Bodenständig und global aufgestellt: “Leadership” im Familienunternehmen Endress + Hauser Wetzer

Veröffentlicht: 13.10.2015

Zusammenfassung: Im Mittelpunkt des RKW-Arbeitskreistreffens am Stammsitz von Endress + Hauser Wetzer in Nesselwang stand das Thema Führung und Unternehmenskultur - und zwar am Beispiel des Allgäuer Maschinenbauers selbst.

Am 16. April 2015 traf sich der RKW-Arbeitskreis "Kompetente Arbeitssysteme" am Stammsitz von Endress + Hauser Wetzer in Nesselwang (Allgäu). Dort arbeiten 360 Beschäftigte. Im Mittelpunkt der Arbeitskreissitzung stand das Thema Führung und Unternehmenskultur, und zwar am Beispiel der gastgebenden Firma.

Unter dem Leitbegriff "Leadership" stellte der Personalleiter Frank Walle zunächst das Unternehmen und anschließend dessen Führungsprinzipien und -strukturen vor.

INFO!

Endress+Hauser Wetzer ist Teil der Unternehmensgruppe Endress+Hauser. Die gesamte Unternehmensgruppe beschäftigt an ihren weltweiten Standorten 12.000 Mitarbeitende und hatte 2013 einen Umsatz von 1,8 Mrd. Euro. Trotz ihrer Größe befindet sie sich im Alleinbesitz der Familie Endress. Hergestellt werden hochpräzise Temperaturmesstechnik, Systemkomponenten und Energielösungen für industrielle Kunden. Eine Vielzahl von Patenten und Patentanmeldungen – 5.700 im Jahr 2013 – demonstrieren die Innovationskraft des Unternehmens. 

In seiner Präsentation zum Thema Führung machte Herr Walle deutlich, dass die Verwurzelung des Familienunternehmens in der Region und ein damit verbundener Gemeinsinn Richtschnur für die Unternehmensentwicklung bilden. Wertebindung und Traditionen, die bis zur Gründung im Jahre 1872 zurückreichen, und die systematische Nutzung moderner Managementmethoden und -konzepte gehen eine Verbindung ein. Das Verhältnis zwischen Eigentümerfamilie und Unternehmen ist durch eine Charta geregelt. Dies sorgt für Stabilität, Sicherheit und Verlässlichkeit.

Mit ihren Werten und Handlungsmaximen grenzt sich die Firma von börsennotierten Unternehmen ab. Das Unternehmen setzt auf einen nachhaltigen Wachstumskurs, was Umsätze, Gewinne und vor allem auch die Beschäftigung angeht. Diese Orientierung gilt in schwierigen Zeiten. Im Krisenjahr 2009, als viele Unternehmen Beschäftigte entließen bzw. öffentliche Mittel für Kurzarbeit in Anspruch nahmen, gingen Endress + Hauser Wetzer einen eigenen Weg. Die Eigentümerfamilie sah sich in der moralischen Pflicht, durch den Einsatz eigener Finanzmittel die Krisenlasten aufzufangen. Auf diese Weise wurde der Beschäftigungsstand in diesem Zeitraum gehalten, ohne dafür Steuergelder in Anspruch zu nehmen. 

Kultur des wechselseitigen Gebens und Nehmens

Die Kultur des wechselseitigen Gebens und Nehmens schlägt sich in einer Unternehmenskultur nieder, die Belange des Unternehmens, der Beschäftigten, der Kunden und schließlich auch der Gesellschaft miteinander vereinbart. Hierfür steht ein Leitbild, das zwar viele Elemente moderner Management- und Führungskonzepte enthält, aber nicht neu erfunden oder gar "aufgesetzt" wurde. Vielmehr schlägt sich darin eine jahrelange Praxis des Umgangs miteinander sowie mit Kunden und dem sozialen Umfeld nieder. Erkennbar ist dies auch an dem besonderen, bodenständigen Charakter der Formulierungen im Leitbild : Der Wert "Bescheidenheit" etwa steht für den Verzicht auf überzogene Managergehälter, Statussymbole wie große und teure Dienstwagen und ein zurückhaltendes, nicht großspuriges Auftreten bei Kunden. Die Formel "Evolution statt Revolution" markiert die Anforderung an eine stetige und nachhaltige Entwicklung des Unternehmens.

Firmenkultur
Firmenkultur

Zugeschnitten auf die Personalführung beinhaltet der Wertekanon, das Fordern und Fördern der Mitarbeitenden. Dies ist verbunden mit Entwicklungsfreiräumen, Teamgeist und einer Kultur der Anerkennung. 

Schlanke Prozesse

Wertebindung und Traditionsbezug des Unternehmens schließen beständige Veränderungen und Modernisierungsmaßnahmen bei Endres +Hauser Wetzer nicht aus. Die Firma sieht sich gefordert, auf die Anforderungen einer sich rasant verändernden globalen Wirtschaft zu regieren. Das zentrale Stichwort hierfür ist „schlanke“ Prozesse. Die herkömmliche hierarchische Organisation wird durch eine Prozessorganisation verändert, die ein höheres Maß an Flexibilität und Effizienz ermöglicht sowie die Kundenorientierung verbessert. Ganz im Sinne der Unternehmensphilosophie soll die Führung von einer verengten Orientierung auf die eigene Funktion und den eigenen Bereich Abstand nehmen und sich auf das Gesamtziel des Unternehmens, eine bereichsübergreifende Kooperation und die Verbesserung von Effizienz und Kundennutzen ausrichten:

Führung
Führung

Um diese Ansprüche zu realisieren, werden moderne Managementkonzepte und Tools umfassend genutzt. Kaizen als Angebot an die Mitarbeiter, die Prozesse mitzugestalten, Tools zur Teambildung und Entscheidungsspielräume für die Beschäftigten bei der Gestaltung der Arbeit und der Lage ihrer Arbeitszeit, sind hier nur beispielhaft zu nennen. Neben dem breiten Spektrum an Tools und Gestaltungsregeln gibt es ein Führungskompetenzmodell, das Anforderungen an Führungskräfte formuliert. Sie zielen operativ auf die Motivierung der Beschäftigten und Wirtschaftlichkeit sowie strategisch auf Zukunftsvisionen und Zukunftsgestaltung. Als personale Kompetenzen im Zentrum stehen Integrität und Vertrauenswürdigkeit sowie Tatkraft und Erfolgsorientierung.