Dass Gründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund die Gründungslandschaft in Deutschland tatkräftig unterstützen, bestätigt u. a. die jüngste Sonderauswertung des KfW-Gründungsmonitors aus November 2020. Jeder vierte Gründende hat demnach ausländische Wurzeln. Doch jenseits der Zahlen zeigt die Realität, dass insbesondere die Gruppe der Frauen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund oftmals vor besonderen Herausforderungen steht.

Frauen mit Einwanderungsgeschichte stoßen bei einer Unternehmensgründung oftmals zunächst auf ganz grundlegende Hürden - angefangen bei der deutschen Sprache über die Strukturen im Existenzgründungsumfeld bis hin zum richtigen Umgang mit Behörden und Banken. Dabei bietet die berufliche Selbstständigkeit gerade Frauen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund viele Möglichkeiten und vor allem die Chance auf ein selbstbestimmtes Erwerbsleben. Die Position als Unternehmerin kann zudem gesellschaftliche Anerkennung stärken und zu mehr Autonomie und Flexibilität in der Arbeitsgestaltung führen.

In Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration führte das RKW Kompetenzzentrum daher im November 2020 die Veranstaltungsreihe „Gründen heißt Vielfalt“ unter dem Dach der Gründerwoche Deutschland durch. Insgesamt rund 80 Teilnehmende folgten der Einladung und nahmen an den beiden Online-Events teil.  

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten sowie erfolgreichen Gründer- und Unternehmerinnen ging es André Hanschke (Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ) und Stephanie Kropf (RKW Kompetenzzentrum) mit der Reihe vor allem darum aufzuzeigen, welche besonderen Hilfestellungen und Beratungsangebote zur Verfügung stehen, wie sich Hürden überwinden lassen und warum es sich lohnt, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

Im ersten Teil der Reihe  „Gut beraten – Besondere Herausforderungen und Angebote für Gründerinnen mit Migrationshintergrund“, der am 17.11.2020 online stattfand, sprachen die beiden dazu mit den Expertinnen Ramona Lange (Projektleiterin, jumpp - Frauenbetriebe e.V), Souzan Nicholson (Integrationslotsin und Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, Landratsamt Kulmbach), Selma Yilmaz-Schwenker (Projektleiterin bei der Initiative Selbständiger Immigrantinnen e.V. Berlin) und Nadine Förster (Fachstellenleiterin der IQ Fachstelle Migrantenökonomie) über die spezifischen Herausforderungen, die (potenzielle) Gründerinnen mit Migrationshintergrund zu bewältigen haben und die zur Verfügung stehenden Beratungsangebote.

Wie wichtig solche Beratungen sind, betonten auch die Gründerinnen Sevinc Yerli (Designerin und Geschäftsführerin von chilli bang bang), Hoda El Gawish (Inhaberin von El Gawish Consulting), Päivi Burdaham (Inhaberin von noa boa - Modeladen für Schwangere & Kinder), Sinem Ertürk, (Inhaberin von Green Bee Design) und Ulrike Weber (Leiterin der Initiative „FRAUEN unternehmen“) im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Vorbilder machen Mut – Erfolgreiche Gründerinnen mit Migrationshintergrund im Gespräch“ am 19.11.2020.

Die Gründerinnen hatten zwar selbst kaum Hilfe in Anspruch genommen, würden dies heute aber anders machen. „Denn durch externe, professionelle Unterstützung können viele Schwierigkeiten vermieden bzw. leichter überwunden werden.“, so Hoda El Gawish, die sich heute ehrenamtlich bei den Wirtschaftsjunioren engagiert.

„Gerade in der Pandemie ist die Bedeutung von Netzwerken spürbar geworden“, betonte auch Sevinc Yerli, denn in diesen könne sich angesichts einer solchen Herausforderung schnell organisiert werden. Netzwerke könnten die Interessen ihrer Mitglieder gebündelt vertreten und so schnell und speziell auf ihre Zielgruppe ausgerichtete (Hilfs-)Angebote anbieten. So wird es möglich, eine größere Gruppe zu unterstützen und nicht nur punktuell bei Einzelnen anzusetzen. Auch der Austausch untereinander, mit anderen Gründerinnen und Gründern, wurde als sehr wichtig betont. Die Frauen hatten zum Teil ähnliche Erfahrungen gemacht, waren mit diesen aber doch sehr unterschiedlich umgegangen. Einig waren sich die anwesenden Unternehmerinnen darüber, dass sich migrantische Gründerinnen oft gleich mit einer Mehrfach-Diskriminierung ausgesetzt fühlen – zum einen aufgrund des Migrationshintergrunds und darüber hinaus oft auch aufgrund des Geschlechts.

Doch dass die Frauen gründen, ist gleich aus mehrerlei Hinsicht wichtig. Denn sie werden auch zu Vorbildern für künftige Generationen, so sagt Sevinc Yerli „Als Mutter ist es mir bewusst geworden, wie wichtig es ist das vorzuleben, gerade bei Mädchen. Meine Töchter sind sehr stolz auf mich“.  Viele Gründerinnen engagieren sich deshalb in Netzwerken wie „FRAUEN unternehmen“. Die Vorbildunternehmerinnen der bundesweiten Initiative besuchen beispielsweise Schulen oder Universitäten und berichten dort über Chancen und Herausforderungen. Sie bieten einen realistischen Einblick in den Alltag als Unternehmerin und machen Mut zur Selbstständigkeit, „Gründerinnen mit Migrationshintergrund können anderen Frauen Mut machen, so wird sich die Quote der Gründerinnen mit Migrationshintergrund erhöhen. Diese Frauen müssen sichtbar gemacht werden, denn das macht anderen Mut“. Diese Sichtbarmachung ist insbesondere für Gründerinnen mit Migrationshintergrund von enormer Bedeutung. Oft wird der Migrationshintergrund und die damit verbundenen Herausforderungen zunächst als Nachteil empfunden. Die Geschichten der erfolgreichen Unternehmerinnen zeigen jedoch schnell auf, dass die eigene Einwanderungsgeschichte durchaus auch viele Vorteile mit sich bringen kann – bei der Erschließung internationaler Märkte zum Beispiel.

So werden Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund zu wichtigen Vermittlerinnen – und  Brückenbauerinnen zwischen den Kulturen.

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