Das Know-why in der Unternehmenskultur

Wie der Sprung von einem wirtschaftlich geprägten zu einem menschenorientierten Unternehmen gelingt

Veröffentlicht: 14.02.2019

Projekt: Diversity und Chancengleichheit

Zusammenfassung: 2010. Alle Hotels der Upstalboom-Kette kämpfen mit denselben Problemen: negative Stimmung in der Belegschaft, ausbleibende Hotelgäste, ein schlechter Chef. Das Resultat: Eine Mitarbeiterbefragung, die einen neuen Weg ebnete – den Upstalboom-Weg.

Klosterbesuch als Neuorientierung

Eine Konsequenz der Mitarbeiterbefragung war damals für Janssen, sich mit sich selbst und seinem Handeln auseinandersetzen. Den perfekten Ort fand er dafür in einem Kloster, wo er später auch alle Bereichsleiter und Hoteldirektoren einlud. Nach dem Klosterbesuch folgte ein Workshop, bei dem 120 Mitarbeiter ein neues Leitbild entwickeln sollten, die den Upstalboomern eine Orientierung für den täglichen Umgang miteinander – sowohl innerhalb der Belegschaft als auch mit den Hotelgästen geben sollte. Gleichzeitig war das die Geburtsstunde des Upstalboom-Weges. 

Der Wertebaum: Das Herzstück der Unternehmenskultur von Upstalboom.(© Upstalsboom Kultur & Entwicklung GmbH - Privat/Non-kommerziell)

Das Entscheidende: Der Wandel wird gelebt

„Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Das ist ein kontinuierlicher Weg, den wir gehen und noch weitergehen müssen“, sagt Stickdorn. Darüber hinaus gab es auch Mitarbeiter, die mit diesem Kulturwandel nicht zu recht kamen. „Die sind gegangen“, ergänzt der Hoteldirektor. Und der Rest der Belegschaft? Der ist geblieben und organisiert sich inzwischen zu großen Teilen selbst. „Wenn damals jemand ausgefallen ist, dann ging keiner ans Telefon. Heute klären das die Mitarbeiter selbst miteinander ab und nutzen dafür z. B. WhatsApp-Gruppen. Und nicht nur so macht sich der Wandel der Unternehmenskultur bemerkbar. Auch der Hoteldirektor lebt die Werte wie „Fairness: Gleiche Regeln für Alle“ vor. „Ich parke da, wo es einen freien Parkplatz gibt, und nicht direkt vor der Tür. Auch beim Teamessen gibt es keine „Extrawurst“ für den Nordfriesen. „Ich bin mir auch nicht zu schade, mal mit anzupacken, wenn es nötig ist – sei es im Wellnessbereich oder im Housekeeping“, sagt Stickdorn.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Die Upstalboom-Gruppe ist ein Wirtschaftsunternehmen. Es ist Weihnachten und trotzdem muss das Geschäft laufen. Die Gäste wollen frühstücken und saubere Zimmer vorfinden. Das sind Herausforderungen, denen sich auch die Belegschaft von Upstalboom stellen muss. Das ist allen bewusst – und trotzdem läuft der Betrieb. Das kann die Upstalboom-Kette mit Fakten belegen:

  • Steigerung der Zufriedenheit der über 600 Mitarbeiter auf 80 Prozent,
  • Senkung der durchschnittlichen Krankheitsquote von 8 auf 3 Prozent,
  • Steigerung der Weiterempfehlungsrate der über 300.000 Gäste auf 98 Prozent,
  • Verdopplung der Unternehmensumsätze innerhalb von drei Jahren, bei überproportionaler Steigerung der Produktivität (40 Prozent mehr Ertrag von 2013 auf 2014)

„Es geht weniger um das Know-how, sondern um das Know-why“

Gute Zahlen auf dem Papier sind eine Sache, reichen aber bei weitem nicht aus. „Jeder Mitarbeiter muss sich selbst die Frage stellen: Warum komme ich tagtäglich zur Arbeit?“, fragt Stickdorn. „Es ist sicherlich nicht sinnerfüllend, täglich mindestens 20 Klos zu putzen. Vielmehr geht es darum, sich persönlich weiterzuentwickeln“.
Dass diese Weiterentwicklung stattgefunden hat und auch immer noch anhält, das kann Ingo Tapper, Küchenchef im Landhotel Upstalboom in Varel, bestätigen: „Plötzlich wurde auf einmal alles offen gelegt, ich hatte einen Einblick in die Umsatzzahlen und durfte die Menükarte selbst gestalten“. Tapper weiter: „Im Rahmen seiner Möglichkeiten kann jeder das ausleben und das machen, was er für gut empfindet“. 

 

 

Der Kulturwandel im Landhotel Upstalboom Varel – von Anfang an mit dabei: Küchenchef Ingo Tapper und Hoteldirektor Marc Stickdorn (v. l. n. r.)(© RKW - RKW Kompetenzzentrum)

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