Die Qualität des Projekts hängt wesentlich von den beteiligten Auszubildenden und ihren Betrieben ab. Dieses Kapitel zeigt in komprimierter Form, wie Sie Zielbild, Betriebe, Azubis und Rahmenbedingungen so zusammenbringen, dass ein tragfähiger Start gelingt. 8.1 Zielbild und Kriterien klären Bevor Sie aktiv werden, lohnt ein kurzer Blick nach vorn: Wie soll Ihr Botschafter-Pool aussehen? Wichtige Fragen: – Welche Branchen und Berufe sollen vertreten sein (ggf. Mangelberufe einbeziehen)? – Welche Schularten wollen Sie vorrangig erreichen? – Wie viele Botschafter brauchen Sie für das geplante Einsatzvolumen? Daraus ergeben sich einfache Auswahlkriterien: – Ausbildungsstand: ideal ab dem zweiten Ausbildungsjahr. – Motivation: freiwillige Teilnahme, kein „Abkommandieren“. – Kommunikationsbereitschaft: keine Profi-Redner, aber grundsätzliche Offenheit. – Zuverlässigkeit: pünktlich, verbindlich, verantwortungsvoll. – Rückhalt im Betrieb: Freistellung für Schulung und Einsätze ist geklärt. Wenn diese Punkte erfüllt sind und offen kommuniziert werden, können viele Jugendliche gut in die Rolle hineinwachsen. Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts www.rkw-kompetenzzentrum.de 16 Mitten in der Ausbildung Hat bereits praktische Erfahrung gesammelt (z.B. ab 2. Lehrjahr) und kann authentisch berichten. Zuverlässig und verbindlich Hält Termine und Absprachen zuverlässig ein – eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Einsätze. Interessiert an Menschen und Austausch Ist motiviert, auf Schüler zuzugehen, ihre Fragen zu beantworten und sich aktiv auszutauschen. Vom Betrieb unterstützt Freistellung für Schulungen und Einsätze ist vom Unternehmen formal geklärt und wird aktiv gefördert. Bereit, vor Gruppen zu sprechen Ist offen für Präsentationsaufgaben und hat Freude daran, vor Schulklassen aufzutreten. Abbildung 4: Der ideale Ausbildungsbotschafter im Profil (eigene Darstellung). Kernprofil: Der ideale Ausbildungsbotschafter Fünf entscheidende Kriterien für die Auswahl Die Erfüllung dieser Kriterien sichert die Qualität und den Erfolg der Botschafter-Einsätze. Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts www.rkw-kompetenzzentrum.de 17 8.2 Betriebe gezielt ansprechen Ausbildungsbotschafter funktionieren nur im Zusammenspiel mit den Betrieben. Hilfreich sind: – eine kurze Projektinfo für Betriebe (Was machen Botschafter? Welcher Nutzen? Wie viel Zeitaufwand?), – ein einfacher Rückmeldeweg („Wir haben Interesse, bitte kontaktieren Sie uns“ per Mail oder Kurzformular), – mehrere Kontaktkanäle: • Newsletter und Rundschreiben, • Hinweise bei Beratungen, Ausbildertreffen, Prüfungen, • direkte Ansprache engagierter Ausbildungsbetriebe, • Hinweis auf der Kammer-Website. Wichtig: Der Einstieg muss niedrigschwellig sein – kein umfangreiches Antragsverfahren, sondern eine unkom- plizierte Interessenbekundung. Tipp zur Ansprache: Konzentrieren Sie sich darauf, den Betrieben zu zeigen, dass dies eine einfache und kostenlose Lösung für ihr Recruiting-Problem ist. Status Aufgabe Details und Fokus Projektinfo erstellt Erstellung eines knappen, maximal zweiseitigen Informationsblatts für Betriebe, das den Nutzen (Bewerberzugang, Soft Skills) und den geringen Aufwand (Freistellung) klar kommuniziert. Ansprachetext formuliert Ausformulierung eines überzeugenden Anschreibens für den Kammer-Newsletter und/oder eine direkte Rundmail an die Ausbildungsleiter. Der Fokus liegt auf der dringenden Notwendig- keit der Fachkräftegewinnung. Betriebs-Priorisierung Erstellung einer Liste von priorisierten Zielbetrieben. Kriterien können die Größe (Großausbilder), die Branche oder das nachweis- bare Engagement in der Ausbildung (KMU) sein, um die Erfolgs- quote zu erhöhen. Bestehende Kanäle integriert Einplanung von Hinweisen und kurzen Vorträgen zu den Botschaftern bei allen relevanten Kammer-Formaten (z. B. Ausbildertreffen, Sprechtage, Branchen-Netzwerktreffen). Zentrale Kontaktstelle kommuniziert Festlegung und klare Kommunikation einer zentralen Ansprechperson in der Kammer (inkl. direkter Durchwahl und E-Mail-Adresse) für interessierte Betriebe. Checkliste 2: Die Akquise von Ausbildungsbetrieben. Handlungshilfe zur Einführung eines Ausbildungsbotschafter-Projekts www.rkw-kompetenzzentrum.de 18 8.3 Auszubildende auswählen Sobald Betriebe Interesse zeigen, beginnt die Auswahl der Botschafter. Der Ton: wertschätzend – Botschafter zu sein ist eine Auszeichnung. Empfohlenes Vorgehen: 1. Betriebe schlagen Azubis vor, ggf. mit kurzer Einschätzung (z. B. zuverlässig, kommunikativ). 2. Kurzes Kennenlernen (telefonisch oder online): Motivation, Rahmen, offene Fragen klären. Ziel ist nicht Aussortieren, sondern Passung prüfen. 3. Kompakte Infos an die Azubis: – Was kommt auf mich zu? – Wie läuft die Schulung ab? – Wie viele Einsätze werden ungefähr erwartet? – Wer ist Ansprechpartner in der Kammer? 4. Verbindliche Zusage einholen: Azubi und Betrieb bestätigen schriftlich, dass sie die Rolle und den Auf- wand mittragen. Typische Fragen („Wie oft?“, „Zählt das als Arbeitszeit?“, „Was ist, wenn ich nervös bin?“) sollten kurz und klar beantwortet werden – das schafft Sicherheit. 8.4 Motivation und Rahmenbe- dingungen sichern Damit aus einem einmaligen „Ich probiere das mal“ ein dauerhafter Einsatz wird, sind Motivation und faire Rahmenbedingungen entscheidend. Was motiviert Auszubildende? – Sinn: anderen Jugendlichen bei der Berufswahl helfen. – Entwicklung: sicherer auftreten, vor Gruppen sprechen, Fragen beantworten. – Anerkennung: gesehen werden – durch Zertifikate, Bescheinigungen, positive Rückmeldungen. Was sollten Betriebe wissen? – wie die Freistellung geregelt ist, – ob Fahrzeiten als Arbeitszeit gelten, – wer im Betrieb Ansprechpartner für die Kammer ist. Wichtig ist, dass Betriebe und Azubis den Eindruck haben: „Die Kammer organisiert zuverlässig, informiert klar und ist bei Fragen erreichbar.“ Zufriedene Betriebe und Botschafter tragen ihre positi- ven Erfahrungen meist von selbst weiter – ein wichtiger Motor für das Wachstum der Initiative. 8.5 Kurz zusammengefasst Sorgfältige Akquise und klare Auswahlkriterien sorgen dafür, dass motivierte, passende Auszubildende mit Rückhalt im Betrieb in die Schulen gehen. Die Zeit, die Sie am Anfang in Zielbild, Ansprache und Rahmenbedin- gungen investieren, zahlt sich später bei jedem Einsatz und jeder neuen Botschafter-Generation mehrfach aus.