Um sicher durch die „Stromschnellen“ des Arbeitsalltags zu navigieren, braucht es ein Verständnis für die verschiedenen Dynamiken im Team. Das Teamradar ist ein Orientierungsrahmen, innerhalb dessen Teamdynamiken miteinander ausgewertet und gestaltet werden können. Es ist in einer Basisund einer ausführlichen 360°-Version nutzbar. Es reduziert Komplexität, indem es die Betrachtung des (konfliktären) Teamgeschehens in drei zentrale Dimensionen aufgliedert: eine sachliche, eine soziale und eine zeitliche. Jede dieser Dimensionen fokussiert auf wenige entscheidende Fragen, die das Team beantworten muss, um effektiv und harmonisch zusammenzuarbeiten.
In diesem Kapitel stellen wir zunächst die Basis-Version vor und zeigen, wie man damit wesentliche Konfliktlinien identifizieren kann, bevor wir im darauffolgenden Abschnitt das Zusammenspiel der Sinndimensionen beleuchten.
Die sachliche Dimension: „Wie komponieren wir unsere Zielerreichung?“
In der Betrachtung der sachlichen Dimension richten wir den Fokus auf die Welt der Fakten und Dinge. Hier geht es darum, gemeinsam zu klären, welche Ziele angestrebt werden und wie der Weg dorthin gestaltet wird. Diese Dimension fokussiert auf das „Was“ und das „Wie“. Es geht also darum:
- Ziele und Prioritäten zu setzen: Welche Themen und Aufgaben stehen für das Team im Vordergrund? Was sind die konkreten Ziele, die es zu erreichen gilt?
- Klarheit über den Weg zu finden: Wie plant das Team den sachlichen Arbeitsprozess?
Das Klären dieser Fragen hilft dabei, das Team auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen und sicherzustellen, dass alle Beteiligten verstehen, woran sie arbeiten und wie der Weg zum Ziel aussieht. Ohne Sachziel gäbe es kein Team.
Die soziale Dimension: „Wer spricht mit wem worüber?“
Kein Team funktioniert ohne Kommunikation und stabile Beziehungen. Die soziale Dimension des Teamradars bezieht sich auf das „Wer“ und „Wie“ der Zusammenarbeit. Es geht darum:
- Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären: Wer gehört dazu und wer nicht? Wer übernimmt welche Aufgabe im Team? Wie stehen die Teammitglieder zueinander, und welche Rolle spielt jede und jeder Einzelne?
- Kommunikationsstrukturen zu gestalten: Wie und in welchem Rahmen spricht wer mit wem? Werden Meinungen und Ideen offen geteilt? Wie kommen Entscheidungen zustande?
Diese soziale Komponente des Teamradars sorgt dafür, dass das Team nicht nur sachlich auf Kurs bleibt, sondern auch zwischenmenschlich funktioniert. Ohne Menschen und sachzielgemäße Gespräche wird kein Ziel erreicht. Ein offener Umgang miteinander und die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv auszutragen, sind wichtig für die notwendige soziale Anpassungsfähigkeit.
Die zeitliche Dimension: „Wie navigieren wir durch die Zeit und lernen miteinander?“
In einer sich schnell verändernden Welt ist die Fähigkeit zur Anpassung eine Schlüsselkompetenz. Die zeitliche Dimension des Teamradars schaut genauer auf das „Wann (nicht)“ und „Wie lange“. Es geht um:
- Timing und Anpassung: Was müssen wir (nicht) anpassen, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen? Welche Schritte müssen vorgezogen oder verschoben werden? Dies hilft dabei, das Team zeitlich zu koordinieren und sicherzustellen, dass Fristen realistisch gesetzt und eingehalten werden.
- Lernen und Reflektion: Was hat in der Vergangenheit gut funktioniert, und was könnten wir besser machen? So wird eine Kultur des Lernens gefördert, bei der das Team regelmäßig reflektiert, um aus Fehlern zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
- Zukunftsorientierte Planung: Die Betrachtung der zeitlichen Dimension regt das Team an, nicht nur im Hier und Jetzt zu arbeiten, sondern auch an die Zukunft zu denken. Welche langfristigen Ziele gibt es? Wie können wir uns heute schon darauf vorbereiten? Was sollten wir anfangen, aufgeben oder auslassen?
So wird dafür gesorgt, dass das Team nicht nur im Augenblick agiert, sondern auch langfristig handlungsfähig bleibt. Hier wird entschieden, ob ein Team sich rechtzeitig auf neue Situationen einlassen, Überkommenes aufgeben und Kompetenzen rechtzeitig entwickeln kann.

Im Teamradar sind die drei Dimensionen als drei sich überschneidende Kreise dargestellt. Diese Darstellung ist auch die Basis für die Visualisierung der meisten der folgenden Übungen.
Übers Müssen, Dürfen, Wollen und Können – die Sinndimensionen im Teamalltag
In einem Team bestimmt die Ausgestaltung der Sachdimension, was das Team muss und darf. Dies gibt den inhaltlichen Rahmen vor und definiert seine Ziele, Regeln und Aufgaben. Aus der Sachdimension kommt die Grundlage für die Teamarbeit, denn hier werden Vorgaben gesetzt, was inhaltlich erledigt werden muss. Gleichzeitig wird festlegt, welche Handlungen und Entscheidungen erlaubt sind. Dadurch wird ein verbindlicher Rahmen geschaffen, der Orientierung gibt. Aus der Sachdimension geht also hervor, was notwendig und was möglich ist. Ohne eine gewisse Klarheit in der Sachdimension fehlt dem Team die Orientierung. Es besteht die Gefahr, dass es sich in Nebensächlichkeiten verliert, gegen grundlegende Vorgaben verstößt oder auseinanderbricht.
Die Setzungen in der Sozialdimension beeinflussen das Wollen des Teams – sie beziehen sich auf soziale Beziehungen, Interessen und Engagement der Teammitglieder. In der Sozialdimension geht es darum, ob das Team wirklich bereit ist, sich den inhaltlichen Aufgaben und Zielen zu widmen. Die Sozialdimension umfasst daher alle sozialen Strukturen und Kommunikationsmuster, die beeinflussen, wie das Team zusammenarbeitet und ob die Teammitglieder bereit sind, sich für die gemeinsamen Ziele einzusetzen. Ohne eine funktionierende Sozialdimension können selbst klar definierte Ziele und Aufgaben an Motivation und Zusammenhalt scheitern, weil das Team zwar weiß, was es tun soll, aber nicht hinter dem Ziel steht.
Die Zeitdimension betrifft das Können des Teams – in ihr wird sichergestellt, dass die erforderlichen Ressourcen und der zeitliche Rahmen vorhanden sind, um die inhaltlichen Ziele zu erreichen. In der Zeitdimension wird hinterfragt, ob das Team realistisch in der Lage ist, seine Aufgaben und Ziele zu bewältigen. Es geht um das Timing, die Planung und die Fähigkeit des Teams, sich flexibel an gegebene Zeitrahmen anzupassen. Diese Dimension umfasst auch die Fähigkeit des Teams, aus vergangenen Erfahrungen zu lernen und sich auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten. Die Zeitdimension sorgt also dafür, dass das Team seine Ziele nicht nur erreichen will, sondern sie auch tatsächlich erreichen kann. Läuft hier etwas schief, können Aufgaben unerfüllt bleiben, weil das Team zwar motiviert ist und die richtigen Inhalte hat, aber schlichtweg keine ausreichenden Mittel, Zeit oder Kompetenzen zur Verfügung stehen.
Zusammengefasst
1. Die Sachdimension (Müssen und Dürfen):
- Müssen: Sie legt die Aufgaben und Verpflichtungen des Teams fest und stellt sicher, dass alle wissen, was inhaltlich erreicht werden muss.
- Dürfen: Sie definiert die Handlungsspielräume und erlaubt dem Team, innerhalb bestimmter Grenzen eigene Entscheidungen zu treffen.
- Ohne eine klare Sachdimension fehlt das inhaltliche Fundament. Das Team verliert an Orientierung und Legitimation.
2. Die Sozialdimension (Wollen):
- Sie fokussiert auf die Personen und das Miteinander, das das Engagement der Teammitglieder prägt.
- Die Sozialdimension sorgt dafür, dass das Team nicht nur Aufgaben vor sich hat, sondern diese auch wirklich erreichen möchte.
- Ohne eine funktionierende Sozialdimension bleibt das Team vielleicht technisch handlungsfähig, aber es fehlt an Menschen und Strukturen zur Umsetzung.

3. Die Zeitdimension (Können):
- Sie stellt sicher, dass die nötige Zeit und die Ressourcen zur Verfügung stehen, damit das Team die Aufgaben realistisch erreichen kann.
- Sie überprüft, ob das Team in der Lage ist, zu lernen, also die zeitlichen Anforderungen zu erfüllen und sich an veränderte Bedingungen anzupassen.
- Ohne eine abgestimmte Zeitdimension kann das Team seine Ziele nicht effektiv umsetzen, da es entweder inkompetent ist, unter Zeitdruck steht oder Prozesse unkoordiniert verlaufen.

Das Teamradar als Leitfaden für die Teamarbeit
Mithilfe dieser drei Sinndimensionen – der sachlichen, sozialen und zeitlichen – strukturieren und verstehen Menschen sowie soziale Systeme, also Teams, Organisationen oder ganze Gesellschaften, ihre Realität. Daher bieten diese Dimensionen eine gute Grundlage, um die komplexen Dynamiken innerhalb eines Teams zu sortieren und in nachvollziehbare Kategorien einzuordnen. So wird die oft unvorhersehbare Wirklichkeit der Teamarbeit greifbarer und zugänglicher. Teams finden eine gemeinsame Sprache und einen Rahmen, in dem sie sich über den Stand der Dinge austauschen können. Dabei unterstützt das Teamradar nicht nur in der Klarheit von Zielen und Rollen, sondern auch in der ständigen Anpassung an neue Herausforderungen.
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