ibr - Informationen Bau-Rationalisierung 3/2018

Kapitel: Aus Verbänden und Institutionen

Qualitätsentwicklung in der überbetrieblichen Ausbildung

Fachtagung des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) für Ausbildungsverantwortliche

Die deutsche Bauwirtschaft hat in den letzten zehn Jahren ihr Personal deutlich aufgestockt. Vor einigen Jahren waren zirka 700.000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe tätig, mittlerweile sind es rund 812.000. Trotzdem gehören Baufachkräfte gemäß den Erhebungen der Bundeagentur für Arbeit zu den Mangelberufen – und das bundesweit. Bauunternehmen suchen also händeringend qualifizierte und motivierte Baufachkräfte, um die sehr gute Auftragslage bewältigen zu können. Die Basis hierfür ist eine solide und qualitätsvolle Ausbildung, die die Auszubildenden in Betrieben, Berufsschulen und in überbetrieblichen Ausbildungszentren erhalten.

In diesem Jahr haben sich erstmals Ausbildungsverantwortliche auf Einladung des ZDB getroffen, um über die Qualität der überbetrieblichen Ausbildung zu diskutieren. Schwerpunkte der Tagung waren die Vorbereitung für die Neuordnung der Ausbildungsverordnung, die Digitalisierung in der Ausbildung und die Bedeutung von Qualität in der Ausbildung.

Ausbildungsneuordnung

Die Neuordnung der Ausbildungsverordnung scheint überfällig zu sein, verdeutlicht man sich, dass die aktuell rechtliche Grundlage für die Bauausbildung bereits seit 1999 besteht. Dr. Cornelia Vater, Leiterin der Abteilung Berufsbildung im ZDB, betonte, dass sich seitdem Neuerungen für die Betriebe ergeben haben. Darum seien sie gefordert, die Ausbildung zu modernisieren und in Teilen auch zu flexibilisieren. Erste Zwischenergebnisse für die Ausbildungsneuordnung liegen bereits vor. Die Sozialpartner haben sich in einem Konsenspapier über die Dauer der Ausbildung, Inhalte für einzelne Berufe und die Prüfungsmodalitäten geeinigt. Andere Punkte sind aber immer noch in Abstimmung, beispielsweise die Ausgestaltung der überbetrieblichen Ausbildung. Frau Dr. Vater hob hervor, dass die überbetriebliche Ausbildung einen wichtigen Beitrag leisten kann, gegenseitige Kenntnisse und Fertigkeiten über die Schnittstellen der Gewerke hinweg zu vermitteln.

Praxis in der Ausbildung

Beispiele für die Gestaltungsmöglichkeiten in den überbetrieblichen Ausbildungszentren zeigen, dass hier die Wahlpflichtund Wahlwochen für individuelle (Ausbildungs-)Angebote genutzt werden. Dabei kann schon einmal vom konventionellen Aus- und Weiterbildungsangebot oder von der Projektarbeit abgewichen werden.

Im Handwerksbildungszentrum (HBZ) in Brackwede werden beispielsweise auch die Ausbildungsbetriebe befragt, welche Schulung sie tatsächlich benötigen. Im Rahmen der Tagung beschrieb Klaus-Dieter Schäfer, Geschäftsführer des HBZ, dass darum Aktionstage zu Schwerpunktthemen angeboten werden, wie beispielsweise zur Ladungssicherung, Erste Hilfe-Kurse, Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung oder auch Sprachförderungen.

Die Digitalisierung hat am HBZ ebenfalls Einzug gehalten, sodass digitale Arbeitsmethoden und technologische Innovationen in die Ausbildungsinhalte einfließen. Für Schulungen oder im Coaching werden Augmented-Reality-Brillen eingesetzt, um den Zugang zu Neuerungen der Digitalisierung zu vereinfachen. Aber auch die Kommunikation hat sich verändert, da die sozialen Netzwerke, gerade mit Blick auf die Berufswerbung, immer wichtiger werden.

Digitalisierung in der Ausbildung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) engagieren sich derzeit besonders um die Modernisierung in der Ausbildung. Projekte wie „Berufsbildung 4.0“ oder „Bau’s mit BIM“ zeigen, dass die Digitalisierung die Ausbildung nicht nur modernisiert und zukunftsfä- hig machen kann. Die Ausbildung kann durch digitale Werkzeuge und Methoden auch flexibler gestaltet werden, was der Attraktivität gegenüber Jugendlichen ebenfalls zugutekommt. Um die Qualität der Ausbildung zu sichern, rät Dr. Gerd Zinke vom BIBB trotzdem zu klaren Standards.

Qualität der Ausbildung

Qualität in der Ausbildung bedeutet aber mehr als Standards und Digitalisierung in der Ausbildung. Auch das Thema Sicherheit auf Baustellen spielt für die Qualität eine enorme Rolle, sowie die Führungskultur in den überbetrieblichen Ausbildungszentren selbst.

Frau Dr. Vater und Klaus-Dieter Fromm, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses im ZDB, zeigten sich mit den Ergebnissen und Diskussionen sehr zufrieden und haben bereits eine Wiederholung angekündigt. „Man lernt nie aus – auch als Ausbildungsverantwortlicher nicht“, so Fromm abschließend.