SprachaufBAU mit einfachen Mitteln

Sarah Gerwing

Sarah Gerwing

Veröffentlicht: 17.03.2016

Zusammenfassung: Ein Azubi aus Spanien löst ein Fachkräfteproblem in einem Handwerksbetrieb. Die neue Vielfalt wirkt sich im Arbeitsalltag aus.

2013 kamen über ein Projekt der Handwerkskammer Rhein-Main 48 junge Leute aus Madrid für eine duale Berufsausbildung nach Deutschland. Einer davon, Alejandro, hatte in Spanien schon einen ersten Deutschkurs absolviert. Nach einem dreiwöchigen Praktikum in dem Handwerksbetrieb, der elektrotechnische Anlagen von Gebäuden und deren Energieversorgung und Infrastruktur plant, installiert und wartet, unterschrieb Alejandro einen Ausbildungsvertrag zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik.

Doch zunächst hieß es weiter Deutsch lernen. Im Oktober 2013 begann dann für Alejandro der betriebliche Teil der Ausbildung. Alejandros Anlaufschwierigkeiten waren hoch: Da war vor allem die immer noch ungewohnte Sprache, so dass der neue Azubi die Anweisungen der Kollegen nicht verstand. Der Sprachaufbau für die Namen der Werkzeuge wurde sehr pragmatisch gelöst: Flex, Bohrmaschine, Akkuschrauber und Co. erhielten Aufkleber mit ihren Namen. So griff Alejandro künftig nach dem richtigen Werkzeug und konnte sich immer wieder die Namen und die Schreibweise einprägen. Die Aufkleber blieben – praktisches Vokabeltraining im betrieblichen Alltag.

Der Ausbildungsbetrieb war sich bewusst, dass der neue spanische Kollege auch im Alltag mehr Unterstützung brauchte als andere Neueinsteiger. Bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche und der Möbelausstattung halfen die Kollegen. Sie nahmen den jungen Spanier mit zum Fußball und zum Feierabendbier. Sie konnten gut nachvollziehen, wie fremd man sich vorkommen kann. Denn von den neun Beschäftigten haben vier einen Migrationshintergrund: Sie kennen aus ihren Familien, was es heißt, in ein anderes Land zu ziehen.

Alejandro wurde bald vertraut mit seiner Umgebung und mit seinen neuen Nachbarn. Deutsch spricht er immer besser. Inzwischen hat er sich selbständig eine andere Wohnung mit einem spanischen Kollegen gesucht. In seiner Fußballmannschaft ist er fest eingeplant. Seine Familie besucht ihn hier, er verbringt den Urlaub in Madrid. Die Zwischenprüfung ist bestanden, in einem Jahr wird er die Abschlussprüfung machen.

Doch erst erwartete ihn ein Rückschlag: Sein Ausbildungsbetrieb ging in die Insolvenz! Die Rettung kam durch einen Kollegen, der sich kurzerhand selbstständig gemacht hat. Jetzt beendet Alejandro seine Ausbildung bei ESC-tec GmbH & Co KG in Gründung.

Sein Ausbilder und Alejandro können stolz sein, denn manchen der 48 jungen Spanier zogen das Heimweh oder die Liebe inzwischen wieder zurück nach Madrid. Doch Alejandro sieht seine berufliche Zukunft in Deutschland, denn in Spanien ist immer noch die Hälfte der jungen Leute ohne Job. Und Ausbilder Karsten Szwerinski ergänzt:

Ich möchte jedem Azubi, der das will, einen Arbeitsplatz anbieten - natürlich auch Alejandro.“