Die drei Sinndimensionen – sachlich, sozial und zeitlich – sind keine isolierten Bereiche, sondern miteinander verbunden. Sie greifen wie Zahnräder ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Ein Team, das klare sachliche Ziele hat, kann dennoch in seiner Leistung ausgebremst werden, wenn die Kommunikationsstrukturen (Sozialdimension) schwach sind oder man nicht rechtzeitig vorgesorgt hat (Zeitdimension). Das „Getriebe“ läuft erst dann rund, wenn alle Dimensionen aufeinander abgestimmt sind und reibungsarm ineinandergreifen. In den Bezügen zwischen den Sinndimensionen liegen oft verborgene Handlungsmöglichkeiten, die das volle Potenzial der Teamarbeit ausschöpfen helfen. Im Folgenden stellen wir die Beziehungen zwischen den Dimensionen dar und destillieren daraus die drei plus sechs Schlüsselfragen, die für eine erfolgreiche Teamarbeit entscheidend sind.
„Komplexität erfordert eine Art des Denkens,
die alle Aspekte des Problems gleichzeitig betrachtet.“ – Niklas Luhmann
Die sechs Schlüsselfragen und die Interaktion der drei Sinndimensionen verdeutlichen, wie jede Dimension mit den anderen verbunden ist. Beim Blick auf die Sachdimension müssen sich Teams auch dafür interessieren, dass inhaltliche Ziele durch passende soziale Strukturen und zeitliche Abläufe erreicht werden. Bei der Bearbeitung der Sozialdimension sind auch Relevanz und Machbarkeit der Ziele im Hinblick auf Fähigkeiten und Ressourcen der Teammitglieder zu prüfen und Anpassungsfähigkeit sicherzustellen. Bei der Betrachtung der Zeitdimension geht es immer auch darum, dass Prioritäten sachgerecht gesetzt sind und auf den sozialen Rahmen einzahlen. Nur durch das Zusammenspiel aller drei Dimensionen wird das Team in der Lage sein, effizient und erfolgreich zu arbeiten. Das Teamradar fungiert so als ein kohärentes System, in dem alle Zahnräder ineinandergreifen und gemeinsam den Weg zur erfolgreichen Teamarbeit ebnen. Überschätzt ein Führungskreis rund um eine neue Geschäftsführung beim Verfolgen eines neuen Geschäftsmodells etwa die Anpassungsfähigkeit der Organisation und/oder die Kompetenzprofile der Beschäftigten, wird das Unterfangen ebenso scheitern wie eine Lösung, die bei allem Commitment und herausragendem Change Management ein Produkt hervorbringt, das nicht gekauft wird.
| A. Von der Sachdimension aus gefragt... | |
| Frage an die Sozialdimension: | Die Erreichung der Ziele hängt stark von der passenden Kommunikation und den richtigen Beteiligten ab. Ohne eine sinnvolle Abstimmung der sozialen Strukturen auf die inhaltlichen Anforderungen können die Ziele des Teams nicht effektiv erreicht werden. Die Frage „Haben wir die richtigen Leute und Gespräche für unsere Ziele?“ prüft, ob die sozialen Strukturen des Teams auf die inhaltlichen Ziele abgestimmt sind. Sie hinterfragt, ob die richtigen Beteiligten miteinander kommunizieren und ob die Kommunikationswege geeignet sind, um die Ziele zu erreichen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass das Team auf ein Miteinander zurückgreifen kann, welches die sachliche Zielerfüllung unterstützt. |
| Frage an die Zeitdimension: | Will ein Team seine Sachziele erreichen, muss es sicherstellen, dass rechtzeitig alles vorliegt, was notwendig ist. Im Kern geht es um die Frage, was dafür zu lernen ist und was überflüssig ist. Qualitativ hochwertige Ergebnisse müssen eben auch rechtzeitig zur Verfügung stehen. Mit der Frage „Können wir unsere Ziele rechtzeitig und verbindlich erreichen?“ wird geprüft, ob Prozesse effizient und Prioritäten richtig gesetzt sind (Planung), damit rechtzeitig alle Fähigkeiten zur Verfügung stehen, die zur benötigten Qualität führen. |
| B. Von der Sozialdimension aus gefragt … | |
| Frage an die Sachdimension: | Das Miteinander und die sachlichen Ziele müssen aufeinander abgestimmt sein. Es reicht nicht, ambitionierte Ziele zu setzen – sie müssen zu den Menschen und ihren Fähigkeiten passen, um tatsächlich erreicht werden zu können. Die Frage „Passen unsere Ziele zu uns?“ stellt sicher, dass die Ziele des Teams mit den sozialen Strukturen, Ressourcen und Interessenlagen übereinstimmen. Sie überprüft, ob die sachlichen Ziele realistisch im Rahmen der vorhandenen sozialen Kapazitäten erreichbar sind. |
| Frage an die Zeitdimension: | Es ist Aufgabe der Team- oder Organisationsentwicklung, für die Organisationsformen, Mitarbeitenden und Personalentwicklungsmaßnahmen zu sorgen, die es braucht, damit Menschen produktiv miteinander arbeiten können: vom Meeting-rhythmus über team- und kulturbildende Maßnahmen bis hin zur strategischen Personalplanung. Die Frage „Sorgen wir rechtzeitig für stimmige Kooperationsformen prüft, ob es (auch künftig) einen förderlichen Rahmen für ein funktionierendes Miteinander und effiziente Prozesse gibt. |
| C. Von der Zeitdimension aus gefragt … | |
| Frage an die Sachdimension: | Innovationen entstehen nur, wenn sich neue Möglichkeiten den Weg in die Wirklichkeit suchen. Die Frage „Machen wir das Beste aus dem, was wir können?“ fokussiert darauf, ob das Team in der Lage ist, seine Kompetenzen sinnvoll einzusetzen und seine Ziele im Sinne der Organisation weiterzuentwickeln. |
| Frage an die Sozialdimension: | Veränderungsfähigkeit in Organisation und Köpfen ist erforderlich, um auf sich wandelnde Anforderungen zu reagieren und um zu gewährleisten, dass Kommunikationsstrukturen und Teammitglieder auch unter sich ändernden Vorzeichen zu einer effizienten und effektiven Leistungserbringung beitragen. Die Frage „Sind unsere Kolleginnen und Kollegen sowie die Formen, in denen wir arbeiten, flexibel genug, um die Zukunft zu bewältigen?“ bezieht sich auf die notwendige Entwicklung von Lern- und Veränderungsprozessen im Zeitverlauf. Sie stellt sicher, dass die Kommunikation im Team flexibel und anpassungsfähig bleibt, sodass die richtigen Menschen zur richtigen Zeit über die relevanten Themen sprechen. |
Jeweils zwei der Schlüsselfragen – also diejenigen, die in der Abbildung nebeneinanderstehen und eine gemeinsame Schnittmenge zwischen zwei Sinndimensionen bilden – ergeben zusammen ein zentrales Potenzial des Teams:
- Umsetzungsfähigkeit entsteht, wenn sachliche Anforderungen und soziale Strukturen aufeinander abgestimmt sind. Es geht darum, ob die Ziele des Teams mit den vorhandenen Rollen, Beziehungen und Kommunikationswegen übereinstimmen – und ob das Team die richtigen Menschen und Gespräche hat, um sie heute zu realisieren.
- Strategiefähigkeit ergibt sich aus der Verbindung zwischen sachlichen Zielen und der Fähigkeit eines Teams, sich über die Zeit hinweg weiterzuentwickeln. Sie entsteht oder bleibt erhalten, wenn ein Team nicht nur weiß, was kurz-, mittel- und langfristig zu tun ist und die notwendigen Kompetenzen rechtzeitig aufbauen kann, sondern auch die Sachziele entsprechend der Kompetenzen weiterentwickelt. Im Gegensatz zur Umsetzungsfähigkeit richtet die Strategiefähigkeit den Blick auf die Zukunft. Ein Unternehmen mit hoher Umsetzungsfähigkeit weiß beispielsweise genau, wie es seine Vertriebskanäle ausbauen und effizient gestalten kann. Ein strategiefähiges Unternehmen hingegen hinterfragt, ob diese Vertriebskanäle unter veränderten Kundenbedürfnissen oder neuen technologischen Entwicklungen überhaupt noch der richtige Weg sind – und prüft zugleich, ob sich nicht mit den vorhandenen Ressourcen ganz neue, vielleicht überraschende Ansätze erschließen lassen, etwa durch Kooperationen oder digitale Plattformstrategien.

- Anpassungsfähigkeit (Agilität) entsteht im Dialog von sozialer Zusammenarbeit und zeitlicher Entwicklung. Entscheidend ist, ob das Team flexibel genug ist, um mit Veränderungen umzugehen, ob die Arbeitsformen mit der Zeit stimmig bleiben und ob die Zusammenarbeit nachhaltig gestaltet wird.
Indem ein Team also an den drei plus sechs Schlüsselfragen arbeitet, zahlt es auf seine Umsetzungs-, Strategie- und Anpassungsfähigkeit ein. Ein solches Team kann resilienter, erwachsener und leistungsfähiger sein.

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