EINSTIEGSFRAGEN
Welche äußeren Hindernisse siehst Du auf dem Weg der Prüfungen?
Welche inneren Anteile spielen dabei eine Rolle?
Welche persönlichen Ressourcen hast Du für den Weg der Prüfungen?
GEFÜHRTE INNENREISE
Ergänzend zu diesem Text kannst Du mit unserer Geführten Innenreise tiefer in die Besonderheiten der Station „Weg der Prüfung" einsteigen. Höre rein und lasse Dich inspirieren!
Du hast ein Projekt angenommen oder ein eigenes auf die Beine gestellt, hast die notwendigen Vorbereitungen getroffen und die Schwelle ins Unbekannte überschritten. Jetzt befindest Du Dich auf Deinem „Weg der Prüfung“.
Es begegnen Dir Herausforderungen und Hindernisse. Manche davon kannst Du ganz leicht bewältigen und andere werden Dich auf die Probe stellen und herausfordern. Hier triffst Du auf knifflige oder unlösbar scheinende Probleme, Kämpfe mit Feinden, die sich Dir möglicherweise bereits beim Aufbruch in Station 3 gezeigt haben, Selbstzweifel und unerwartete Wendungen, aber auch auf kleine Siege und wichtige Erkenntnisse.
Jede äußere Herausforderung berührt auch Deine inneren Anteile: Gefühle, Urteile, Glaubenssätze. In der Sprache der Heldinnen und Helden bedeutet dies, in die eigene „Unterwelt“ hinabzusteigen. Damit ist nicht gemeint, dass Du jeden Winkel in Dir durchleuchten oder alle Fehler bei Dir suchen musst, sondern eine Einladung, Dich selbst im Hinblick auf die bevorstehende Prüfung besser zu erkennen. Deine inneren Anteile beeinflussen auch Deine persönliche Art, mit dem Problem umzugehen – also Deine Problemlösungsfähigkeit. Je besser Du Dich und Dein Handeln verstehst, desto flexibler und handlungsfähiger wirst Du.
Wenn Du erkennst, welche Anteile in Dir förderlich oder wahre Bremsklötze – wie zum Beispiel Schwierigkeiten im Umgang mit Kritik – sind, gewinnst Du neue Lösungsansätze und kannst gezielt gegensteuern. Diese Erkenntnis und Deine Bereitschaft zu reflektieren sowie Techniken zur Selbstführung rüsten Dich für Deinen Weg der Prüfung.
Die Prüfungen fordern Dich zusätzlich auf, Deine Ressourcen und Fähigkeiten (siehe Station 1 und 3) einzusetzen und weiterzuentwickeln. Vielleicht schlummern einige Stärken noch unentdeckt in Dir, während andere schon vertraut sind. Wage also mutig Neues, trainiere Deine Skills von Prüfung zu Prüfung, stelle Dich dem Risiko und der Herausforderung. Dabei werden auch Fehler und Rückschritte passieren. Erlaube Dir, auch diese Erfahrungen zu machen. So wird der Weg der Prüfungen auch zu Deinem persönlichen Weg des Wachstums und Deiner Professionalisierung. Also, auf ins Abenteuer!
Wenn Dich jedoch eine Prüfung sprichwörtlich „in die Knie zwingt“ und droht, Dich handlungsunfähig zu machen, können Dir die Impulse der Zusatzstation „Höchste Prüfung“ helfen.
HANDLUNGSIMPULSE
Deine Reflexionsfähigkeit und Deine Selbstführung spielen eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Herausforderungen und Prüfungen, denn sie stärken Deine (fachlichen) Skills im Umgang mit realen Problemen im Alltag. Um diese Fähigkeiten zu entwickeln und anzuwenden, möchten wir Dir einige Impulse geben, die Dich dabei unterstützen, Deine Flexibilität im Umgang mit Prüfungen zu vergrößern und so neue Handlungsmöglichkeiten zu erlangen.
Prüfungen als Hinweisgeber verstehen
Jede Prüfung, jedes Hindernis, jedes Problem, so unangenehm es auch sein mag, ist nicht nur ein Hindernis, sondern auch ein wertvoller Wegweiser und kann ein Schlüssel für persönliches Wachstum sein. Prüfungen können uns nicht nur Hinweise auf unsere Potenziale und Stärken geben, sondern auch auf Schwächen und einschränkende Denkmuster, also auf unsere Licht- und Schattenseiten. Denn diese haben Einfluss auf unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Prüfungen fordern uns dazu auf, unsere Sichtweisen zu überdenken und gegebenenfalls neue Verhaltensweisen zu erproben.
Äußere Prüfungen können vielfältig sein: Ressourcenknappheit, unvorhersehbare Probleme, sich ändernde Ziele und Rahmenbedingungen, fehlende Unterstützung durch die Führungskraft, Zeitdruck, Qualitätsprobleme oder Konflikte mit anderen. All diese äußeren Prüfungen haben aber meist auch eine persönliche Komponente. Oft werden innere Anteile sichtbar, die unser Erleben und Handeln beeinflussen:
- unliebsame Gefühle wie Sorge, Angst oder Wut, die unsere Sichtweise und unsere Fähigkeit zur Lösungssuche färben
- fixe Glaubenssätze wie „Die verhalten sich wie Kinder!“ oder „Wenn ich genug leiste, kann ich alle Probleme lösen!“
- schnelle Beurteilungen wie „Der Kollege arbeitet nicht, da er die Füße auf dem Tisch hat!“ oder „Die Kollegin mag mich nicht, weil sie nicht richtig gegrüßt hat!“
Diese inneren Anteile sind nicht „falsch“ und müssen nicht zwingend ausgeschaltet werden. Sie beeinflussen jedoch, wie wir Probleme interpretieren und angehen. In manchen Fällen können sie sogar an der Entstehung eines Problems ursächlich beteiligt sein. Wenn wir zum Beispiel glauben, dass sich Teammitglieder wie Kinder verhalten, kann sich unser Verhalten ihnen gegenüber so verändern, dass wir etwa durch Micromanagement das eigentlich unerwünschte Verhalten nur verstärken oder im schlimmsten Fall erst hervorrufen. Ein gewisses Maß an Reflexion hilft uns, diese inneren Anteile zu erkennen und zu verstehen, wie sie unsere Wahrnehmung beeinflussen. Unbewusste Emotionen, wie zum Beispiel Sorge, können bei der Interpretation von Problemen oder bei der Suche nach der bestmöglichen Lösung hinderlich sein und so unsere Flexibilität einschränken. Innere Anteile werden dann zu regelrechten Bremsklötzen – sowohl für den Projekterfolg als auch für unsere persönliche Entwicklung. Achtsamkeit und Verlangsamung sind hilfreich, um auch versteckte Anteile aufzudecken. Reflektiere und überprüfe gedanklich oder im Austausch mit vertrauten Personen:
- Welche Gefühle erscheinen während der Prüfung?
- Welche Überzeugungen und Glaubenssätze beeinflussen Deine Interpretation und Lösungssuche?
- Welche Urteile fällst Du dabei schnell?
Indem Du diese Aspekte hinterfragst, kannst Du ihre Wirkung auf Deine Wahrnehmung und Lösungsfindung besser einschätzen. Neben dem Tool „MindShift“ kann Dich auch unsere Achtsamkeitsübung „Da ist …“ unterstützen.
Prüfungen können Dir zu einer ausgewogenen Sicht auf Dich, Deine Potenziale und mögliche Lösungen verhelfen. Sie zeigen Dir außerdem, welche liebgewonnenen Sichtweisen Du überdenken und welche neuen Verhaltensweisen Du erproben solltest. Eine Prüfung kann Dir etwa helfen, Deine Fähigkeit, vor Menschen zu sprechen, zu verbessern, sorgfältiger zu planen oder einschränkende Glaubenssätze abzulegen. Rückschläge sind so betrachtet keine Niederlagen, sondern wertvolle Lernmomente, die Dich langfristig wachsen lassen.
Selbst vermeintliche Schattenseiten – wie Unbeugsamkeit, Risikobereitschaft oder ein starker Wille zur Durchsetzung – können wertvolle Ressourcen sein. In ihnen liegen oft ungeahnte Kräfte, die uns helfen, Hindernisse zu überwinden. Wenn Du beispielsweise erkennst, dass Du in stressigen Situationen aufbrausend reagierst, kannst Du die dahinterliegende Kraft auch positiv nutzen, indem Du sie in Enthusiasmus verwandelst (mehr dazu findest Du in der Zusatzstation „Höchste Prüfung“).
Achtsamkeit, Mut und die Bereitschaft, auch unsichere Wege zu gehen, sind der Schlüssel, um an Prüfungen zu wachsen und Deine Komfortzone nachhaltig zu erweitern. Schau also genau hin: Was erzählt Dir die Prüfung? Was verlangt sie von Dir?
Mut und Unsicherheitstoleranz
Prüfungen verlangen oftmals unsere Flexibilität, um sie zu lösen. Diese ist jedoch häufig durch unsere gewohnten Reaktionsmuster, Vorlieben und Sichtweisen begrenzt. Flexibel zu sein, bedeutet, offen für Veränderungen zu sein und Deine Perspektiven anzupassen, um unerwarteten Herausforderungen zu begegnen. Wenn es Dir zum Beispiel lieb und teuer war, gründlich zu arbeiten, zwingt Dich eine Prüfung vielleicht dazu, dies aufzugeben und schnell zu arbeiten. In einem anderen Fall bist Du eventuell gezwungen, intensiv zuzuhören und andere Meinungen zu berücksichtigen, obwohl Du lieber allein entscheidest. Noch ein Beispiel: Wenn eine Prüfung uns dazu zwingt, einen Konflikt mit einer Führungskraft einzugehen, obwohl wir Konflikte normalerweise scheuen, stehen wir vor der Entscheidung, uns dieser Herausforderung zu stellen oder nicht. Zwei Qualitäten unterstützen Dich dabei:
- Mut: Jemand muss den Schritt wagen und gehen. Nur Du kannst Dich für diesen Schritt entscheiden. Wenn Dir der Mut fehlt, kann Dir das Wissen helfen, wohin und wofür Du springen willst. Mit der Kraft Deiner Vision und Deiner Ziele oder dem Wunsch zu wachsen beziehungsweise eine neue Fähigkeit auszuprobieren vor Augen, fällt es Dir leichter, den Schritt zu wagen. Verbündete und wohlwollende Menschen können uns darüber hinaus stärken und Mut machen (siehe Station 3).
- Unsicherheitstoleranz: So wie der Mut Dir den Absprung ins Ungewisse erleichtert, hilft Dir Unsicherheitstoleranz dabei, den eingeschlagenen Weg auch beizubehalten. Denn, wann immer Du etwas (gänzlich) Neues wagst, verlässt Du ein Stück weit Deine sichere Komfortzone. Dies führt zwangsläufig zu einer Phase der Unsicherheit, solange bis das Neue zu einer Routine wird. Unsicherheit ist jedoch für viele Menschen unangenehm und manchmal auch nur schwer auszuhalten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass nach einer Phase der Unsicherheit, das Neue allmählich seinen Platz findet.
Selbstführung als Basisausrüstung
Im Normalfall – also, wenn wir uns gut fühlen – sind wir mutig, haben ein gewisses Maß an Unsicherheitstoleranz und ein gutes Urteilsvermögen. Unter Stress verschlechtern sich diese Fähigkeiten bei den meisten Menschen. Dann verengt sich nicht nur unsere Wahrnehmung gegenüber der Welt, sondern auch unser Urteilsvermögen und unsere Handlungsmöglichkeiten. Techniken der Selbstführung helfen Dir auch unter Druck oder bei kniffligen Problemen, Dein inneres Gleichgewicht schnell wiederzufinden. In diesem Zustand hast Du die besten Voraussetzungen, die Prüfungen zu meistern. Zwei wirksame Techniken der Selbstführung sind:
- Lösungsorientierte Körperhaltung: Durch eine bewusste Veränderung Deiner Körperhaltung kannst Du Deine Wahrnehmungsfähigkeit positiv beeinflussen. Eine aufrechte und selbstbewusste Körperhaltung kann Dir dabei helfen, leichter Lösungen zu finden und Dein Mindset zu erweitern. Mehr dazu findest Du in dem Tool „Lösungshaltung“.
- Weite Wahrnehmung: Du kannst lernen, Deine Wahrnehmung eines Problems bewusst zu verändern. Dazu kannst Du gezielt von einer engen in eine weite Wahrnehmung wechseln. Damit ist gemeint, den fixierten Blick oder Gedanken an etwas lösen und im Hier und Jetzt ankommen. So kannst Du in schwierigen Situationen schnell auf Deine vorhandenen Kompetenzen zurückgreifen. Das Tool „Fokussieren und De-fokussieren“ zeigt Dir, wie Du das trainieren kannst.
TOOLS ZUM DOWNLOAD
MindShift – einschränkende Glaubenssätze lösen
Systematische Unterstützung für das Benennen und Umwandeln von Glaubenssätzen
Lösungshaltung
Übung zur Einnahme körperlicher Haltungen, die das Finden von Lösungen fördern
Achtsamkeitsübung „Da ist …“
Achtsames Wahrnehmen von Aspekten, die Einfluss auf Arbeit und Wohlbefinden haben
Fokussieren und De-fokussieren
Wahrnehmungsübung für mehr Resilienz, Leistungsfähigkeit und Kreativität
Beide Techniken kannst Du jederzeit anwenden. Sie stärken Deine Wirksamkeit, Flexibilität und Resilienz. Trainiere sie am besten ohne ein akutes Problem, damit Du sie im „Ernstfall“ geübt einsetzen kannst.
Das Wichtigste zum Schluss: Alle unsere Empfehlungen sind nur Werkzeuge, die Dir bei Bedarf und Interesse zur Verfügung stehen. Nutze also die Techniken, die für Dich hilfreich sind, und gestatte Dir, Deinen eigenen Weg zu gehen. Ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit Dir selbst ist dabei die wichtigste Ausrüstung, die Du auf Deinem Weg der Prüfungen mitnimmst.
Fühlt sich der zu überwindende Abgrund der Unsicherheit zu tief an, findest Du in der Zusatzstation „Höchste Prüfung“ Unterstützung.
REFLEXIONSBOX
- Wenn Du mit dem Hindernis konfrontiert bist, welche Gedanken, Gefühle und Urteile über die Situation oder die Personen kommen in Dir hoch? Prüfe selbstkritisch, ob und inwieweit sie Dein Urteilsvermögen und Deine Handlungsfähigkeit beeinflussen? Was kannst Du erkennen?
....................................................................................................................................................................
....................................................................................................................................................................
....................................................................................................................................................................
- Gibt es Bereiche, Gedanken, Überzeugungen oder Gewohnheiten, die Deine Handlungsfähigkeit einschränken? Gibt es etwas, das Du vermeidest, obwohl Du es besser weißt? Wo könnte Dein Mut gefragt sein, um das Hindernis zu überwinden?
....................................................................................................................................................................
....................................................................................................................................................................
....................................................................................................................................................................
- Durch Kritik, Druck oder Stress kannst Du Deine Mitte verlieren. Mache Dir bewusst, was Deine typischen Auslöser sind (mit den beschriebenen Techniken kommst Du schneller wieder zurück in Deine Mitte). Welche Menschen, Sätze, Situationen können das bei Dir auslösen?
....................................................................................................................................................................
....................................................................................................................................................................
....................................................................................................................................................................
- Möchtest Du bei der Betrachtung dieser Reflexionsfragen und Deiner Antworten etwas ändern oder berücksichtigen? Wenn ja, was und bis wann?
................................................................................. bis wann ...............................................................
................................................................................ bis wann ...............................................................
- © FabrikaCr / iStock.com – Header_Website_1460_360_magazin.jpg