„Familiennachfolge - So würden wir die Konstellationen bzw. den Grundtenor im Rahmen der Nachfolgeberatung beim RKW Sachsen-Anhalt am ehesten beschreiben. Wir betreuen sehr viele Firmen bzw. Mitgliedsunternehmen, welche sich Anfang der 90er Jahre gegründet haben und die Geschäftsführenden heute größtenteils kurz vor dem Rentenalter stehen“, beschreibt Heidi Werner, Geschäftsführerin RKW Sachsen-Anhalt GmbH, zusammenfassend die Grundzüge der Unternehmensnachfolge im Rahmen ihrer Tätigkeit. 

Vertrauen entgegenbringen

Durch die teilweise langjährige Begleitung dieser Firmen in unterschiedlichsten wirtschaftlichen Belangen bis zur Nachfolgeregelung, konnten die Mitarbeitenden des RKW Sachsen-Anhalt erleben, dass die Unternehmensnachfolge vor allem mit ganz viel Vertrauen zu tun hat. Es ist schwierig einen Nachfolgenden zu finden, welcher die wirtschaftlichen und natürlich auch die persönlichen Interessen und Anforderungen des Unternehmers bzw. der Unternehmerin erfüllt.  „Wir haben erlebt, dass die Übergabe an Externe sehr herausfordernd ist und es gab sogar den Fall, dass eine Firma zurückgekauft wurde, da der Nachfolgende doch nicht den Erwartungen entsprach. Bei anderen Unternehmen kam es während des Übergabeprozesses zu unüberwindbaren Konflikten und die Nachfolge hat am Ende doch nicht stattgefunden. Davor scheuen sich sehr viele Unternehmen und versuchen, die Nachfolge in der eigenen Familie zu finden“, so Heidi Werner.

Loslassen können

So wächst dann häufig der Wunsch, dass die Kinder das Unternehmen übernehmen. Das ist allerdings schwierig, da die Vorstellungen bezüglich des Arbeitspensums, der Arbeitsumwelt und der Work-Life-Balance häufig zwischen den Generationen differieren. Des Weiteren kommt es häufig vor, dass es der Unternehmerin oder dem Unternehmer äußerst schwerfällt, loszulassen und die Verantwortung an die nächste Generation zu übertragen.

Beispiel: Lehnert Regelungstechnik GmbH

Aber es gibt auch durchaus positive Beispiele, wie die Firma Lehnert Regelungstechnik GmbH, welche ursprünglich aus der industrienahen Forschung hervorging und ihren Sitz im Magdeburger Wissenschaftshafen hat.  Sie entwickelt die Firma Pendeldämpfungen und Spurführungen für Krane und stellen ein Hightech-Unternehmen für Industriekrantechnologie dar. Bettina Lehnert, 58 Jahre alt und derzeit Prokuristin im Unternehmen hat sich rechtzeitig Gedanken über die Nachfolge gemacht. Nachdem es bereits Bemühungen gab, externe Führungskräfte auf Leitungs- und Gesellschafterebene in das Unternehmen zu integrieren, welche für eine Nachfolge in Frage kommen sollten, wurden diese Bemühungen nach einigen Enttäuschungen abgebrochen.

Nun stehen die Zeichen auf Übernahme der Geschäftsführung durch Mitglieder der eigenen Familie. Der Sohn Moritz Lehnert ist bereits seit 2012 im Unternehmen und sollte ursprünglich den Vertrieb übernehmen. Er hat sich sehr intensiv in die Materie eingearbeitet, ist mittlerweile Experte im technischen Bereich und brennt für neue Technologien. Er hat bereits bewiesen, dass er durchaus als Nachfolger in Frage kommt. Mittlerweile befinden sich Mutter und Sohn im Übergabeprozess. Moritz Lehnert ist inzwischen Geschäftsführer, während Bettina Lehnert seit Mai ihre Arbeitszeiten reduziert hat. Sie möchte sich zunehmend, mit der Sicherheit, dass Moritz Lehnert die Geschäfte in allen Bereichen selbstständig führen kann, aus dem Unternehmen zurückziehen.

Ihr Fazit zur Suche nach einem passenden Nachfolger: „Es ist äußerst schwierig eine geeignete Person oder Unterstützer im Prozess zu finden. Allen Abgebenden kann ich nur raten, sich rechtzeitig, also möglichst mehrere Jahre vor der tatsächlichen Übergabe, intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Bei der Übergabe an ein Mitglied der Familie ist der Rollenkonflikt privat und beruflich nicht zu unterschätzen und dem sollte man sich bewusst sein. Wichtig ist darüber hinaus auch, den eigenen Lebensinhalt nicht aus den Augen zu verlieren. Man muss sich auch ein „Leben danach“ aufbauen.“

Frau Lehnert selbst ist seit einiger Zeit zusätzlich als Coach und Therapeutin tätig und hat so für sich eine  neue Tätigkeit mit sehr viel Raum zur Selbstverwirklichung und Selbsterfüllung gesucht und gefunden. Sie möchte sich in diesem bisher nebenberuflichen Bereich noch viele Jahre nach Übergabe des Unternehmens verwirklichen können.

Aus der Praxis für die Praxis

Im Rahmen der Initiative "Unternehmensnachfolge - aus der Praxis für die Praxis" des BMWi fördern 30 Modellprojekte Unternehmensnachfolge.

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Julia Schauer Gründung / Referentin

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Julia Schauer

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