Open Innovation für den Mittelstand

Veröffentlicht: 13.09.2016

Zusammenfassung: Open Innovation hat mich bereits im Studium gefesselt. Damals war es noch ein relativ neues Thema. In einigen Veröffentlichungen bin ich in der letzten Zeit wieder darüber gestolpert. Zeit also für eine Bestandsaufnahme.

Open Innovation ist zugegebenermaßen kein ganz neues Thema. Seit Anfang des Jahrtausends wächst das Interesse und insbesondere seit 2006 ist eine rapide Steigerung der Nachfrage nach Open-Innovation-Dienstleistungen festzustellen. Auch das RKW-Kompetenzzentrum hat das Thema bereits in seinem Magazin aufgenommen, zuletzt in der Ausgabe 2/2015. Während der wissenschaftliche Diskurs über Open Innovation bereits wieder abflaut, wächst der Markt für Open Innovation laut Studien der RWTH Aachen weiterhin.

Was ist Open Innovation?

Open Innovation bedeutet vereinfacht gesagt,

dass Unternehmen bei der Weiterentwicklung ihrer Technologien sowohl externe als auch interne Ideen nutzen können und sollten, ebenso wie interne und externe Vermarktungswege."

(Henry Chesbrough)

Unternehmen öffnen sich der verstärkten Zusammenarbeit mit externen Wissensträgern wie Experten, um gemeinsam Werte zu schaffen. Externe Wissensträgern, das können zum Beispiel Kunden, Anwender, strategisch relevante Zulieferer, andere Unternehmen, Technologiezentren und Forschungseinrichtungen oder Universitäten sein.

Open Innovation: Keine Einbahnstraße!

Das Zitat macht aber auch deutlich, Open Innovation geht in zwei Richtungen:

Outside-In-Innovation ist der Versuch, externe Ideen und fremdes Know-how gezielt in das eigene Unternehmen zu integrieren. Varianten sind zum Beispiel:

  • Crowdsourcing
  • User Innovation
  • Lieferanteninnovationen
  • Technologie-Scouting
  • Cross-Industry-Innovationen

Insight-out-Innovation hat dagegen das Ziel, unternehmenseigene Entwicklungen und Patente extern zu kommerzialisieren.

Auch ein Thema für KMU?

Bisher ist Open Innovation aber vor allem ein Thema für große Unternehmen. Laut Oliver Gassmann sollte man sich allerdings verdeutlichen, dass 99 Prozent des für ein Unternehmen relevanten Wissens außerhalb des eigenen Betriebes liegen. 

Open Innovation bietet deshalb gerade auch für mittelständische Unternehmen interessante Möglichkeiten. Zumal ihre finanziellen und personellen Ressourcen eng begrenzt sind und die steigende Komplexität der Produkt- und Dienstleistungsangebote ihnen gleichzeitig eine zunehmend breitere Wissensbasis abverlangt.

Beispiele kleiner und mittlerer Unternehmen, die Open Innovation erfolgreich praktiziert haben, finden Sie in unseren Publikationen.

Die Vorteile auf einen Blick

Was haben KMU konkret davon, ihre eigenen Innovationsprozesse nach außen zu öffnen? KMU sollten sich mit Open Innovation auseinandersetzen, um

  • an ungewöhnliche externe Ideen zu gelangen,
  • den Zugang zu externem Know-how zu ermöglichen,
  • Risiken zu minimieren und zu verteilen,
  • den Innovationsprozess zu beschleunigen,
  • eigene Ressourcen zu sparen,
  • die Marktbedürfnisse besser zu antizipieren,
  • bislang ungenutzte Ideen, Konzepte und Patente zu vermarkten oder
  • neue Absatzmöglichkeiten und Geschäftsfelder zu erschließen.

Zwar werden im Zusammenhang mit Open Innovation häufig auch Kosteneinsparungen in Aussicht gestellt. Im Kern geht es aber meiner Meinung nach um die Verkürzung der Time-to-Market, die Verbesserung der Kundenorientierung oder die Bearbeitung intern nicht zu lösender Aufgaben.

Probleme und Hindernisse 

Häufig bleiben diese Chancen aber ungenutzt. Die Skepsis überwiegt. In dem Credo „no patent, no talk“ drückt sich die Angst aus, bereits zu früh zu viel preiszugeben. Unsicherheiten bestehen häufig auch hinsichtlich der Verwertungsrechte der entstandenen Lösungen.

Oftmals muss zunächst auch ausreichend Akzeptanz für die neue Offenheit im Unternehmen hergestellt werden. Der Begriff „Not-invented-here-Syndrom“ beschreibt die große Skepsis gegenüber von außen stammenden Ideen. Hier ist die Rückendeckung durch die Unternehmensführung gefragt. Außerdem hat es sich bewährt, zunächst Problemstellungen anzugehen, die schnelle Erfolge versprechen und so den Weg zu ebnen.

Open Innovation umsetzen

Welche Möglichkeiten bieten sich mittelständischen Unternehmen, externes Know-how einzubeziehen? Konkrete Maßnahmen um eine intensivere Zusammenarbeit zu fördern sind etwa:

  • Lead-User Workshops
  • Innovationstage mit Lieferanten
  • Hochschultage

Auch die Durchführung gemeinsamer Entwicklungsprojekte stellt eine Form von Open Innovation dar. Große Unternehmen besitzen teilweise eigene Plattformen, um ihre Problemstellungen einer Crowd zur Lösung zu übergeben. Mehrere Softwareanbieter stellen ähnliche Pakete auch für KMU zur Verfügung. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung einer der zahlreichen Open Innovation Plattformen, beispielsweise:

oder im deutschsprachigen Raum:

Vorsicht: Ob Marketing, technische Problemstellungen oder ein bestimmter Branchenspezialisierung, jede Plattform hat ihren eigenen Zuschnitt. Sie unterscheiden sich zudem durch die Auswahl und Ansprache der einbezogenen Experten. Eine interaktive Landkarte bestehender Angebote bietet die Open Innovation Map.

Mit Methoden wie dem Social Media Monitoring oder der Netnographie lassen sich die Probleme und Ideen der Kunden dagegen eher aus der Ferne beobachten.