Best-Practice-Reihe "Senior Entrepreneurship" - Heike Arnecke

Gründerin Heike Arnecke bei der Arbeit in der Tagespflege

Veröffentlicht: 18.03.2015

Projekt: Gründen mit Erfahrung

Zusammenfassung: "Es war immer schon mein Traum!" Mit der Gründung ihres Unternehmens SenioriTa hat sich Heike Arnecke einen lang gehegten Traum erfüllt: eine würdige Tagespflege für Senioren.

Mit der Gründung ihres Unternehmens SenioriTa hat sich Heike Arnecke einen lang gehegten Traum erfüllt: eine würdige Tagespflege für Senioren. Unser zweites Beispiel aus der Best-Practice-Reihe “Senior Entrepreneurship” erzählt die Geschichte einer Frau, die die Hürden einer Gründung gemeistert hat.

Kurzprofil

  • Gründerin: Heike Arnecke (Links) und  Teamgründerin Susanne Kodanek (Rechts)
  • Unternehmen: SenioriTa Tagespflege für Senioren
  • Standort: Ganderkesee, Landkreis Oldenburg, Niedersachsen
  • Gründungsalter: 52 Jahre
  • Gründung: 2008
  • Expansion und Bau eigener Räume: 2013
  • Mitarbeiter/innen: 6

Frau Arnecke, sie haben eine Betreuungs-Einrichtung für Senioren gegründet: SenioriTa. Toller Name. Was genau tun Sie?
Heike Arnecke: Wir bieten Tagespflege für ältere Menschen an, die pflegebedürftig sind, die dement oder auch einfach nur einsam sind und Beschäftigung suchen. Es kommen auch pflegebedürftige Gäste zu uns, die zu Hause keine Möglichkeit haben zu duschen oder zu baden. Dann übernehmen wir das. Wir übernehmen auch so gennannte Behandlungspflegen, also Blutzucker messen, Insulin spritzen, Verbände wechseln und Ähnliches mehr. 

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen, das im „Alleingang“ zu versuchen?
Heike Arnecke: Ich habe 1997 meine Ausbildung zur Pflegedienstleitung gemacht. Und das war eigentlich immer schon mein Traum, so eine eigene Tagespflege zu haben. Ich finde, das ist die schönste Form der Altenpflege. Die Menschen werden tagsüber versorgt und können abends wieder nach Hause gehen, können in ihrem Zuhause bleiben, in der Nähe ihrer Verwandten.

Vor sechs Jahren ist dann das Verhältnis zu meinem damaligen Arbeitgeber ganz anständig ins Wanken geraten – dem gefiel mein Führungsstil plötzlich nicht mehr. Darüber bin ich krank geworden, dann auch entlassen worden. In dieser Phase ist mein Entschluss gereift: Ich mache mich jetzt selbstständig. Dann kann ich so schalten und walten, wie ich das möchte. Und da ich das nicht alleine wollte, sondern eine gute Freundin hatte und habe, die zu der Zeit auch eine Pflegedienstleitungsausbildung gemacht hat, haben wir beide uns zusammengetan.

Sie waren damals 52 Jahre alt, Ihre Freundin 48 Jahre. Gab es deswegen Probleme bei Ihrer Gründung?
Heike Arnecke: Wir haben eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht. Viele haben zwar gesagt: „Ihr seid verrückt, in dem Alter noch anzufangen“. Aber wir haben denen geantwortet: Wir müssen ja schließlich noch mindestens 15 Jahre arbeiten. Und 15 Jahre sind genug Zeit, um ein Geschäft aufzubauen und zu führen. Außerdem hatten wir jeder 30 Jahre Berufserfahrung zu bieten. Das einzig Negative, was wir gehört haben, war, dass viele gesagt haben: Mich wundert es, dass ihr in eurem Alter noch ein Haus kaufen konntet. Dass man euch noch Geld gegeben hat.

Sie haben ein Haus gekauft? Was für ein Haus?
Heike Arnecke: Na unsere Arbeitsstätte. Wir haben fünf Jahre lang in gemieteten Räumlichkeiten gearbeitet. Und dann haben wir uns gesagt: Wie zahlen jeden Monat 2000 Euro Miete. Die können wir genauso gut für ein Haus abbezahlen.

Fand Ihre Hausbank die Idee auch gut? Hat man Ihnen ohne Weiteres einen Kredit gegeben?
Heike Arnecke: Mit unserer Hausbank hatten wir Probleme. Von der hieß es schließlich, die Bank hätte kein Interesse mehr, soziale Projekte zu unterstützen. Dann haben wir uns eine andere Bank gesucht. Dort war man von unserem Projekt begeistert und hat gesagt: „Tagespflege, ja, das ist das Ding, das im Kommen ist. Wir können uns auf Ihre fünf Jahre Erfahrung berufen. Nicht zuletzt damit, Verantwortung zu tragen oder Mitarbeiter zu führen. Außerdem sehen wir, Ihr Geschäft hat sich ständig gesteigert“. Wir hatten uns wirklich jedes Jahr verbessert. Wir haben 2008 mit 13 Gästen angefangen, heute sind wir bei 19 Gästen pro Tag.

Wer hat Ihnen auf Ihrem Weg geholfen?
Heike Arnecke: Die EFAs. Ich weiß nicht, ob Ihnen das was sagt. Das ist die ExistenzgründungsAgentur für Frauen, die sich im Landkreis Oldenburg selbstständig machen möchten. Die hat die uns bei der Planung sehr geholfen. Und auch unser Berufsverband, der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa). Dort hat man uns beispielsweise zum Thema Pflegesätze beraten, auch zu dem Thema: Welche Gesetze muss man beachten.

Sie sind jetzt über sechs Jahre selbständig. Haben Sie den Schritt je bereut?
Heike Arnecke: Nein. Ich würde es immer wieder tun. Das Einzige ist: Ich würde das gerne ein paar Jahre früher getan haben. Allerdings nicht mit 25 oder 30 Jahren. Wir sind ja jetzt beide um die 50, und wir haben festgestellt, dass es schon gut ist, wenn man zu Hause Ruhe hat. Wenn man noch Kinder hätte, um die man sich kümmern muss. Wir arbeiten immerhin ca. zehn Stunden am Tag. Wie soll man das mit einer jungen Familie vereinbaren? Und man braucht als Frau die Unterstützung der Ehemänner. Wenn der Mann sich selbstständig macht, dann hält die Frau zu ihm. Aber umgekehrt ist es meistens nicht so, stellen wir beide fest. Bei uns aber schon, Gott sei Dank.

Zehn Stunden Tagespflege: Ist Ihnen das nicht manchmal zu viel?
Heike Arnecke: Nein. Gar nicht. Es kommt so viel zurück von unseren Gästen, aber auch von unseren sechs Mitarbeiterinnen. Und auch von den Angehörigen. Diese positiven Rückmeldungen machen so viel Spaß, dass man die Zeit gerne investiert.

Wenn Ihnen jemand gegenüber stünde, der noch zweifelt, ob sie oder er den Schritt in die Selbstständigkeit wagen soll: Welchen persönlichen Rat würden Sie mit auf den Weg geben?
Heike Arnecke: Wenn man eine Geschäftsidee hat, dann sollte man erst mal im Umfeld gucken, wie viele Menschen diese Geschäftsidee auch schon gehabt haben. Wie läuft das bei denen? Und dann entscheiden. Außerdem sollte man für ein kleines finanzielles Polster sorgen, damit man das erste oder die ersten zwei Jahre einigermaßen gut übersteht. Wir kennen viele, die sich selbstständig gemacht haben, die dann nach einem Jahr aufgeben mussten, weil ihnen die Puste ausgegangen ist. Es läuft nicht immer von Anfang an so, wie sie sich das gedacht haben. Am besten hat man Familie oder einen Ehemann in der Hinterhand, der sagt: Du, pass mal auf, ich verdiene genug, fang du erst mal an, und ich unterstütze dich.

Haben Sie auch eine Gründergeschichte, die Sie erzählen möchten? Dann melden Sie sich bei uns! Verantwortlich für das Thema Senior Entrepreneuship ist Dr. Noemí Fernández Sánchez, Projektleiterin.

Profilbild Heike Arnecke
Gründerin Heike Arnecke(© Heike Arnecke - Privat/Non-kommerziell)
Profilbild Susanne Kodanek
Teamgründerin Susanne Kodanek von SenioriTa Tagespflege für Senioren(© Susanne Kodanek - Privat/Non-kommerziell)