Fahrion Engineering: Erfolgreich mit älteren Fachkräften

Veröffentlicht: 15.12.2016

Projekt: Demografiefeste Arbeit

Zusammenfassung: Firmengründer Otmar Fahrion, heute 76 Jahre, setzte auf ältere Mitarbeiter und entdeckte den Faktor „50 Plus“ in einer Zeit, in der die regionale Großindustrie viele qualifizierte Mitarbeiter mit einer Abfindung in den Ruhestand verabschiedete.

Die Fahrion-Söhne vertrauen heute weiterhin auf diese „Erfolgsformel“ und fahren sehr gut damit. Das Unternehmen Fahrion Engineering GmbH & Co. KG beschäftigt an seinem Firmensitz in Kornwestheim bei Stuttgart 70 Mitarbeiter, dazu kommen zeitweise noch bis zu 30 Freelancer. Das Unternehmen befasst sich mit der Planung und Umgestaltung von Industrieanlagen einschließlich der erforderlichen logistischen Strukturen und der die Produktionsstätten umgebenden baulichen Hülle. In der Projektierung werden Techniker und Maschinenbauingenieure eingesetzt sowie Fachkräfte aus dem Bereich Elektrotechnik und Bauwesen. Wir fragten Geschäftsführer Jens Fahrion, welche Vorteile er mit Projektmitarbeitern jenseits der 50 verbindet.

Herr Fahrion, Ihr Unternehmen ist weit über die Region hinaus bekannt für die gezielte Akquise von älteren Technikern und Ingenieuren. Was sind deren Vorzüge gegenüber jüngeren Kollegen?

Wie in allen Bereichen haben sich auch in unserer Profession schlanke Strukturen etabliert: Die Kunden wollen nicht mehr in  große Projektteams investieren. Projektleiter sind heute in der Hauptsache „Einzelkämpfer“ und müssen neben hochgradigem Fachwissen über viel Erfahrung und interdisziplinäre Kompetenzen verfügen. Diese Eigenschaften können jüngere Mitarbeiter, geschweige denn Hochschulabsolventen gar nicht haben. In der Regel sind 12 bis 15 Jahre aktive Projektarbeit erforderlich, damit entsprechende Fähigkeiten aufgebaut werden können. Die Einarbeitungszeit bei neu eingestellten älteren Personen ist ebenfalls weniger kostenintensiv. Das wiegt die Nachteile einer schwierigeren Kündbarkeit oder eines höheren Gehaltsniveaus absolut auf.

Ältere Projektleiter können mit den Kunden „auf Augenhöhe“ kommunizieren, sich besser verkaufen. Sie machen natürlich auch Fehler, sind aber aufgrund ihrer Erfahrung in der Lage, diese effektiver zu beheben. Sie haben in der Regel weniger familiäre Verpflichtungen und bringen die erforderliche Flexibilität und Reisebereitschaft mit. Sie können leichter auch über längere Zeiträume im Ausland eingesetzt werden. Bei einem älteren Projektleiter müssen wir in der Regel auch nicht damit rechnen, dass er mitten in einem Auftrag aussteigt, weil er andere berufliche Ambitionen hat. Diese Beständigkeit hat auch eine hohe Bedeutung für unsere Kunden. Manche Projekte dauern durchaus mehrere Jahre und Kunden mögen es gar nicht, wenn in dieser Zeit der Projektleiter wechselt und sie sich auf einen neuen Gesprächs- und Verhandlungspartner einstellen müssen.

Dennoch setzen Sie auf altersgemischte und Teams und auf Vielfalt?

Ja, natürlich wollen und brauchen wir auch weiterhin junge Leute im Betrieb. Sie bringen zum Beispiel mit, was aktuell im Ingenieurwesen gelehrt wird. Das Wissen über neue technische Methoden fehlt den „alten Hasen“ häufig. Das Voneinander-Lernen, der Wissenstransfer steht deshalb im Vordergrund. Rotierende Einsätze innerhalb der Teams fördern ebenfalls den Kompetenzaufbau und sorgen zudem dafür, dass Belastungen nicht zu einseitig werden. Wir versuchen auch weitere Potenziale zu nutzen und Zielgruppen anzusprechen, die einen „Inklusionsbedarf“ haben, also Personen mit Handicaps, Frauen nach der Babypause oder Arbeitslose.  

Welche Empfehlungen haben Sie, Mitarbeiter gesund und leistungsfähig zu erhalten?

Fahrion vertritt das Konzept einer facettierten Bogenkarriere und einer flexiblen Anpassung der Leistungen und Bezüge an die individuelle Lebenssituation. Anders als bei einem „normalen“ Karriereverlauf muss also nicht nach dem Motto „up or out“ ohne Rücksicht auf Verluste bis zum Renteneintritt gepowert werden. Sind dazu die äußeren Rahmenbedingungen einer zufriedenstellenden Tätigkeit, Wertschätzung durch Kollegen und Vorgesetzte und ein gutes innerbetriebliches Klimas gegeben, können Fachkräfte auf hohem Niveau auch jenseits der 60 noch gute Leistung bringen. Es gibt bei uns daher kein festes Renteneintrittsalter.

Strategie "Facettierte Bogenkarriere" (Fahrion)
Strategie "Facettierte Bogenkarriere" (© Fahrion Engineering - Privat/Non-kommerziell)

Wir machen Angebote für Fitness und zur Gesundheitsförderung, etwa im Hinblick auf Ernährung oder aktive Prävention. Ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze sind selbstverständlich. Es gibt regelmäßige Weiterbildungs- und kulturelle Angebote. Zusammen mit einem sicheren Arbeitsplatz und der betrieblichen Altersversorgung unterstützen wir die Mitarbeiter ganzheitlich und sorgen für eine Balance von Körper, Geist und Empfindungen.