Frauen und Technik? Passt Perfekt!

Verena Pausder, Gründerin und Geschäftsführerin der Fox & Sheep GmbH

Sonja Alt

Sonja Alt

Veröffentlicht: 04.07.2016

Projekt: FRAUENunternehmen

Zusammenfassung: Verena Pausder, Vorbild-Unternehmerin der Initiative FRAUEN unternehmen der Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), beweist seit Jahren, dass Frauen, Technik und Unternehmertum keine Gegensätze sind.

Fox & Sheep GmbH,

Unternehmen für Entwicklung und Vermarktung von Apps für Kinder

2012 gegründet,

25 feste Mitarbeiter,

30 Freelancer,

Studios in Shanghai und Russland.

 

Verena Pausder, Co-Gründerin und Geschäftsführerin, 1979 in Hamburg geboren. Ihr Motto: Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

Kontakt: verena@foxandsheep.de

Das 2012 gegründete Unternehmen Fox & Sheep ist nicht nur Deutschlands Marktführer für Kinder-Apps, sondern zählt auch weltweit zu den Top 10 am Kinder-App-Markt. Die Spiele für Tablet-Computer und Smartphones wurden in 16 Sprachen und 135 Ländern bereits über 15 Millionen Mal heruntergeladen. Eine Erfolgsgeschichte fast wie aus einer Märchen-App – um im Bild zu bleiben. Dahinter steckt die 36-jährige Vollblut-Unternehmerin Verena Pausder, die das Unternehmen zusammen mit einem Partner in Berlin aufgebaut hat.

Wie alles kam

Verena Pausder ist ein gutes Beispiel dafür, dass Vorbilder prägen. Das Unterneh­mer-Gen wurde ihr gewissermaßen bereits in die Wiege gelegt: „Mein Vater leitet in neunter Generation ein Unternehmen für technische Textilien, meine Mutter hat vor über 30 Jahren ein eigenes Unternehmen für Raumausstattung und In­neneinrichtung gegründet und stattet beispielsweise Hotelketten mit textiler In­neneinrichtung aus. Selbstständigkeit mit allen Vor- und Nachteilen ist dadurch einfach die natürliche Lebensform, mit der ich von klein auf vertraut bin.“

Der Weg zu Fox & Sheep war dennoch keine geradlinige Bahn. Nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium in St. Gallen mit Schwerpunkt Finanzen arbeitete sie nach Praktika bei Investmentbanken bei der Münchner Rückversicherungsgesell­schaft. „Aber das war nicht meine Welt: Ich bin zwar ein analytischer Typ, aber Zahlen als Selbstzweck fand ich nicht wirklich erfüllend.“

So wechselte Verena Pausder 2007 in die IT-Branche und half bei der Entwicklung eines Internet-Lernportals für Bertelsmann. „Mich fasziniert damals wie heute die Internetwelt und die damit verbundene Frage: Wie leben und lernen wir im Zeital­ter der zunehmenden Digitalisierung?“, erklärt sie ihre Hinwendung zur Lernsoft­ware, die letztendlich in der Gründung von Fox & Sheep mündete.

Den zündenden Impuls gab die Markteinführung des iPad 2011. Es gab damals wenig Content für Kinder – Verena Pausder hatte zu dem Zeitpunkt bereits zwei kleine Söhne und den Eindruck, dass Tablet-Computer ein ideales Medium für Kin­der sind, um zu lernen und um sich mit der digitalen Welt vertraut zu machen. „Ich überlegte mir: Wie können wir das mit hochwertigem Inhalt richtig nutzen, bevor der Markt mit Apps etc. überflutet wird, die sich ausschließlich an der ame­rikanischen Kultur orientieren beziehungsweise nur auf konsumierende Unterhal­tung zielen. So entstand die Idee zu Fox & Sheep. Unser Ziel war es, Kinder-Apps zu machen und im nächsten Schritt auch, Kinder an den Umgang mit der Technik heranzuführen und selbst kreativ zu werden“, skizziert die heute 36-Jährige ihre Gründungsidee, die sie in Berlin realisiert hat. „Diese Stadt ist natürlich ein inspi­rierender Hotspot der Gründerszene. Gerade im Bereich Digitalisierung herrscht große Aufbruchsstimmung und eine stärkere Risikoaffinität als vielleicht in ande­ren Umgebungen.“

Warum Fox & Sheep statt Fuchs & Schaf? „Wir haben angefangen mit der Ent­wicklung von Apps – und der App-Store ist eine internationale Plattform, die Men­schen in 135 Ländern erreicht. Gefördert werden von Apple nur Apps, die auf dem internationalen Markt funktionieren, nicht nur in Deutschland. Insofern mussten wir uns von Anfang an international aufstellen und funktionieren. So starteten wir gleich mit einem internationalen Team und Englisch ist bei uns Unternehmens­sprache“, berichtet Verena Pausder von den Herausforderungen der Gründungs­phase. „Wir arbeiten mit Studios in Shanghai und Russland sowie Illustratoren, Kinderbuchautoren und anderen Kreativen aus der ganzen Welt zusammen.“ Zum engen Verbund gehören 25 Mitarbeiter, dazu kommen etwa 30 freie Mitarbeiter.

Familie & Beruf

Das klingt nach deutlich mehr als einem 8-Stunden-Tag. Wie lässt sich das mit Familie und zwei Kindern im Alter von 5 und 7 vereinbaren? „Meine Familie ist das Größte für mich, aber ich liebe meine Arbeit und die Gestaltungsmöglichkeiten, so dass es für mich immer wichtig war, beides unter einen Hut zu bekommen. Ich denke, wir haben ein Modell für uns gefunden, mit dem alle glücklich sind. Wenn ich abends nachhause komme, nehme ich mir viel Zeit für meine Söhne. Außerdem finden sie Fox & Sheep ziemlich cool: Sie dürfen alle Apps testen oder Schulklassen kommen bei uns zu Besuch und machen Programmierworkshops.“

Dennoch gibt es immer wieder mal Phasen, in denen alles zu viel zu werden scheint, nie ein Ende der Arbeit in Sicht – aber dann kommen neue Ideen, und da­mit auch jede Menge neuer Energie. Für motivierende Momente sorgen auch die Launches neuer Apps: „Wenn eine App von uns nach etwa neun Monaten Entwick­lungszeit zum ersten Mal auf der Startseite des App Store zu sehen ist, dann stehe ich da und denke mir: Wow, das ist von uns und geht um die Welt.“

Für die Zukunft

Trotz dieser Erfolge sieht Verena Pausder sich noch lange nicht am Ziel: „Wir ste­hen mit unseren Apps erst am Anfang der digitalen Bildung und Mediennutzung. Ich möchte zukünftig noch mehr dafür tun, um Kinder zu befähigen, die digitale Welt selbst zu gestalten – sie wegzubringen vom reinen Konsumentendenken.“

Neben Beruf und Familie setzt sie sich als Vorbild-Unternehmerin des BMWi und als Mitglied anderer Initiativen dafür ein, den Unternehmergeist gerade bei Schü­lern und jungen Menschen zu fördern. Mit Entsetzen berichtet sie von einer kürz­lich durchgeführten Umfrage unter Schülern: 78 Prozent wollten Beamte werden. „Das ist schockierend und hat mich in meinem ehrenamtlichen Eintreten bestärkt. Mit ‚FRAUEN unternehmen‘ oder der Initiative ‚StartUpTeens‘ versuche ich, bereits in Schulen die Perspektive Selbstständigkeit zu vermitteln. Außerdem engagiere ich mich dafür, dass mehr Mädchen den Schritt in die IT Branche wagen.“ Es gibt also noch viel zu tun.