Best-Practice-Reihe "Senior Entrepreneurship" - Ilona Peters

Veröffentlicht: 30.06.2015

Projekt: Gründen mit Erfahrung

Zusammenfassung: "Ich wollte Spaß an der Arbeit haben und selbst entscheiden können, aber auch etwas Nützliches tun." Mit 56 Jahren den alten sicheren Job abgeben und in eine völlig neue Branche durchstarten? Sicher!

Mit 56 Jahren den alten sicheren Job abgeben und in eine völlig neue Branche durchstarten? Sicher! Wie Ilona Peters die Wuppertaler Zauberfrauen gründete und mit haushaltsnahen Dienstleistungen erfolgreich wurde.

Kurzprofil

  • Gründerin: Ilona Peters
  • Unternehmen: Zauberfrauen Wuppertal
  • Standort: Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
  • Gründungsalter: 56 Jahre
  • Gründung: 2013, erstes Geschäftsjahr 2014
  • Expansion (Umzug in eigene Büroräume): 2014
  • Mitarbeiter/innen: 15

Frau Peters, Sie haben 2014 im Franchise das Unternehmen „Zauberfrau Wuppertal“ gegründet. Was tun Ihre Zauberfrauen?
Ilona Peters: Wir bieten haushaltsnahe Dienstleistungen an. Es geht über das Putzen oder Reinigen hinaus. Die Zauberfrau bietet nicht nur Haushaltshilfe an, sondern auch Familienhilfe in Zusammenarbeit mit Krankenkassen und zuletzt Demenzbetreuung. Wir haben also  drei Standbeine.

Wie kamen Sie auf die Idee, so etwas zu machen, in Ihrem Alter einen Franchisevertrag abzuschließen und sich damit selbstständig zu machen?
Ilona Peters: 
Im Laufe meines Lebens hatte ich mehrere nebenberufliche selbstständige Tätigkeiten. Und dabei habe ich  gemerkt: Ich mag Menschen. Und dann fragte mich ab und zu jemand: „Kennst Du nicht jemanden, der mir im Haushalt helfen kann?“. Das nimmt man so zur Kenntnis und diese Sachen reifen.

Von Beruf bin ich Diplom-Maschinenbauingenieurin. Ich war die letzten 14 Jahre vor meiner Existenzgründung als Angestellte für Qualitätsmanagement beschäftigt und habe dann,  da der Druck immer größer wurde, irgendwann gedacht: „Nein, für den Rest meines Lebens möchte ich doch Spaß an der Arbeit haben und selbst entscheiden können. Ich wollte nützlich sein.“ Da ist mir Zauberfrau aufgefallen. Und dann ging alles recht schnell.

Ich habe mich mit meinem Mann darüber unterhalten, weil das Startkapital unser Geld gewesen ist. Ich habe mich ganz genau informiert, ich wäre nicht ganz blauäugig reingestolpert. Natürlich gab es auch Risiken, aber ich weiß, was ich kann. Wenn ich nichts tue, dann passiert auch nichts.

Sie sagten, Sie sind von der Ausbildung her Maschinenbauingenieurin. Warum haben Sie dann eine ganz andere Gründungsrichtung eingeschlagen? Sie haben ja eine andere Qualifikation.
Ilona Peters: Als Ingenieur muss man Probleme lösen, organisieren, ganz spontan Entscheidungen treffen und das ist genau das, was ich jetzt auch mache. Ich organisiere, ich plane die Mitarbeitereinsätze. Spontane Kundenansprache bediene ich durch Organisationstalent. Mitarbeiterauswahl, Menschenkenntnis erwirbt man im Laufe seines Berufslebens. Und ich war ja seit meinem 21. Lebensjahr als Ingenieurin in unterschiedlichen Branchen und Firmen tätig gewesen. Ich habe eigentlich alle meine Talente, die ich mir im Laufe meines Lebens angeeignet habe in die Waagschale geworfen, um eine Firma aufzubauen.

Ihre jahrelange Erfahrung in anderen Firmen hat Sie also dabei unterstützt, Ihr jetziges Tätigkeitsgebiet aufzubauen.
Ilona Peters: Genau, Betriebswirtschaft hat man als Ingenieurin auch gelernt. Das war der Vorteil. In meinem Beruf musste ich auch Arbeitsabläufe organisieren, Versuche durchführen. Ich habe mit Lieferanten  und Kunden, mit Statistiken und Auswertungen zu tun gehabt. Nun mache ich mir nicht mehr „die Finger schmutzig“. Ich stehe nicht mehr am Zeichenbrett. Ich helfe Menschen und stelle Mitarbeiterinnen ein, weil andere sie nicht wollen. Sie sind entweder zu alt oder behindert oder „Oh Gott, sie haben Kinder!“. Personalführung, Mitarbeiterführung, alles, was ich bisher als Abteilungsleiterin gemacht habe, mache ich jetzt als Inhaberin.

Ich wette, trotz besten Voraussetzungen gab es sicherlich einige Bildungslücken, die Sie vor der Gründung noch schließen mussten.
Ilona Peters: Es war alles abgedeckt. Wo ich persönlich der Meinung war, dass ich besondere Kenntnisse brauche, habe ich mich ganz einfach weitergebildet. Demenz beispielsweise ist ganz speziell, denn es gibt bestimmte Verhaltensregeln, die man beherrschen muss. Zudem habe ich mich bei IHK-Schulungen und Gründer-Seminaren über Recht und Marketing informiert. Und ansonsten muss man mit gesundem Menschenverstand und mit dem Herzen bei der Sache sein. Eine große Rolle spielt die letztgenannte Eigenschaft.

Sie haben das Thema Mitarbeiterinnen angesprochen. Sie liegen Ihnen besonders am Herzen.
Ilona Peters: Genau. Ich stelle Frauen mit lachenden Augen ein, Faktoren wie Alter oder Behinderung spielen da keine Rolle. Sie werden ordentlich entlohnt. Ich gebe ja zusätzliche Zahlungen in Form von Tankgutscheinen oder Leistungen. Zum Beispiel habe ich jetzt ein Firmenauto für meine Mitarbeiterinnen angeschafft. Dieses Auto wird überwiegend meiner behinderten Mitarbeiterin zur Verfügung gestellt.

Wie viele Mitarbeiterinnen haben Sie? Ilona Peters: Aktuell 15. Die meisten in Teilzeit, eine Bürovollzeitkraft und einige Minijobber. Eine ist eine 71-jährige Rentnerin. Ich dachte erst, es könnte eine Kundin sein, aber nein. Sie möchte etwas dazu verdienen. Jetzt ist sie schon über ein Jahr bei mir beschäftigt.

Sie haben ein sehr besonderes Konzept der Werbung und Neukundenakquise, das mich völlig überzeugt hat. Können Sie uns davon erzählen?
Ilona Peters: Ja, ich fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meinen Kunden und trage einen hellblauen Button, auf dem „Zauberfrau“ steht. Ich habe kein Problem damit, von Menschen angesprochen zu werden oder es zu tun. Ich bin sehr kommunikativ und es funktioniert. Wenn ich zehn Leute anspreche, werden vier meine Kunden. Das ist doch ein toller Erfolg. Meine Kunden sind zufrieden und empfehlen mich weiter. Aktuell habe ich einen Kunden, der Betreuung für seine Mutter benötigte. Diesen habe ich auf dem Weihnachtsmarkt am Glühweinstand kennengelernt. Wir sind seit Januar Geschäftspartner.

Sie haben 2013 angefangen, sind also ein noch recht junges Unternehmen, das ganz stark wächst. Wie verträgt sich das?
Ilona Peters:  Gut. Wir sehen insbesondere Wachstumspotenziale in der Betreuung älterer Menschen. Das ist eine boomende Branche. Zum Beispiel wird stundenweise Betreuung immer mehr nachgefragt. Kinder oder Nichten sind voll berufstätig und wollen die Sicherheit haben, dass da ein- oder zweimal wöchentlich jemand kommt, der mit der Mutter oder der Tante mal spazieren geht, ein wenig den Haushalt ergänzend macht. Ich entwickle mich ständig nach oben, aber nicht um jeden Preis. Ich schätze ein, was ich mit dem Personal, was ich habe und mit meiner Kraft leisten kann. Ich strebe gesundes Wachstum an.

Nun kommen wir zum Thema Alter. Wie alt waren Sie zum Zeitpunkt der Gründung?
Ilona Peters: 56 Jahre jung.

Gab es negative Erfahrungen, weil Sie in diesem Alter gegründet haben?
Ilona Peters: Nein, überhaupt keine. Positive Erfahrungen gibt es zu Hauf. Als Hauptpunkt Bewunderung für meinen Mut, in dem Alter noch durchzustarten. Natürlich auch die Anerkennung durch die Franchisegeberin, wie erfolgreich ich bin, wo nehmen Sie die Energie her und dann sage ich immer: „Aus der Begeisterung für das Unternehmen Zauberfrau“.

War das eine Gründung zum richtigen Zeitpunkt?
Ilona Peters: Ich hätte es schon eher machen sollen. Ich weiß jetzt nicht, ob mir da der Mut gefehlt hat, ob die Zeit vielleicht noch nicht reif war. Manche Dinge müssen sich erst entwickeln. Ich fühle mich ja auch nicht wie 58 und die Menschen, die mich treffen, wenn ich sage, wie alt ich bin, die sagen: „Neee!“.

Es gibt andere Gründer 45plus, die berichten, dass sie Probleme mit der  Finanzierung hatten. Wie war das in Ihrem Fall?
Ilona Peters: Also ich hatte natürlich das Arbeitsamt gefragt, ob ich eine Gründungsförderung bekomme. Da hat man mir gesagt: „ Sie sind so stark und so gut ausgebildet. Sie können arbeiten gehen. Wir geben Ihnen kein Geld. Rigoros“. Und da habe ich gesagt: „Ok, wenn Ihr nicht unterstützen wollt, dann mache ich das eben alleine ohne Euer Geld“. Es hat funktioniert. Ich bin auf Banken zugegangen, habe mich über Kredite informiert. Letztendlich habe ich entschieden, ich brauche ja gar kein geborgtes Geld. Warum soll ich dann meine Zeit verschwenden, mit Banken zu diskutieren, immer wieder neue Unterlagen und Statistiken einzureichen? Fang ich doch einfach mal an zu arbeiten.

Wer hat Sie im Gründungsprozess unterstützt?
Ilona Peters: Mein Mann, die Franchisepartner. Aufgrund meiner Erfahrungen wusste ich, dass ich mich gründlich informieren muss und auch wo man das machen kann. Auch die IHK waren und sind ganz tolle Partner.

Welchen besonderen Rat würden Sie anderen Menschen geben, die wie Sie ein wenig später durchstarten wollen?
Ilona Peters: Als erstes würde ich ihnen empfehlen, sehr gründlich zu recherchieren, was sie wollen, was sie brauchen, mit der IHK zusammenarbeiten. Herausfinden, was zu der Person passt, womit sie sich wohl fühlt. Und ganz wichtig, nicht auf Freunde hören. Diese „ja“, „aber“ und „wenn“. Selbst von der Entscheidung überzeugt sein. Auf sich selbst hören.

Letztes Jahr haben Sie die Auszeichnung „Unternehmerinnenbrief NRW“ bekommen. Was heißt das, für Sie und für Ihr Unternehmen?
Ilona Peters: Ich bin sehr stolz drauf. Es kommt super bei den Kunden an und bei den Leuten, die ich im Bus treffe. Ich habe den Brief laminiert. Den zeige ich meinen Gesprächspartnern ganz spontan und jeder gratuliert. Die Leute sehen, dass ich meine Arbeit ernst nehme. Das hat man mir ja mit dem Unternehmerinnenbrief bescheinigt. Es gibt noch andere Sachen, auf die man sich bewerben kann. Und das mache ich noch.

Das heißt, wir werden Sie noch öfter auf Preisverleihungen sehen.
Ilona Peters: Klar. Es gibt noch ganz viel, wo man positiv auffallen kann. Die Öffentlichkeit soll richtig wahrnehmen, dass man auch im Alter erfolgreich starten kann und dass es viele Institutionen gibt, wo man sich Rat und Hilfe holen kann.

Herzlichen Glückwunsch zum Preis und vielen Dank für das ausführliche Gespräch.