Mit der Auswahl geeigneter Auszubildender ist der erste Schritt geschafft. Jetzt geht es darum, sie so vorzubereiten, dass sie ihren Einsatz in der Schule sicher und überzeugend meistern. Die Schulung macht aus motivierten Azubis ein handlungsfähiges Botschafter-Team. 9.1 Ziele der Schulung Eine gute Schulung soll: – Rolle und Auftrag klären: Botschafter wissen, was ihre Aufgabe ist – Orientierung geben, ehrlich berichten, keine reine Firmenwerbung. – Sicherheit im Auftreten vermitteln: Sie lernen, frei vor Gruppen zu sprechen, einen roten Faden zu halten und mit Nervosität umzugehen. – Inhalte strukturieren: Jeder Botschafter erarbeitet eine nachvollziehbare persönliche „Berufsgeschichte“: Weg in die Ausbildung, Alltag, Chancen und Herausforderungen. – Umgang mit Schulklassen üben: Sie trauen sich zu, Fragen spontan zu beantworten und ihre Sprache an 14- bis 16-Jährige anzupassen. – Gemeinschaft stärken: Die Botschafter erle- ben sich als Team – das erhöht Motivation und Verbindlichkeit. 9.2 Aufbau und Dauer der Schulung Bewährt haben sich ein kompakter Schulungstag (ca. 6–7 Stunden) oder zwei Halbtage mit einer kurzen Pra- xisphase dazwischen. Wichtig ist eine Mischung aus kurzen Inputs, vielen Übungen, Austausch und ausreichend Pausen. Lieber weniger Theorie, dafür mehr Übung. Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts www.rkw-kompetenzzentrum.de 20 Abbildung 5: Schulungskonzepte (eigene Darstellung). Schulungskonzepte: Flexibilität für Ihre Botschafter Die zwei bewährten Varianten für die Vorbereitung der Auszubildenden Kernprinzip: Die 4 Säulen des Erfolgs Information Vermittlung von Wissen und Grundlagen. Übungen Praktische Anwendung und Vertiefung. Austausch Erfahrungsaustausch und Dialog. Einsatz-Vorbereitung Gezielt auf die praktischen Anforderungen vorbereiten. Variante A: Der Intensiv-Tag „Eintägige Schulung“ (ca. 6–7 Stunden) – Ideal für schnelle Umsetzung. Vormittag: Theorie & Grundlagen – Einführung, Rolle und Zielgruppe (Schüler). – Grundlagen der Präsentation und des Auftretens. Nachmittag: Praxis & Feedback – „Praxisübungen“ und Erarbeitung der eigenen Kurzpräsentation. – Konkretes Feedback und Feinabstimmung. Variante B: Das geteilte Format „Zweiteilige Schulung“ (z. B. 2 × 4 Stunden) – Ermöglicht intensive Selbstvorbereitung. Termin 1: Grundlagen – Grundlagen und erste Übungen. Zwischenphase (Selbststudium) – Botschafter bereiten ihren Vortrag selbstständig vor (Wichtig: Materialsicherung!). Termin 2: Generalprobe – Generalproben und Feinschliff. – Abschluss-Feedback und letzte Fragen. Wichtiger als die Dauer ist die Kombination dieser Elemente in jedem Format. Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts www.rkw-kompetenzzentrum.de 21 9.3 Inhalte im Überblick Die Schulung kann sich an vier Bausteinen orientieren: 1. Rolle und Rahmen: Ziele des Projekts, Bedeutung der Botschafter, typischer Ablauf eines Einsatzes, Zuständigkeiten von Kammer, Schule, Betrieb und Botschafter. 2. Präsentation und Auftreten: Frei und verständlich sprechen, Blickkontakt, Körperhaltung, Umgang mit Notizen und Lampenfieber. Kurze Vorstellungs- runden mit Feedback sind hier wirksamer als lange Theorie. 3. Zielgruppenorientierte Kommunikation: Was inter- essiert Jugendliche? Welche Begriffe sind verständ- lich, welche nicht? Grundsatz: „Erkläre es so, dass es dein kleiner Bruder oder deine kleine Schwester versteht.“ 4. Inhaltliche Vorbereitung: Jeder Botschafter baut einen kurzen Vortrag auf, zum Beispiel entlang die- ser Fragen: – Wer bin ich? – Wie bin ich zu meinem Beruf gekommen? – Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? – Was macht mir Spaß, was ist herausfordernd? – Welche Perspektiven gibt es nach der Ausbildung? – Was würde ich Jugendlichen raten? Daraus entsteht ein 5–10-minütiger Kurzvortrag, der in der Gruppe geübt wird. 9.4 Methoden und Übungen Die Schulung lebt von aktiven Elementen, zum Beispiel: – Partnerinterview „Mein Weg in die Ausbildung“ mit anschließender Kurzvorstellung im Plenum. – Kurzvortrag mit Feedback, 3–5 Minuten pro Person. – „Fragenbox“ mit typischen Schülerfragen, die spon- tan beantwortet werden. – Rollenspiel „Schulklasse“, um mit verschiedenen Reaktionen umgehen zu lernen. Solche Übungen schaffen Sicherheit für den realen Einsatz. 9.5 Materialien und Hilfsmittel Botschafter sollten nach der Schulung einige praktische Hilfen mitnehmen: – einen kurzen Leitfaden „Mein Einsatz als Ausbil- dungsbotschafter“ (Ablauf, Tipps, Ansprechpartner), – eine Checkliste „Vor dem Einsatz“ (Termin, Anfahrt, Präsentation, Kleidung, Kontaktperson), – bei Bedarf Präsentationsvorlagen im Kammer-Design, – eine kleine Karte mit Kontaktdaten der Ansprech- person in der Kammer. So wissen die Botschafter, woran sie sich orientieren können – auch noch Wochen nach der Schulung. Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts www.rkw-kompetenzzentrum.de 22 Checkliste 3: Wie sieht es mit der Einsatzbereitschaft aus? Checkliste: Einsatzbereitschaft Sind alle Punkte erledigt, steht ihrem erfolgreichen ersten Einsatz nichts mehr im Wege! Besuchsablauf im Blick Ich weiß, wie der Ablauf des Besuchs in der Schule ungefähr aussieht. Wichtiger Ansprechpartner Ich kenne den Namen und die Kontaktdaten der Ansprechperson in der Kammer. Kurzpräsentation vorbereitet Ich kann meinen Beruf und meinen Weg dorthin in 5–10 Minuten frei erklären. Typische Fragen bedacht Ich habe mir typische Fragen überlegt, die Schülerinnen und Schüler stellen könnten. Support bei Problemen Ich weiß, an wen ich mich wenden kann, wenn etwas nicht klappt. Viel Erfolg beim Botschafter-Einsatz! Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts www.rkw-kompetenzzentrum.de 23 9.6 Organisation und Logistik der Schulung Organisatorisch ist zu klären: – Ort: gut erreichbarer Raum mit Platz für Gruppenar- beit und Übungen (Kammer, Bildungszentrum o. Ä.). – Termin: möglichst außerhalb von Berufsschule und Prüfungsphasen; Betriebe frühzeitig informieren. – Einladung: rechtzeitig an Betriebe und Azubis mit Agenda, Zeit, Ort. – Verpflegung: Getränke und kleiner Imbiss tragen zur guten Atmosphäre bei. – Dokumentation: Anwesenheitsliste, optional kurze Feedbackbögen zur Weiterentwicklung der Schulung. 9.7 Nachbereitung und Einstieg in die Praxis Eine Schulung wirkt am besten, wenn bald danach erste Einsätze stattfinden. Planen Sie daher: – möglichst zeitnahe „Pilotklassen“ nach der Schulung, – eine kurze Erinnerungsmail an die Botschafter mit den nächsten Schritten, – eine Information an die Betriebe, wie es weitergeht („Die ersten Einsätze sind im Zeitraum XY geplant“). So bleibt die Motivation hoch und der Übergang von der Schulung in die Praxis gelingt. 9.8 Fazit Die Schulung ist der Moment, in dem aus ausgewählten Azubis ein sichtbares Botschafter-Team wird. Wenn die Teilnehmenden am Ende sagen können: – „Ich weiß, was meine Aufgabe ist.“ – „Ich traue mir einen Einsatz in der Klasse zu.“ – „Ich weiß, an wen ich mich bei Fragen wenden kann.“ dann ist das wichtigste Ziel von Kapitel 9 erreicht und die Basis für erfolgreiche Einsätze gelegt.