Wie agil ist Ihr Innovationsprozess?

Veröffentlicht: 05.12.2016

Projekt: Innovationsmanagement

Zusammenfassung: Agile Methoden wie Scrum gewinnen laufend an Bedeutung. Ausgehend von der Softwareentwicklung finden sie zunehmend Verbreitung in der Produktentwicklung von Unternehmen traditioneller Branchen. Finden Sie hier einen kurzen Überblick.

Agilität im Innovationsprozess

In letzter Zeit ist mir wieder ein "großes" Schlagwort über den Weg gelaufen. Es heißt: Agilität. Gemeint ist Geschiwindigkeit und Flexibilität. Was fällt uns als Innovationsexperten zu diesem Thema ein. Zum Beispiel die Methode Scrum. Gerne und häufig in der schnellebigen IT-Branche eingesetzt, findet Sie zunehmend Verbreitung in der Produktentwicklung von Unternehmen in traditionellen Branchen und gewinnt an Popularität. Denn sie steht beispielhaft für schlanke und schnelle Innovationsprozesse und verspricht, Komplexität beherrhschbar zu machen.

Komplexität - eine zu berücksichtigende Dimension

Steigende Komplexität ist laut der IBM Global CEO Studie zukünftig die größte Herausforderung für Unternehmen. Insbesondere Innovationsprojekte sind hiervon betroffen. Denn sie sind seit jeher gekennzeichnet durch ein großes Maß an unvollständigen Informationen, Unsicherheit und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Ansprüche an Entwickler und Entscheider steigen jedoch kontinuierlich. Gründe hierfür sind unter anderem die kürzer werdenden Lebenszyklen, ein immer rasanterer Technologiewandel, die zunehmende Wettbewerbsintensität und die Globalisierung der Märkte.

Agiles Vorgehen, was heißt das?

Agile Innovationsprozesse sind nicht zuletzt deshalb zunehmend gefragt. Sie werden schon seit Jahren von zahlreichen Wissenschaftlern propagiert, um mit der wachsenden Komplexität umzugehen, statt sie beherrschen zu wollen. Auch Unternehmen greifen inzwischen immer stärker darauf zurück.

Hält man sich an das agile Manifest von 2001, so stecken dahinter Vorgehensweisen, die schlanke und flexible Entwicklungsprozesse ermöglichen sollen. Hierfür sollen Entwickler 

  • stärker auf Individuen und Interaktionen als auf Prozesse und Werkzeuge,
  • stärker auf funktionierende Software als auf umfassende Dokumentation,
  • stärker auf Zusammenarbeit mit dem Kunden als auf Vertragsverhandlung und
  • stärker auf Reagieren auf Veränderung als auf das Befolgen eines Plans

setzen. Die daraus abgeleiteten 12 Prinzipien der agilen Softwareentwicklung finden Sie hier.

Obwohl sich hinter dem populären Begriff "agil" recht unterschiedliche Konzepte verbergen und die verschiedenen in diesem Zusammenhang häufig genannten Methoden im Detail recht unterschiedlich vorgehen, besitzen sie einige charakteristische Eigenschaften:

Anders als traditionelle, stärker lineare Phasenmodelle setzen sie weniger auf detaillierte Langfristplanung als auf hohe Anpassungsfähigkeit. Anstatt alles von Anfang an vollständig festzulegen, setzen sie auf Flexibilität, um auf sich verändernde Kundenanforderungen und technologischen Wandel reagieren zu können. Man tastet sich quasi an die richtige Lösung heran.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung in kurzen Iterationen und die enge Zusammenarbeit mit Kunden und Nutzern. Erst durch das stetige Testen der Zwischenergebnisse mit den Nutzern werden die Projektziele geschärft und das Konzept bzw. Produkt laufend optimiert. Diese Tests erstrecken sich über den gesamten Innovationsprozess und  beginnen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt. 

Klar ist jedoch auch: Die Einführung von agilen Prozessen stellt hohe Anforderungen an die Unternehmen. Denn der Verzicht auf einen genauen Plan erzeugt zunächst ein hohes Maß an Unsicherheit. Zudem setzen agile Modelle auf die enge Zusammenarbeit in selbstorganisierten, hochmotivierten, interdisziplinären und mit großer Entscheidungsfreiheit ausgestatteten Teams. Dies setzt ein hohes Maß an Vertrauen, Selbstreflektion, Kooperationsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit voraus.

Agiles Vorgehen jenseits der Softwareentwicklung

Obwohl agile Modelle auf die Produktentwicklung in traditionellen Branchen zurückgeht, haben sie bisher vor allem in der Softwareentwicklung eine rasante Verbreitung gefunden. Das verwundert wenig, ist diese Branche doch in besonderem Maße von schnellem technologischem Wandel und häufigen Änderungen der Kundenanforderungen betroffen.

Doch auch jenseits der Softwareentwicklung werden agile Prozessmodelle inzwischen mehr und mehr diskutiert und seit 2008 auch zusehends erfolgreich eingesetzt. Das belegen verschiedene Untersuchungen, zum Beispiel die Studie "Status Quo Agile" der Hochschule Koblenz, die 2012 den Verbreitungsgrad agiler Methoden beleuchtete. Zwei wichtige Ergebnisse:

  • 86 % der Studienteilnehmer, die bereits agile Vorgehensweisen anwenden, gaben an, dadurch bessere Ergebnisse und mehr Effizienz zu erzielen. 
  • 94 % schätzen die erzielten Verbesserungen höher oder sehr viel höher ein als den zur Einführung notwendigen Aufwand.

Meist werden sie jedoch nicht in Reinform eingesetzt, sondern kombiniert mit klassischen Instrumenten. Denn agile Prozesse sind mit herkömmlichen Vorgehensweisen wie dem Stage-Gate-Prozess kombinierbar. Übrigens, auch Cooper, der Vater dieses Modells, plädiert inzwischen selbst für die stärkere Berücksichtigung agiler Herangehensweisen. 

Agile Methoden, SCRUM und Co.

Das zurzeit verbreitetste und deshalb meist genannte Beispiel ist Scrum.

Neben Scrum existieren jedoch zahlreiche weitere, teils ältere Modelle aus der Softwareentwicklung. Hierzu zählen beispielsweise Kanban, Adaptive Software Development, die Crystal-Methodenfamilie, Dynamic Systems Development Method, eXtreme Programming, Feature Driven Development oder Usability Driven Development, um nur einige zu nennen.

Doch auch andere derzeit viel diskutierte Ansätze wie Design Thinking  oder Lean Innovation  machen konsequent von agile Aspekten Gebrauch.

Fazit

Viele Wissenschaftler und Unternehmensvertreter sind sich einig: Agile Prozesse bergen ein hohes Potenzial. Sie sind jedoch kein Allheilmittel. Welche Rolle sie spielen können ist jedoch nicht zuletzt von den Anforderungen des jeweiligen Projektes, des Unternehmens bzw. der Branche abhängig.