Wenn ältere Frauen gründen oder das Orchideen-Thema

Silverpreneurinnen in Österreich

Veröffentlicht: 24.05.2017

Zusammenfassung: Am 12.05. fand im österreichischen Linz die Veranstaltung „Silver Girls: Alter hat Potenzial“ statt: Ein Plädoyer für weibliche Gründungen jenseits der 50.

 

 

 

 

 

Freitagnachmittag um 18Uhr, ein sonniger Frühlingstag im bildschönen Linz (Österreich), viele Damen Mitte 40 bis Anfang 60 saßen im Kepler Salon an der Rathausgasse und… warteten auf den Auftakt der an diesem Tag stattfindenden Veranstaltung. Denn es würde um etwas Wichtiges gehen: Um den beruflichen Neustart, um die Möglichkeit der Selbstverwirklichung, um die Realisierung einer Geschäftsidee. Der Name der Veranstaltung war vielversprechend: „Silver Girls: Alter hat Potenzial“.

Eingeladen hatte die VFQ Gesellschaft für Frauen und Qualifikation mbH, eine gemeinnützige Organisation mit einem vielfältigen Angebot rund um die Themen Beratung, Weiterbildung und Qualifizierung für Frauen. Mit dem gleichnamigen Gründerinnenforum bildet sie die einzige Beratungseinrichtung für die genannte Zielgruppe in Oberösterreich.

Ein Orchideen-Thema wird beleuchtet

Die Moderation übernahm Mag.a Andrea Bauernberger-Kiesl (VFQ). Mag.a Ulrike Bernauer-Birner, Geschäftsführerin dieser Organisation, eröffnete die Veranstaltung und gab die Einführungsworte. Behandelt werde hier ein „Orchideen-Thema“, nämlich die Gründung von Frauen im Alter. Man möchte aus der Expertise anderer Länder, in diesem Fall Deutschland, lernen. Anschließend hielt Dr. Noemí Fernández Sánchez (RKW Kompetenzzentrum) den Vortrag: „Silver Girls: Alter hat (Gründungs-) Potenzial. Sie berichtete über Ursachen und Einflussfaktoren von Spätgründungen, gab das Profil und die Gründungsdaten der Zielgruppe bekannt, erörterte den Standpunkt der Europäischen Kommission und der OECD zum Thema, klärte über Probleme und Bedarfe auf und richtete zuletzt den Fokus auf die älteren Gründerinnen.

Den direkten Bezug aus der Praxis gab Eva Gattringer, ehemalige Landtagsabgeordnete und Frauenvorsitzende Oberösterreich, heute Gründerin „in spe“, stellvertretend für die angesprochene Zielgruppe. Zu guter Letzt sprach sich Frauenlandesrätin von Oberösterreich, Mag.a Christine Haberlander, für eine stärkere Rolle der Frauen in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt sowie für die Unterstützung weiblicher Gründungen im Alter aus.

Why? Gründer und Gründerinnen in Österreich

Anders als in Deutschland steigen laut WKO-Gründungsstatistik und dem GEM-Report Österreichs seit Anfang der 90 er Jahre, ungeachtet konjunktureller Schwankungen, die Gründungszahlen in Österreich. Die Alpenrepublik strebt an, Gründungsland Nr. 1 in Europa zu werden. Mit diesem Zweck hat die Regierung die Gründerland-Strategie verabschiedet. Ein Crowdfunding-Gesetz hat Österreich auch bereits. Für das zukünftige Wachstum - ähnlich wie in Deutschland – setzt Österreich vor allem auf Start-ups, diese sollen vom Start-up-Paket von Kanzler Kern profitieren.

Startups, d.h. junge Unternehmen in innovativen Bereichen, machten im Jahr 2016 lediglich 1,5% der Neugründungen Österreichs aus. Die Mehrheit der Gründer setzt solide, aber „gewöhnliche“ Geschäftsmodelle um. Und welche sind die Gründer, die aktuell im Nachbarland zu finden sind? Was die Altersstruktur angeht, haben in Österreich laut GEM Länderbericht die älteren Gründer ein stärkeres Gewicht als in Deutschland: 43,1% (hierzulande 33%) in 2014. Auffällig ist vor allem, dass der größte Zuwachs in der jüngsten Entwicklung der Gründungszahlen (2007-2014) bei den Älteren anzutreffen ist, nämlich bei der Gruppe 55+. Die Geschlechterverteilung hingegen lässt genauso wie in Deutschland keinen Zweifel daran haben: Gründung in Österreich ist Männersache. Gerade bei den älteren Frauen ist der Nachholbedarf besonders groß. Daran muss noch weiter gearbeitet werden. Damit weibliche Gründungen jenseits der 50 kein Orchideen-Thema mehr sind. 

 Why?  Fr. Dr.in  Noemí Fernández Sánchez

 Ich wurde vor 2 Jahren, als bei uns aufgrund der letzten Pensionsreform das Thema  „Frauenarmut in Österreich“ sehr aktuell geworden ist , auf Fr. Fernández Sánchez  aufmerksam. Sie beschäftigte sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit „Senior Entrepreneurship“. Ihre Expertise war für unsere Veranstaltung sehr wichtig, der Vortrag – souverän und erfrischend -  hat uns viele neue Erkenntnisse gebracht. Wir werden auf alle Fälle an diesem Thema dranbleiben. Herzlichen Dank sagt Gudrun Schaller (VFQ Gründerinnenforum).

Mag.a Ulrike Bernauer-Birner und Dr. Noemí Fernández Sánchez mit Publikum

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