Wie sich der High-Tech-Gründerfonds für Kooperationen einsetzt

Veröffentlicht: 02.11.2016

Zusammenfassung: Der High-Tech-Gründerfonds investiert Risikokapital in junge, chancenreiche Techonolgieunternehmen. Wir haben mit Benjamin Erhart, Investment Director und Ansprechpartner für mittelständische Investoren, dazu befragt.

 

 

 

 

 

Ich sehe eine positive Entwicklung: Beteiligungen zwischen Mittelständlern und Startups werden immer mehr zur Normalität. Einfach weil der Nutzen für beide so groß ist.

Benjamin Erhart(© ALF / High-Tech-Gründerfonds - Privat/Non-kommerziell)

Benjamin Erhart ist Investment Director und Ansprechpartner für mittelständische Investoren beim High-Tech-Gründerfonds. Der High-Tech-Gründerfonds investiert Risikokapital in junge, chancenreiche Technologie-Unternhmen, die vielversprechende Forschungsergebnisse unternehmerisch umsetzen.

Für das RKW Magazin 2/16 haben wir Herrn Erhart zu seinen Erfahrungen zur potenziellen Zusammenbeit von Mittelständlern und Startups befragt.

Herr Erhart, Sie haben regelmäßig mit Startups und Mittelständlern zu tun. Welches Potenzial sehen Sie, wenn beide aufeinandertreffen?

Benjamin Erhart: Wir spüren deutlich das Interesse von Mittelständlern aber auch von Startups, gemeinsam erfolgreich zu sein. Denn zum Beispiel sind die Themen Innovation, Flexibilität, das Streben nach Marktführerschaft in der DNA von Mittelständern verankert, sie sind aber ebenso Ansprüche der meisten Startups. Das Potenzial bei einer Kooperation ist dadurch extrem groß – trotz der Unterschiede in der Arbeitsweise, Unternehmenskultur und den Schwierigkeiten zueinander zu finden.

Wie bringen Sie Unternehmen und Startups zusammen?

Wir laden zum Beispiel jedes Jahr Mittelständler und etablierte Unternehmen nach Bonn ein und vernetzen sie systematisch mit unserem Portfolio an jungen Unternehmen. Das Format nennt sich High-Tech Partnering Konferenz. Im vergangenen Jahr waren etwa 400 Unternehmen in allen Größen zu Gast. Dort werden gemeinsame Innovations- und Förderprojekte angestoßen, mögliche Kooperationspartner lernen sich kennen und wenn sie zusammen passen, dann wird auch über Beteiligung gesprochen. Bei unserem Portfolio von über 200 Technologieunternehmen bietet sich genügend Oberfläche. Wir sehen uns hier als Brückenschlag für beide Parteien.

Von welchen Formen der Beteiligungen sprechen wir hier?

Es geht bei uns zum Beispiel um kleine Minderheitsbeteiligungen im Rahmen von Anschlussfinanzierungen, die Partnerschaften flankieren, bis hin zu Mehrheits- oder 100-Prozent-Übernahmen. Es gibt also eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Entscheidend ist: Das richtige Instrument zu finden und richtig auszugestalten. Wir übernehmen – wenn gewünscht– dabei eine aktive Rolle. Wir arbeiten vertrauensvoll sowohl mit dem Startup, an dem wir auch beteiligt sind, als auch mit den etablieren Unternehmen zusammen.

Welche Vorteile haben Startups Ihrer Meinung nach, wenn sie sich mit Unternehmen zusammentun?

Startups haben mittlerweile gelernt, dass sie im Mittelstand gute Partner finden, die sehr häufig ihre Sicht auf Märkte und ihre Arbeitsweise teilen – sie sprechen die gleiche Sprache – auch was die Herausforderungen betrifft. Für junge Unternehmen ist es ein Vorteil, mit den Entscheidern oder Unternehmern direkt zusammenzuarbeiten, hohe Entscheidungsgeschwindigkeit über Finanzierungen oder gemeinsame Marktbearbeitung ist für Startups wichtig. Gleichzeitig können Mittelständler sehr gut Kontinuität in der Zusammenarbeit leben. Das ist ein Faktor, der in der Zusammenarbeit mit großen Corporates oder Private-Equity-Investoren deutlich schwieriger ist.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den nächsten Jahren?

Ich sehe eine positive Entwicklung: Beteiligungen zwischen Mittelständlern und Startups werden immer mehr zur Normalität. Einfach weil der Nutzen für beide so groß ist. Unternehmen werden sich in Startups engagieren, in welcher Form auch immer. Unternehmen, die in der Vergangenheit nur 100-Prozent-Übernahmen getätigt haben, sind heute wesentlich flexibler und flankieren Partnerschaften auch mit kleineren Investments. Etablierte Unternehmen, die bisher nur erfolgreiche Geschäftsbereiche erworben haben, sind heute schon mit mehr Risiko aktiv: Sie scouten und investieren jetzt auch in der Seed-Phase der Startups, um die Veränderungen, die in ihren Märkten immer schneller kommen, zu bewältigen. Also das Aktivitätsniveau aller Akteure wird weiter zunehmen, die Teilnehmer professionalisieren sich und die Beteiligungsszenarien werden nachhaltiger und vielfältiger.

Was können Sie Kritikern entgegnen, die das nur als „Hype“ bezeichnen?

Wie in allen Märkten kann es sein, dass es hier und da Überhitzungen auch in der Startup-Finanzierung gibt. Es ist beispielsweise bekannt, dass Corporate-Venturing in Wellen auftritt – es nimmt zu und wieder ab. Nichtsdestotrotz scheint die aktuelle Entwicklung momentan aber stabiler zu sein als in der Vergangenheit. Wie in allen Märkten mit hoher Aktivität wird es aber auch Abkühlung geben. Generell bin ich mir sicher, dass die Aktivitäten nachhaltiger und professioneller werden. Wenn dieses Ökosystem weiter nachhaltige Geschäftsmodelle hervorbringt, die Kern großer Unternehmen werden, und wenn sich Startup-Unternehmen zu ernsthaften Playern entwickeln, gewinnt das Thema Startups weiter an Legitimität. Viele Beispiele belegen, dass Unternehmen, die aus Seed-Phasen gestartet sind, zu Marktführern werden können. Wir sind stolz, Firmen wie eGym oder Next Kraftwerke als mittlerweile etablierte, eigenständige Unternehmen unterstützen zu dürfen. Aber auch Unternehmen wie FTAPI, die Till GmbH oder kimeta wachsen mit ihren Geschäftsmodellen nun unter dem Dach größerer Unternehmen ungeachtet von Hypes weiter.

Herr Erhart, vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Beitrag ist in gekürzter Form dem RKW Magazin 2/2016 entnommen. Gern können Sie weitere Beiträge in der PDF lesen, oder bestellen Sie sich gleich eine Printausgabe:

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