Innovationskultur – vom Dürfen, Wollen und Können

Veröffentlicht: 24.11.2016

Projekt: Innovationsmanagement

Zusammenfassung: Innovationsprozesse geben Innovationsprojekten einen Kompass. Aber Prozesse und Strukturen innovieren nicht, sondern es sind die Menschen, die Ideen entwickeln und vorantreiben. Ob das gelingt, hängt von einer guten Innovationskultur ab.

Die Innovationskultur

Keine Frage, Prozesse und Strukturen sind wichtig, denn sie geben Innovationsaktivitäten einen Rahmen. Nicht umsonst sehen wir den Innovationsprozess als einen wesentlichen Erfolgsgaranten im Innovationsmanagement. Prozesse und Strukturen innovieren allerdings nicht, sondern es sind die Menschen in der Organisation, die Ideen entwickeln und mit ihrem Engagement teils gegen Widerstände vorantreiben. Ob sie das dürfen, wollen und können ist ganz wesentlich vom Klima im Unternehmen abhängig. Kein Wunder, dass die Innovationskultur in mehreren Studien als einer der Top-Erfolgsgaranten von Innovationsaktivitäten ermittelt wurde.

Mit der Kultur in einem Unternehmen meinen wir die gewachsenen und aktuell wirksamen Wertvorstellungen, Verhaltensvorschriften und Denkweisen, an die sich jeder Mitarbeiter nach einiger Zeit mehr oder minder anpasst. Die Innovationskultur als Teil der Unternehmenskultur beeinflusst, wie mit Ideen und Innovationen umgegangen wird. Das betrifft beispielsweise maßgeblich die Bereitschaft und den Freiraum der Beschäftigten und Vorgesetzten, Ideen zu entwickeln, zu sammeln und einzubringen sowie Innovationen voranzutreiben.

Mögliche Ansatzpunkte

Wichtige Schlüsselelemente für eine positive Innovationskultur sind

  • Vertrauen,
  • Kreativität,
  • Wertschätzung,
  • Offenheit, 
  • gemeinsame Zielsetzungen und 
  • Identifikation.

Um diese Schlüsselelemente umzusetzen, bestehen im Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten. Hierzu zählen etwa:

Freiräume und Ressourcen: Hand aufs Herz, wieviel Prozent ihrer Zeit verwenden ihre innovativsten Mitarbeiter auf tatsächliche Innovationstätigkeiten? Meist ist der Anteil nicht sehr hoch, denn sie sind vom Alltagsgeschäft weitgehend ausgelastet. Innovation benötigt allerdings ausreichende finanzielle und zeitliche Ressourcen. Das heißt mitunter auch die zeitweilige Befreiung von anderen Aufgaben und die Konzentration auf innovative Tätigkeiten.

Vorschlagswesen: Ein betriebliches Vorschlagswesen ist ein wesentlicher Bestandteil eines modernen Ideenmanagements. Es soll den Mitarbeitern erleichtern, Ideen einzubringen sowie eine geordnete Auswertung und Verarbeitung sicherstellen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, eine schnelle und transparente Bearbeitung und ein Feedback an die Ideengeber über den gesamten Verarbeitungsprozess zu gewährleisten.

Incentives und Wertschätzung: Wie motiviere ich aber meine Mitarbeiter, besondere Ideen zu entwickeln? Im Idealfall entspringt die Motivation aus einer starken Identifikation mit dem Kundenerlebnis, einer sinnstiftenden Aufgabe oder der Leidenschaft für und dem Stolz über die eigene Produkte. Viele Unternehmen setzen darüber hinaus auf Belohnungen. Dabei denkt man zunächst einmal an Geldprämien, Fortbildungen oder Sachprämien. Die tatsächliche Wirkung monetärer Anreize ist aber sehr umstritten. Je nach Mitarbeiter können aber auch öffentliche Anerkennung oder besondere Bevorzugungen probate Mittel sein, die Motivation zu steigern. 

Fehlerfreundliche Kultur: Fehler ist nicht gleich Fehler. Was in vielen Unternehmensbereichen, allen voran der Produktion, absolut zu vermeiden ist, ist für Innovationsvorhaben zumindest zu tolerieren. Denn einerseits sind Innovationsprozesse immer mit Unsicherheiten behaftet. Die Angst, Fehler zu begehen, kann deshalb den Innovationsprozess erheblich lähmen. Andererseits bieten Fehler auch immer die Möglichkeit für Lernprozesse.   

Fort- und Weiterbildungen: Außergewöhnliche Ideen und ihre erfolgreiche Umsetzung sind nicht das Ergebnis göttlicher Eingebungen. Ihre Grundlage sind solide methodische und fachliche Kenntnisse.

Kommunikation und Vernetzung: Innovationen sind zunehmend nicht mehr die Arbeit eines einzelnen Genies in seinem stillen Kämmerlein. Gefragt sind deshalb offene und vernetzte Kommunikation über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg.

Es besteht noch Luft nach oben

Angesichts der hohen Relevanz einer positiven Innovationskultur überraschen die empirischen Ergebnisse zu diesem Thema. So stellt - um nur ein Beispiel zu zitieren - der Industrie-Innovationsindex der Altana AG, der bereits 2014 veröffentlicht wurde, fest, dass sich die Führungskräfte in deutschen Unternehmen ein schwaches Zeugnis ausstellen, wenn es um die Umsetzung einer innovationsfreundlichen Kultur geht. Selbst vermeintliche Standards wie ein betriebliches Vorschlagswesen sind in weniger als einem Viertel der Unternehmen sehr stark eingesetzt. Einzig die Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse sticht hervor.

 

Industrie-Innovationsindex 2014

Innovationskultur verbessern

Es geht also nicht nur darum, Prozesse zu systematisieren, sondern auch um soziale Innovationen im eigenen Unternehmen. Es ist eine Führungsaufgabe, die Mitarbeiter durch geeignete Maßnahmen in ihrer Motivation, ihren Möglichkeiten und Befähigungen zu unterstützen. Innovationskultur wird von  von unten gelebt, aber von oben gesteuert und vorgelebt.

Eine innovationsfreundliche Kultur zu stiften ist sicherlich ein langfristiger, evolutionärer Veränderungsprozess. Für einen solchen Kulturwandel werden Zeiträume von sechs bis zu 15 Jahren angesetzt. Trotzdem: Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Starten Sie jetzt!

Mehr Informationen über die Elemente einer positiven Innovationskultur erfahren Sie in unserem kostenlosen Faktenblatt "Erfolgsfaktor 4: Die Innovationskultur" der Strategiemappe "Innovation managen".