenden Lehrer über diese Möglichkeit des Praxiseinblicks im Klassenraum zu reden. Andernfalls könnte dieses Angebot Ihr Türöffner für eine Kooperation werden. In Baden-Württemberg wird diese Maßnahme sogar vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft gefördert. Dort werden Auszubildende in einer eintägigen Schulung zertifiziert und auf Ihre Botschafterrolle vorbereitet. Die Ausbildungsbotschafter sind immer zu zweit in den Schulen unterwegs.
Aufwand? Sie benötigen einen Azubi, der den Mut hat, vor einer größeren Gruppe zu sprechen. Sie benötigen eine Vorstellung, worüber der Auszubildende berichten und was er erzählen kann. Aber der größte mögliche Aufwand wäre das Anbahnen eines solchen Besuchs, falls keine Partnerschaften oder Ähnliches bestehen.
Kosten? Keine, bis auf die Freistellung des Azubis.
Vorteile? In etwa Gleichaltrige haben eine ganz andere Überzeugungskraft bei den Schülern. Wenn sie glaubhaft ihren Spaß an der Ausbildung und die Freude über die tolle Kollegialität vermitteln, verfehlt es nicht seine Wirkung bei den Schülern.
Nachteile? Sie haben zurzeit keinen Azubi? Ihr jüngster Mitarbeiter kann auch in die Rolle schlüpfen und kommt vermutlich „besser“ bei den Schülern an. Alternativ sind „alte Hasen“, die theoretisch auch Ausbildungspaten oder Mentoren werden könnten, eine Option.

Unser Statement: Ein Ausbildungsbotschafter ist quasi der Azubi-Blog der realen Welt. Die Einblicke, die er bieten kann, kommen bei den Jugendlichen besonders gut an.