ibr - Informationen Bau-Rationalisierung 1/2018

Kapitel: Aus der Arbeit der RG-Bau

Die RG-Bau auf der bautec 2018 in Berlin

Insgesamt präsentierten sich 459 Aussteller aus 19 Ländern auf dem Berliner Messegelände mit ihren neuesten Baustoffen, Bausystemen und technischen Ausstattungen für den Altund Neubau auf der bautec 2018. Sie zählte 32.000 Besucher.

Die RG-Bau war einer dieser Aussteller und präsentierte ihre Projekte, Arbeitsergebnisse und natürlich den Wettbewerb „Auf IT gebaut – Bauberufe mit Zukunft“. Wichtige Partner, wie die VHV, der SmartHome Initiative Deutschland e V., der buildingSMART e. V., die Planen-Bauen 4.0 GmbH und der C³ - Carbon Concrete Composite e. V., waren ebenfalls vor Ort. Hier konnten viele interessierte Messebesucher über das RKW und die RG-Bau, beispielsweise bei geführten Messerundgängen, informiert werden.

Ein besonderer Gast war Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesbauministerium. Er informierte sich über die Projekte und Arbeiten zur Fachkräftesicherung und zur Digitalisierung und speziell zum Thema Smart Home.

Highlights waren auch in diesem Jahr die Veranstaltungen im Rahmenprogramm der Messe, zu denen sich bereits im Vorfeld über 500 Teilnehmer angemeldet hatten.

Allein zum Kongress „Digitales Planen, Bauen und Betreiben – Neue Ideen umsetzen und Erfolg sichern“, in dessen Rahmen die Preisverleihung im Wettbewerb „Auf IT gebaut – Bauberufe mit Zukunft“ verliehen wurden, waren über 300 Anmeldungen bei der RG-Bau eingegangen.

Von großem Interesse waren auch die Themen zur Fachkräfteund Nachwuchsgewinnung in der Bauwirtschaft, vor allem aber die Potenziale, die Frauen am Bau haben.

Dies sind die Preisträger im Wettbewerb „Auf IT gebaut“ 2018

Im feierlichen Rahmen wurden die Preise in den vier Wettbewerbskategorien unter dem Motto „Bauwirtschaft innovativ – Von neuen Ideen profitieren und Zukunft gestalten“ verliehen. Die Preisverleihung bildete den Abschluss der Veranstaltung „Digitales Planen, Bauen und Betreiben“ der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum auf dem Messegelände der bautec in Berlin. Mehr als 300 Teilnehmer waren von den kreativen Ideen des Baunachwuchses begeistert und beeindruckt. Mit ihren Arbeiten rund um die Digitalisierung des Bauens bewiesen die Nachwuchskräfte wieder einmal, dass die Baubranche innovativ, modern und technikorientiert ist. So wurde in diesem Jahr der erste Preis im Bereich Architektur und der dritte Preis im Bereich Bauingenieurwesen sogar zweimal vergeben. „Die Digitalisierung der Baubranche gibt uns die große Chance, zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu bieten, das macht sie auch für Berufsanfänger attraktiv“, betonte Michael Fritz, Geschäftsführer des Bundesverbandes Bausoftware, der die Preisverleihung moderierte.

Ausgezeichnet wurden von Dr. Wolfgang Scheremet, Leiter der Abteilung Industriepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), in diesem Jahr die Arbeiten der Bau-Nachwuchstalente in folgenden Bereichen:

Auszeichnungen im Bereich Architektur

Der erste Preis im Bereich Architektur wurde gleich zweimal vergeben. Er ging an Josephus Meulenkamp von der TU München und an Philipp Schwan von der RWTH Aachen. Josephus Meulenkamp hat in seiner Masterarbeit an der TU München eine Methodik entwickelt, mit der Modelle und zugehörige Dokumente bezüglich der notwendigen Informationsanforderungen automatisiert überprüft werden können. Damit können Mehrkosten, verursacht durch ungenaue, unvollständige und mehrdeutige Informationen, vermieden werden. Zur Demonstration der Vorgehensweise entwickelte er zusätzlich ein funktionsfähigen Software-Prototyp für den Bereich Facility Management. Die Prüfergebnisse werden in einem interaktiven graphischen „Dashboard“ aufbereitet.

Die Jury würdigte insbesondere, dass nachvollziehbare und sehr realitätsnahe Konzept sowie den zu erwartenden hohen wirtschaftlichen Nutzen für die Unternehmen. Die prototypische Umsetzung hat zudem eine hohe Praxisrelevanz. Zusätzlich konnte Herr Meulenkamp auch den Sonderpreis der Ed. Züblin AG in Empfang nehmen. Überreicht wurde der Preis von Klaus Pöllath, Miglied des Vorstands der Ed. Züblin AG und Vizepräsident Technik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Die Arbeit von Philipp Schwan beschäftigt sich mit regelbasierten Entwurfsbewertungen am Beispiel der Flughafenplanung. Ziel ist es, die Planung dieser Sonderbauten deutlich zu optimieren. Dazu werden zum einen Normen und Vorgaben, beispielsweise zum Brandschutz für den Entwurf in einem BIM-Modell bewertet, eingeordnet und überprüft. Zum anderen können schon in der Entwurfsphase Parameter, wie Sichtbeziehungen, kontrolliert werden. Kreativität und normengerechte Planung werden dabei zusammengeführt. Die Jury betonte neben dem hohen Praxisbezug vor allem den fachübergreifenden integrativen Ansatz der Arbeit sowie die Qualität und Tiefe der Ausarbeitung als besonders lobenswert.

Der dritte Preis im Bereich Architektur ging an Dr. Cristoph Langenhan, der damit an der Technischen Universität München promovierte. In seiner Arbeit zum Thema „Datenmanagement in der Architektur“ untersucht er, wie in frühen Entwurfsphasen Referenzobjekte, genutzt werden können. In Anlehnung an die Identifizierung eines Menschen anhand seines Fingerabdrucks, werden dazu semantische Gebäudefingerabdrücke für die Entwurfsphase erarbeitet. Damit stehen beim Entwerfen und Planen zu den Zeichnungen jederzeit hilfreiche Informationen zur Verfügung. Mit Fingerabdrücken, zum Beispiel von Details oder Bauablaufplänen, kann ein digitaler Assistent zukünftig den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden unterstützen.

Insbesondere der hohe Innovationsgrad der Arbeit und sein Beitrag in den bisher kaum rechnertechnisch unterstützten frühen Entwurfsprozessen wurde von der Jury hervorgehoben. Damit kann die Komplexität von Maßnahmen schon in frühen Entwurfsphasen reduziert werden. Auch eine Übertragung auf andere Fachbereiche ist möglich.

Auszeichnungen im Bereich Bauingenieurwesen

Der erste Preis im Bereich Bauingenieurwesen ging an Constanze Matthus von der Bauhaus-Universität Weimar. Sie entwickelt in ihrer Arbeit eine Methode zur kontinuierlichen Zustandsüberwachung von Infrastrukturbauwerken. Dazu nutzt sie an Bauwerken installierte Sensorennetzwerke. Constanze Matthus integriert zudem die kontinuierliche Zustandsüberwachung in die BIM-Methode, um das Bauwerk während der Nutzungsphase kostengünstig, sicher und sinnvoll abzubilden. Die Jury lobte insbesondere den unmittelbaren Praxisbezug und den fachübergreifenden Ansatz der vorgestellten Lösung. Die BIM-basierte Abbildung des gesamten Bauprozesses kann auch als Grundlage für andere Branchen genutzt werden.

Mit einem Software-Modul, mit dem vorgespannte Flächentragwerke aus Carbonbeton hinsichtlich Form und Material optimiert werden können, gewannen Konrad Freymann und Juan-Pablo Osman-Letelier von der Technische Universität Berlin den zweiten Platz im Bereich Bauingenieurwesen.

Das Software-Modul unterstützt als Schnittstelle Architekten und Ingenieure im interdisziplinären Entwurf und ermöglicht damit die Optimierung von Flächentragwerken, ohne den methodischen Entwurf des Planers zu verändern. Die Jury würdigte im Besonderen den fachübergreifenden Ansatz, die Nachhaltigkeit sowie den hohen Innovationsgehalt der eingereichten Arbeit.

Der dritte Preis im Bereich Bauingenieurwesen wurde zweimal vergeben und ging beide Male an Preisträger aus Dresden für Arbeiten, die sich mit dem Datenmodell IFC beschäftigten. Das Datenmodell IFC ermöglicht den herstellerneutralen Austausch von BIM-Modellen zwischen unterschiedlichen Softwareanwendungen. Lena Beck von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden hat in ihrer Bachelorarbeit die Qualität des Datenaustausches in der Tragwerksplanung über die IFC-Schnittstelle an einem Praxisbeispiel untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Angebot und Qualität der Software für die IFC-Implementierung bei der Tragwerksplanung noch stark variieren. Die Jury hob die große Praxisrelevanz und die Aktualität der eingereichten Arbeit hervor.

Die Diplomarbeit von Andreas Ellinger von der TU Dresden beschäftigt sich ebenfalls mit dem Datenaustauschformat IFC. Für den Brückenbau existiert bisher noch kein offiziell anerkanntes IFC-Schema. Andreas Ellinger ist es in seiner Arbeit gelungen, die BIM-Daten um Informationen zu Brückenbauwerken zu erweitern ohne das bestehende IFC-Schema zu verändern. Die Jury lobte besonders die Aktualität der aufgegriffenen Fragestellung und die hohe Praktikabilität der vorgestellten Lösung. Der in der Arbeit beschriebene Ansatz zur Erweiterung der BIM-Daten könnte auch auf andere Bereiche, wie den Brandschutz, die Bauphysik oder die Analyse von Windlasten übertragen werden.

Bereich Baubetriebswirtschaft

Mit dem ersten Preis im Bereich Baubetriebswirtschaft wurde Henrik Theodor Wasemann von der Technischen Universität Hamburg-Harburg ausgezeichnet. Er analysiert im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit die Optimierung von Produktionsprozessen nach Lean-Prinzipien. Hierfür wurde ein generisches Prozessmodell einer Bauproduktion entwickelt, um Folgen von Störungen besser zu beurteilen und Bauprozesse hinsichtlich der Prozessstabilität zuverlässiger planen zu können. Die Arbeit bietet einen hohen Innovationsgrad, der in naher Zukunft für viele Ingenieurbauwerke zur Anwendung kommen kann. Die Jury betonte darüber hinaus die praktische Unterstützung der Baustellenarbeiten und den wirtschaftlichen Nutzen.

Die mit dem zweiten Preis prämierte Arbeit von Andreas Bresser, Dr. Anica Meins-Becker und Agnes Kelm von der Bergischen Universität Wuppertal beinhaltet ein Arbeitsschutzkonzept, das Mitarbeitern auf der Baustelle per Tablet oder Datenbrille Informationen zum Arbeitsschutz bereitstellt, und zwar passend zum jeweiligen Standort. Auf Basis eines BIM-Modells und unter Einsatz von RFID-Technik werden dem Mitarbeiter in einer App auf dem Tablet oder per Augmented-Reality-Brille standortabhängig Informationen, Hinweise und Warnungen angezeigt. Die Jury würdigte insbesondere den hohen Praxisbezug der Arbeit sowie die mit dem Arbeitsund Gesundheitsschutz gegebene Erfüllung des Nachhaltigkeitskriteriums. Die Reduzierung von Unfallkosten bietet überdies einen wirtschaftlichen Nutzen.

Christopher Keilwerth von der Technischen Universität Darmstadt untersucht in seiner Arbeit die Erfassung von Ist-Bauzuständen mittels sensorgestützter Erfassung der Umgebung. Dazu wird ein Smartphone und die Technologie Plattform „Google Tango“ genutzt. Die mittels Bewegungserfassung generierten Punktwolken können anschließend für einen Soll-Ist Vergleich in einem Bauwerksinformationsmodell verarbeitet werden. Die Jury hob insbesondere den innovativen Ansatz und die sehr gute Verständlichkeit der Arbeit hervor. Besonders gut bewertet wurde auch der originelle Ansatz. Mit Blick auf die fortschreitende Entwicklung und damit einhergehenden höheren Genauigkeit bei der digitalen Erfassung durch ein Smartphone könnte das System – auch mit wirtschaftlichem Nutzen – vermehrt in kleineren und mittelständischen Bauunternehmen eingesetzt werden.

Gewerblich-technischer Bereich

Simon Schlögel, seit 2002 als Dachdecker tätig, hat eine Online-Plattform für gewerbliche Handwerker entwickelt und den zweiten Platz in dieser Kategorie erzielt. Mit der Plattform können überschüssige Baumaterialien online verkauft und weiterverwendet werden. Über die Anbindung an eine Datenbank können die relevanten Kenngrößen des anzubietenden Materials direkt in die Eingabefelder der Anbieteranzeige eingefügt werden. Der potentielle Käufer erzielt dadurch eine hohe Trefferquote; der Anbieter kann durch eine integrierte Funktion seine Lagerbestände exakt erfassen. Insbesondere der hohe Praxisbezug und die Realisierbarkeit der Plattform wurde von der Jury gewürdigt. Der wirtschaftliche Nutzen und der Nachhaltigkeitsaspekt waren weitere Gründe, um die Arbeit mit dem zweiten Platz im Gewerblich-technischen Bereich auszuzeichnen.

Den dritten Platz im Gewerblich-technischen Bereich nahmen stellvertretend für das gesamte Team Andre Luft von der Handwerkskammer Köln sowie Max Salzberger und Timo Stürmer von der Technischen Hochschule Köln entgegen. Tischlerazubis und Studierende der Fachrichtung Architektur haben im Teamwork das räumliche Konzept Randomize Box entwickelt und gebaut. Im Vordergrund standen dabei die Beantwortung der Fragen, wie Architekten und Tischler im Zeitalter der Digitalisierung am besten zusammenarbeiten und wie diese Arbeitsplätze der Zukunft aussehen können. Die entwickelten Baukästen können als flexibler Arbeitsraum der Architekten und Tischler genutzt werden. Die Jury lobte den ganzheitlichen und innovativen Ansatz des Wettbewerbsbeitrags, der in besonderer Weise die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Handwerkern im digitalen Zeitalter fördert. Auch der Nachhaltigkeitsaspekt wurde hoch bewertet. Der erste Preis wurde im Gewerblich-technischen Bereich nicht vergeben.

Beim anschließenden Get-together auf dem Messestand der RG-Bau nutzen zahlreiche Partner des Wettbewerbs die Möglichkeiten, sich mit den Preisträgern auszutauschen. Das Treffen ist eine ideale Plattform für Unternehmen, um in den Dialog mit den jungen Talenten zu treten und die innovativsten und besten Nachwuchskräfte der Branche näher kennenzulernen. Auch ehemalige Preisträger aus der Alumni-Gruppe der Preisträger nutzen die Gelegenheiten für Gespräche mit den Nachwuchskräften. Die RG-Bau hat die Alumni-Gruppe gegründet, um Kenntnisse zu teilen, sich gegenseitig zu unterstützen und den Austausch untereinander zu fördern. Zudem kann das Erfahrungswissen der Preisträ- ger für die Weiterentwicklung des Wettbewerbs genutzt werden.

Fachkräftesicherung in der Unternehmenspraxis von Bauunternehmen

Rückblick auf die Fachveranstaltung im Rahmen der bautec am 22. Februar 2018 in Berlin

Die Fachkräftesicherung bleibt ein wichtigstes Thema für die Unternehmen der Bauwirtschaft und hat sich als RG-Bau-Fachveranstaltung etabliert. Im Fokus der Veranstaltung im Rahmenprogramm der bautec standen Fragen, wie Fachund Nachwuchskräfte zu finden und an die Baubranche zu binden sind. Aber auch Fragen, wie kleine und mittlere Bauunternehmen ihre Arbeitgeberattraktivität verbessern können und welche neuen Zielgruppen zunehmend in das Blickfeld der Fachkräftegewinnung rücken werden, wurden diskutiert.

Christina Hoffmann, Projektleiterin in der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum, führte die Teilnehmer in die Thematik ein und gab einen Überblick über die Aktivitäten der RG-Bau zum Thema Fachkräftesicherung.

Zentrales Thema für das Bau(haupt)gewerbe ist der Mangel an Fachkräften

Dr. Torge Middendorf, Leiter Volkswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit bei der SOKA-BAU, leitete seine Bestandsaufnahme des Bauarbeitsmarktes mit folgendem Zitat der Deutschen Bundesbank ein: Es „mehren sich die Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft bei Fachkräften zunehmend mit Engpässen konfrontiert ist, die einer deutlich stärkeren Expansion im Wege stehen könnten.“

Anhand aktueller statistischer Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigt sich der zunehmende Engpass an Fachkräften für den Hoch-, Tief-, Aus- und Trockenbau. Besonders betroffen sind hiervon Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern sowie Sachsen und Berlin-Brandenburg. Offene Stellen für diese Spezialisten, gerade mit Meisterabschluss, bleiben im Gesamtdurchschnitt etwa 102 Tage vakant. Seit Juni 2017 sind diese Fachkräfte sogar in die Positivliste bundesweiter Mangelberufe der BA aufgenommen worden. Somit bestätigen diese Zahlen, dass der zentrale produktionsbehindernde Faktor für das Bauhauptgewerbe der Mangel an Fachkräften ist. 22 Prozent der Betriebe berichten zudem über das Abwerben von Arbeitskräften in Drittländer. Dies stellt bisher den höchsten Wert dar, der jemals gemessen wurde.

Verschärft wird der Fachkräftemangel auch durch die anhaltende demographische Problematik. Neue Ausbildungsverhältnisse sind zwar seit 2016 um 7,4 Prozent angestiegen, die Anzahl der Neurentner liegt aber weiterhin über der Zahl der neuen Auszubildenden. Auch der Ausländeranteil im Hoch-, Tief- und Ausbau steigt seit 2011 kontinuierlich an. Im Hochund Ausbau liegt sogar mehr als eine Verdoppelung des Anstiegs vor. Das Qualifikationsniveau der Neubeschäftigten, vor allem der Ausländer und Quereinsteiger, ist aber im vergangenen Jahr im Hochbau leicht, im Tiefbau um zirka zehn Prozent und im Ausbau um etwa fünf Prozent angestiegen. Die neuen Beschäftigten sind also insgesamt besser qualifiziert.

Obgleich das Geschäftsklima für das Baugewerbe zu Beginn des laufenden Jahres auf seinem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung war und die Bauwirtschaft seit Jahren die Konjunktur antreibt, werden die Fachkräfteengpässe in der Bauwirtschaft auch in den kommenden Jahren weiterhin ansteigen. Verschärft wird dieser Trend durch die ungünstige Entwicklung der Altersstruktur. Dies mache die Erschließung neuer Beschäftigtengruppen, beispielsweise von Frauen und Migranten, sowie die Stärkung der betrieblichen Ausbildung dringend erforderlich, so das Fazit von Dr. Middendorf.

Zwei Unternehmensbeispiele zeigen: Der persönliche Kontakt und Kooperationen mit Netzwerkpartnern sind zentrale Erfolgsfaktoren der Arbeitgeberattraktivität

Dieter Mießen, kaufmännischer Leiter des Tiefbauunternehmens Frisch & Faust Tiefbau GmbH in Berlin, stellte zu Beginn seines Vortrags die provokante Frage: „Wie lassen sich erfolgreich Auszubildende für ‚unattraktive‘ Branchen gewinnen?“ Um potenzielle Auszubildende für die Tätigkeitsfelder Kanalbau, Rohrleitungsbau und Kanalsanierung zu werben, steht bei seinem Unternehmen die Arbeitgeberattraktivität im Vordergrund. Gefördert wird sie durch Schulkooperationen, Ausbildungsmessen und Baustellentage. Bei all diesen Angeboten zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität geht es darum, die künftigen Auszubildenden „für das Arbeiten an der frischen Luft zu begeistern“, so Mießen.

Das Tiefbauunternehmen bietet jährlich etwa fünfzehn Ausbildungsplätze in verschiedenen ,Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen an. Erweitert wird dies durch Praktikumsplätze, die der Berufsorientierung dienen. Wichtig ist dem Unternehmen, ein „Klima des Miteinanders“ zu schaffen. Deshalb beginnt die FirmenBegleitung in den Schulen bereits ab der 8. Schulkasse. Oft erreicht das Unternehmen damit auch Jugendliche, die bei der klassischen Bewerberakquise kaum eine Chance hätten. Wie diese Jugendlichen mit einer passgenauen Ansprache gewonnen werden können, welche Rolle dabei Kooperationen mit Schulen, Jugendzentren und anderen Trägern der sozialen Arbeit spielen und wie das Grundprinzip der ‚Face-to-Face-Kommunikation‘ in den Gesprächen mit potenziellen Auszubildenden und deren Eltern zum Tragen kommt, zeigte Herr Mießen mit seinem Beitrag in beeindruckender Weise.

Auch Wolfgang Frey, Geschäftsführer Bereich Berlin bei der TRP Bau GmbH, machte in seinem Vortrag zur beruflichen Ausbildung deutlich, wie es gelingen kann, durch eine intensive Förderung des sozialen Zusammenhangs der Auszubildenden, eine Entwicklung von der extrinsischen zur intrinsischen Motivation bei den Jugendlichen hervorzurufen und dadurch die Ausbildungsquote zu erhöhen. Den Anstoß dazu bieten zum einen Aktivitäten nach außen, beispielsweise die Teilnahme an Ausbildungsmessen und Berufsorientierungstagen an verschiedenen Schulen, aber auch Aktivitäten nach innen, wie die Übernahmegarantie nach erfolgreicher Berufsausbildung, die Zusatzqualifikation zum geprüften Polier, Schweißer oder Vorarbeiter oder das Angebot an Schnuppertagen mit Freund oder Freundin.

Von großer Bedeutung für die Motivationsförderung der Auszubildenden ist auch die Einbettung der TRP Bau GmbH in das Berufsförderungswerk e. V. des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg. Dieses besteht aus den folgenden vier Säulen zur Nachwuchssicherung und Personalentwicklung:

  • Nachwuchsgewinnung (Berufsorientierung und -vorbereitung),
  • Berufsausbildung (in über 20 anerkannten Ausbildungsberufen),
  • berufliche Weiterbildung (von Fachund Führungskräften, insbesondere Anpassungsund Aufstiegsfortbildung) und
  • internationale Bildungsdienstleistungen (für über 35 Länder in vier Kontinenten).

Dem angeschlossen sind zusätzlich drei Bildungszentren an verschiedenen Standorten in Berlin-Brandenburg mit 656 Werkstattplätzen, 348 Unterweisungsplätzen und 200 Übernachtungsplätzen in eigenen Gästehäusern.

Dieses Modell der Verbundausbildung stärkt den sozialen Zusammenhalt der Auszubildenden und trägt zu deren Motivation und Begeisterung auch im Ausbildungsbetrieb bei. Der Erfolg zeigt sich an der Ausbildungsquote der TRP Bau GmbH, sie hat sich in den letzten sieben Jahren konstant gehalten und liegt im Durchschnitt bei 9,27 Prozent.

Neue Zielgruppen für die Fachkräftesicherung erschließen – Frauenpower in Betrieben der Bauwirtschaft sowie im Forschungsbereich Digitalisierung und Bauen

Tanja Leis, Projektleiterin in der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum, stellte in ihrem Vortag die Ergebnisse des RKW-Projekts „Frauen in der Bauwirtschaft – Potenziale stärker erschließen“ vor. Herz des Projektes ist eine Handlungsempfehlung mit Tipps zur Beschaffung, Karriereförderung und -entwicklung weiblicher Fachkräfte, hinterlegt mit guten Beispielen aus der Baupraxis. Die Vorbild-Frauen, die im Projekt interviewt wurden, sind entlang verschiedener Bauberufe und Berufshierarchieebenen bereits erfolgreich und begeistert in der Bauwirtschaft tätig. Im Wesentlichen ging es darum, traditionelle Rollenmuster zu hinterfragen, Klischees abzubauen, individuelle Fähigund Fertigkeiten zu fördern und Hemmschwellen abzubauen, um die Gleichstellung der Frauen in der Bauwirtschaft zu erreichen. „Kompetenz ist keine Frage des Geschlechts“, so Tanja Leis.

Spannend und aufschlussreich waren die verschiedenen Möglichkeiten für die berufliche Entwicklung von Frauen in der Bauwirtschaft, die sie anhand von fünf Unternehmensbeispielen darstellte. So unterschiedlich die Praxisbeispiele auch waren, sie hatten einen gemeinsamen Tenor: Um Mädchen und Frauen auch mittelbis langfristig für die Bauwirtschaft zu gewinnen, sollte Gleichbehandlung an vorderster Stelle stehen.

Aber auch Digitalisierung ist als Chance zu verstehen und zu nutzen. Zudem müsse eine zielgerichtete Kommunikation, Personalentwicklung und Weiterbildung sowie die Vereinbarkeit von Privatem und Beruf weiter vorangetrieben werden. Eine weitere Daueraufgabe stellt die Verbesserung des Images der Baubranche dar. Frau Leis verwies abschließend auf die Projektwebsite, wo die Ergebnisse des Projekts und ein Online-Check für Bauunternehmen in Punkto Beschäftigung von Frauen zu finden sind.

„Fordern und fördern“, dies war und ist das Motto des beruflichen Werdegangs von Frau Dr. Anica Meins-Becker. Sie ist heute, nach einem klaren Karrriereweg über ein Bauingenieursstudium, der Arbeit im Ingenieurbüro, ihrem Studium zum Wirtschaftsingenieur und der Promotion, Arbeitsgruppenleiterin Building Information Modeling (BIM) und Digitalisierung des Lehrund Forschungsgebiets Baubetrieb und Bauwirtschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. Mit ihrem Beitrag machte sie deutlich, wie dieses Motto ihre Motivation, ihr Engagement und ihre Karriereschritte prägten. In ihrem jetzigen Team am BIM-Institut sind zwar die Männer in der Mehrzahl, die beiden leitenden Positionen, Akademischer Rat und Wissenschaftliche Mitarbeit, sind jedoch von Frauen besetzt. Mit einer Übersicht über den Forschungsbereich gab Frau Dr. Anica Meins-Becker einen kurzen Einblick in die Vielschichtigkeit der Themenfelder. Auch der virtuelle Gang durch das BIM-Labor und die Anwendung digitaler Werkzeuge beeindruckten aufgrund ihres hohen Komplexitätsgrades. Neben der berufsbegleitenden Qualifizierung „BIM im Master Architektur und Bauingenieurwesen“ zeigte sie auch Weiterbildungsmöglichkeiten auf, an denen bereits schon heute viele Frauen teilnehmen. Als Beispiel ging sie auf die Weiterbildung „BIM in der Bauausführung“ ein, die aus den fünf Modulen BIM-Strategie, Daten- und Workflow-Management, Planung und Planungsprüfung, BIM-Kostenkalkulation und Terminplanung sowie Dokumentation, Abnahme, Mängel besteht.

Auf die Fragen, ob die Nachwuchsförderung von Frauen im Bereich Digitalisierung und Bauen im akademischen Bereich weiter fortgeschritten sei als auf der betrieblichen Ebene, und was getan werden könne, damit Frauen besser auf der Baustelle ankommen als bisher, hat Dr. Meins-Becker eine klare Antwort: Verbesserungspotenziale zur Überwindung von „Eintritts-Barrieren“ für Frauen in der Bauwirtschaft lägen vor allem in Anreizen zur besseren Vereinbarkeit von Berufsund Privatleben sowie in flexiblen Arbeitszeitkonzepten. Sicherlich sei dies auch ein Thema der Führungskultur, vor allem mit Blick auf die Vermittlung neuer Rollen. Es steht die Frage im Raum, ob oder wie sich durch die veränderten Arbeitsweisen mit BIM die Rollen der Zusammenarbeit nicht nur zwischen Bauzulieferern, Planern, Ausführenden und dem Facility Management verändern werden, sondern auch die zwischen Männern und Frauen und wie dieser Veränderungsprozess durch eine entsprechende Führungskultur begleitet werden kann.

Christina Hoffmann fasste die Inhalte der Veranstaltung zusammen und zog als Resümee: Der Fachkräftemangel hält an und ist längst bei den Bauunternehmen angekommen. Einige Unternehmen stellen sich dem Engpass entgegen und haben kreative Ideen, wie Talente für den Bau gewonnen und gehalten werden können. Aber auch ein Blick über den Tellerrand lohnt sich. So rückt das Fachkräftepotential Frauen mehr und mehr in den Fokus der Personalplanung der Baumittelständler.

Smart Home als Markt Geschäftsmodelle für die Bauwirtschaft

Rückblick auf die Fachveranstaltung im Rahmen der bautec am 23. Februar 2018 in Berlin

Seit gut zwei Jahren kooperiert die RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum mit dem SmartHome Initiative Deutschland e. V. mit dem Ziel, Smart Home als innovatives Marktfeld in der Bauwirtschaft bekannt zu machen und um Unternehmen beider Branchen besser zu vernetzten. Das große Interesse an der diesjährigen Fachveranstaltung, zu der fast 100 Teilnehmer angemeldet waren, zeigt, dass die Arbeit der letzten zwei Jahre erfolgreich war. Immer mehr Unternehmen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft interessieren sich für Smart Home und das ist auch gut so. Aktuell nutzen etwa 36 Prozent der Deutschen Smart Home-Anwendungen, weitere 40 Prozent sind interessiert. Das heißt für die Bauwirtschaft: Die meisten Bauherren wünschen sich ein Smart Home. Es ist höchste Zeit, sich mit dem Thema zu befassen.

Die beste Gelegenheit, einen Überblick über „Smart Home, den unbekannten Massenmarkt?“ zu erhalten, war der Einführungsvortrag von Günther Ohland, Vorsitzender des SmartHome Initiative Deutschland e. V. Die SmartHome Initiative vernetzt Hersteller, Anwender und auch alle anderen Akteure, die im Smart Home-Markt tätig sind. Dazu gehören auch die Wohnungswirtschaft, Versicherungen und die Polizei. Es genügt eben nicht, dass jeder nur ein bisschen Smart Home macht. „Alle Akteure müssen zusammenarbeiten“, so Ohland in seinem Vortrag. Und dazu braucht es ein gemeinsames Verständnis von dem, was Smart Home wirklich bedeutet. Es ist noch lange kein Smart Home, wenn das Licht mit dem Smartphone angeschaltet wird. Ein „echtes“ Smart Home ist wie ein Butler, der die Regeln, die die Bewohner vorgeben, zuverlässig einhält, aber auch Ausnahmen macht.

Es geht eben nicht primär um Technik. Es geht um die Funktionalität, um ein Mehr an Komfort, Sicherheit und auch Energieeffizienz. Besonders anschaulich ist Ohlands Vergleich mit dem Auto. Die wenigsten Autofahrer wissen, wie die Assistenzsysteme im modernen PKW, egal ob Parkassistent oder Müdigkeitserkennung, arbeiten. Aber sie nutzen den Service, wenn er bezahlbar ist und funktioniert. Fertighaushersteller haben bereits daraus gelernt. Sie werben nicht mit dem Begriff Smart Home, sie preisen aber smarte Funktionalitäten an. Und es ist ja auch wirklich praktisch und viel sicherer, wenn beim Auslösen des Rauchmelders auch gleich die Rollos hochfahren und das Licht angeht. Trotzdem müssen natürlich auch Bauleute, die bei ihren Bauherren mit Smart Home-Angeboten punkten wollen, einiges über Smart Home wissen. Welche Funktionen können realisiert werden? Was ist besser, Funk oder Kabel? Warum gibt es keinen einheitlichen Standard? Wie räume ich Vorurteile aus? Wie steht es um die Datensicherheit und was kostet das Ganze? Auf all diese Fragen ging Günther Ohland ein.

Anschließend zeigte Dirk Kleinschmidt von der S3P-Engineering GmbH & Co. KG, wie man nachhaltig und sicher Smart Homes für unterschiedliche Ansprüche der Bauherren plant und realisiert. Als Planer und Projektierer kann das Unternehmen auf langjährige Erfahrung seiner Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung und Projektmanagement in den Schwerpunkten dezentrale Energieerzeuger, Systemregelung und Energiemanagement zurückgreifen. Es hat bereits zahlreiche Smart Home-Projekte realisiert und das nicht nur im Luxussegment.

Am Anfang steht hierbei immer die Ermittlung der Bedürfnisse des Bauherrn. Dabei geht es vor allem um die Funktionalität aber auch um grundlegende Weichenstellungen für die Technik in Bezug auf Datenübertragung, Bedienelemente, Datensicherheit oder Fernzugriffsmöglichkeiten. Anschließend kommen die Fachplanung und die Projektkoordination der technischen Gewerke hinzu. Die Systemintegration übernimmt dann die vollständige Vernetzung, Steuerung und Regelung aller Komponenten im Smart Home. Herr Kleinschmidt sieht Fachplaner und Systemintegratoren als wichtige Partner für Architekten. Sie unterstützen ihn bei der Bedarfsermittlung der individuellen Kundenwünsche und bei der sicheren und kundenspezifischen Planung und Umsetzung der Smart Home-Lösung. Sie alle müssen für ein erfolgreiches Projekt in allen Phasen, von der Bedarfsermittlung, über die Planung, die Installation und Inbetriebnahme des Systems, gut zusammenarbeiten.

Smart Home geht also in der Praxis nur, wenn alle beteiligten Planer und Gewerke gut zusammenarbeiten. Deshalb sind Geschäftsmodelle für die Bauwirtschaft auch ohne Kooperationen kaum denkbar. Folgerichtig basierten die Vorschläge der RG-Bau für die Modifikation der Geschäftsmodelle von Architekten, Fachplanern oder Bauhandwerkern auch auf dem Grundprinzip der Kooperation. Unternehmen der Bauwirtschaft können schrittweise in den Smart Home-Markt einsteigen, versprach Ute Juschkus, Projektleiterin in der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum, den Teilnehmern. Dabei müssen sie nicht zwangsläufig selbst zum Smart Home-Experten auf allen Anwendungsfeldern werden. Die Unternehmen können sich ihren individuellen Einstieg wählen. Sie sollten sich zunächst mit den Funktionen eines Smart Home befassen, die am meisten mit ihrem jetzigen „Bauthema“ zu tun haben, als Energieberater zum Beispiel mit Energieeffizienzfunktionen. Durch die Wahl der richtigen Partner können die Unternehmen ihr Wissen und auch ihr Angebot schrittweise und effizient erweitern und wirtschaftlich davon profitieren.

Beschäftigungsstudie „Digitalisierung und Beschäftigung in der Bauwirtschaft“

Qualifikationsanforderungen und Kompetenzen für eine digitale (Bau-)Arbeitswelt

Die Digitalisierung in der Bauwirtschaft wird großen Einfluss auf das zukünftige Bauen und die Fachkräfte in der Baubranche haben. Die digitale Arbeitsmethode für die Baubrache ist BIM (Building Information Modeling). Menschen, Prozesse und Technologien wirken dabei zielorientiert zusammen. Das Interesse des deutschen Baumittelstands an digitalen Technologien ist groß. Das zeigen auch Branchenumfragen. Verschiedene Studien belegen aber auch, dass die mittelständisch orientierte Bauwirtschaft dem digitalen Wandel und den Möglichkeiten von BIM bisher eher zurückhaltend gegenübersteht.

Es wird erwartet, dass sich das modellbasierte Bauen weiter durchsetzen wird. Der digitale Wandel wird weitreichende Folgen auf die mittelständisch geprägte Bauwirtschaft und damit auch grundlegende Auswirkungen auf die Beschäftigten in der Branche haben. Sie müssen darauf vorbereitet und entsprechend qualifiziert werden.

Die RG-Bau möchte für die Beschäftigungsstudie die Auswirkungen des digitalen Wandels, insbesondere durch den Einsatz von BIM, auf die Bauarbeitswelt näher betrachten. Folgen dieses Transformationsprozesses für Mitarbeiter in bauausführenden Unternehmen und dem Bauhandwerk sollen identifiziert und anschließend erste Impulse für den Umgang damit in der Baupraxis aufgezeigt werden.

In den Bauberufen werden neue Kompetenzen von den Beschäftigten im Zuge der Digitalisierung des Bauens erforderlich werden und auch zukünftig neue Berufsbilder entstehen. Dementsprechend müssen auch neue Anforderungen und Anpassungsbedarfe an die Ausund Weiterbildung gestellt werden. In der Studie sollen deshalb auch Veränderungen für die Personalentwicklung und Personalbeschaffung in der Bauwirtschaft betrachtet werden. Sie soll zeigen, welche Beschäftigtengruppen besonders betroffen sein könnten und Handlungsoptionen bieten, wie die Anpassung der am Bau Tätigen gestaltet werden kann.

Rohstoffe effizient nutzen – erfolgreich am Markt

Verleihung des Deutschen Rohstoffeffizienz-Preises 2017 am 25. Januar 2018 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin

„Weniger ist manchmal mehr. Zum Beispiel wenn es um den Einsatz von natürlichen Ressourcen geht“, so beginnt Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, ihr Vorwort für das Konferenzprogramm zur Verleihung des Deutschen Rohstoffeffizienz-Preises 2017 am 25. Januar 2018 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Berlin. Und für die effiziente Nutzung von Rohstoffen gibt es inzwischen viele gute Beispiele. Doch das Interesse der Öffentlichkeit ist noch zu gering. Der Rohstoffeffizienz-Preis soll deshalb auch dazu beitragen, das Engagement der Fachexperten breiter bekannt zu machen, so Dr. Peer Hoth, Leiter des Referates IV B 5, Mineralische Rohstoffe und Geowissenschaften, der für das BMWi die Begrüßung übernommen hatte.

Spannende Vorträge und Diskussionen füllten den Vormittag aus, und auch wenn diese Beispiele alle aus der stationären Industrie kommen, so gab es auch viele Anregungen für die Bauwirtschaft: Cornelia Szyszkowitz von der Deutschen Telekom Technik GmbH widmete sich zum Beispiel dem Handyrecycling. Was machen Sie in Ihrem Unternehmen mit elektronischen Devices? Achten Sie auf lange Nutzungsdauer und Rückgabemöglichkeiten? Ja, auch das betrifft Bauunternehmen. Dr. Martin Vogt vom VDI Zentrum für Ressourceneffizienz zeigte anhand von Beispielen aus dem Automobilbau, wie Leichtbau zu mehr Ressourceneffizienz beitragen kann. Und Leichtbau ist auch am Bau ein wichtiges Thema, von ultrahochfestem Beton bis Holzbau. Materialentwicklung sollte jedoch auch immer Entsorgung und Recycling mitdenken, gab Dr. Vogt zu bedenken. Dieser Hinweis ist auch für die innovative Bauwirtschaft wichtig, man denke nur an Materialverbünde für intelligente Fassadensysteme.

Nach der Mittagspause richteten Prof. Dr. Martin Stuchtay und Prof. Dr. Martin Faulstich den Fokus auf globales Ressourcenmanagement und die zukünftige Industriegesellschaft. Anschließend zeichnete Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die Preisträger des Deutschen Rohstoffeffizienz-Preises aus. Preisträger sind die Unternehmen OBE Ohnmacht & Baumgärtner GmbH & Co. KG aus Ispringen mit dem Projekt „REProMag – Ressourceneffiziente Herstellung von Hartmagneten auf Basis Seltener Erden“, Cronimet Envirotec aus Bitterfeld mit dem Projekt „Aufbereitung metallhaltiger Schlämme“ und die BTS GmbH aus Weilheim mit dem Projekt „Tausch – Turboladerprogramm“. In der Kategorie Forschungseinrichtungen wurde das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung aus Stuttgart für das Projekt „Automatisierte maskierungsfreie Zweifarbenlackierung für Spiegelgehäuse" ausgezeichnet.

Aber auch andere Wettbewerbsbeiträge waren hoch interessant. Die MoreAero GmbH beispielsweise hatte sich mit einem Projekt für mobiles Flugzeugrecycling beworben. Mit einer mobilen Zerlegeeinheit kann das Unternehmen nicht mehr flugtaugliche Maschinen weltweit recyceln. Das ausgemusterte Flugzeug wird am letzten Landeflughafen zerlegt, das Material vorzerkleinert und in jeweils geeignete Recyclinganlagen transportiert. Gut, Bauleute machen das beim Rückbau ähnlich, aber für Flugzeuge ist das Geschäftsmodell offensichtlich eine Weltneuheit, die sich auch auf andere großvolumige Investitionsgüter mit Multimaterialverbunden, wie auf Windenergieanlagen, übertragen lässt.

Tatsächlich gibt es viele gute Beispiele dafür, dass sich die Bauwirtschaft den Herausforderungen zunehmender Ressourcenknappheit stellt und viel gute Ideen zum sparsamen Baustoffeinsatz und zur Kreislaufwirtschaft im Bauwesen umsetzt. Und nicht nur Bauleute können davon profitieren. Deshalb wurde das Themenportal der RG-Bau www.ressinnobau.de nicht nur freundlicher, sondern vor allem fokussierter gestaltet. Dort sind grundlegende Informationen, gute Beispiele, Lesetipps und aktuelle Hinweise auf Veranstaltung zum Thema Innovationen für Ressourceneffizienz am Bau zu finden. Das Klicken lohnt sich.