Arbeit nachhaltig gestalten: Die Schreinerei Mayr, Manching

Veröffentlicht: 30.12.2016

Projekt: Demografiefeste Arbeit

Zusammenfassung: Gute Fachkräfte zu finden und dauerhaft an den Betrieb zu binden, ist auch eine Herausforderung für die Schreinerei & Möbelmanufaktur Mayr. Wir fragten den Geschäftsführer Andreas Mayr, welche Wege sein Unternehmen dafür beschreitet.

Die Schreinerei & Möbelmanufaktur Mayr in Manching bei Ingolstadt wurde 1952 als kleine Werkstatt gegründet und ist heute eine leistungsstarke Großschreinerei mit etwa 35 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, darunter sechs Auszubildende. Von der ersten Planung über die Fertigung und Projektabwicklung bis hin zum Service bietet das Unternehmen eine breite Palette von Leistungen. Dank modernster technischer Ausstattung sind unterschiedlichste Formen, Materialkombinationen, Oberflächen, Beschichtungen und Lackierungen möglich. Es können Prototypen, Kleinserien- und Serienprodukte in allen erforderlichen Bereichen gefertigt werden.

Herr Mayr, was macht Ihren geschäftlichen Erfolg aus?

Im Jahr 2012 haben wir in einen modernen, zukunftweisenden Maschinenpark investiert. Damit haben wir eine Basis für die weitere Entwicklung gelegt. Ein zweiter – ebenso wichtiger - Erfolgsfaktor sind unsere aktuellen und potenziellen Mitarbeiter. Unser Team besteht aus einer gesunden Mischung "alter Hasen" und "junger Talente". Unsere Kunden profitieren also von breitem Fachwissen, viel Erfahrung und von frischen, kreativen Ideen.

Wie gewinnen Sie Fachkräfte für Ihr Unternehmen?

Wir engagieren uns seit Jahren in der Nachwuchsförderung und werben in Schulen und auf Messen aktiv für den Beruf des Schreiners beziehungsweise der Schreinerin. Als Ausbildungsbetrieb haben wir bis heute etwa 100 junge Menschen ausgebildet.

Ich glaube, dass die Philosophie, die wir als Unternehmen vertreten, erheblichen Einfluss auf unser Betriebsklima und darüber hinaus auf unseren Ruf als Arbeitgeber in der Region hat. Unser Anspruch, Tradition und Moderne zu verbinden,  hohe Produktqualität und optimale Kundenbetreuung zu garantieren und ein  nachhaltiges unternehmerisches Handeln gehören dazu.

Was verstehen Sie unter nachhaltigem Handeln?

Neben der ökonomischen Basis gehört dazu ein ökologisches Bewusstsein. Deshalb arbeiten wir möglichst mit regionalen Lieferanten, die wie wir Wert auf nachhaltige Waldbewirtschaftung legen. Mit dem Einsatz von recycelten Materialien und einer energieeffizienten Produktion tragen wir unseren Teil zum schonenden Umgang mit der Umwelt bei. Und wir übernehmen soziale Verantwortung, durch die finanzielle Unterstützung von Vereinen und Projekten der Region und in verschiedenen Ehrenämtern.

Inwiefern hat das Auswirkungen auf die Gestaltung der Arbeit?

Die Prinzipien der Verantwortung gegenüber der Umwelt und den anderen schlägt sich auch im betrieblichen Miteinander nieder. Um die Zusammenarbeit zu verbessern und den Austausch zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung zu intensivieren, haben wir im Jahr 2015 einen freiwilligen Mitarbeiterbeirat, den  Schreinerrat gegründet. Die Belegschaft wird so in wichtige Entscheidungen eingebunden. Projekte, an denen alle beteiligt werden, haben mehr Aussicht auf Erfolg. Man kann inzwischen sagen, dass nicht nur der Betrieb, sondern auch Kunden und Partner von dieser Maßnahme profitieren.

In unserem Schreinerrat gibt es zwei gesetzte Mitglieder aus der Geschäftsführung und vier gewählte Mitglieder aus der Belegschaft, davon ein Azubi-Vertreter. Von den drei anderen Vertretern sollte jeweils einer aus dem Büro, einer aus der Produktion und einer aus dem Bereich Montagen kommen. Gewählt wird alle zwei Jahre.

Der Schreinerrat tagt in der Regel einmal im Monat und hat sich bisher primär damit beschäftigt, Verhaltensregeln aufzustellen zwischen der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern, aber auch für die Mitarbeiter untereinander.
Weiterhin ist der Beirat eingebunden, wenn es um die die strategische Ausrichtung und anstehende Investitionen geht.

Gibt es noch weitere Maßnahmen?

Es gibt noch eine Fülle weiterer Maßnahmen, in denen wir uns als starker Arbeitgeber positionieren.

Wir wurden beispielsweise im Jahr 2008 deutschlandweit als einer der ersten Betriebe und bayernweit als erster Betrieb von der Berufsgenossenschaft für die Arbeitssicherheit zertifiziert, unter dem Titel SMS 5.0 (Sicher mit System, vormals AGO). Im Jahr 2017 werden wir hier unser drittes Re-Audit durchlaufen.

Des Weiteren beteiligen wir uns an der AzubiAkademie im Landkreis Pfaffenhofen und waren an deren Gründung beteiligt. Unter der Obhut des Bundes der Selbständigen (BDS) besuchen die Azubis aller Teilnehmer den jeweils anderen Betrieb und werden dort branchenübergreifend unterrichtet. Die Referenten kommen jeweils aus dem gastgebenden Unternehmen.

Aktuell beteiligen wir uns am Förderprogramm unternehmensWert:Mensch. Hier werden individuelle Belastungen der einzelnen Mitarbeiter aufgedeckt und nachhaltig reduziert. Es wurden mehrere Termine angesetzt, in denen ein professioneller Berater den Status Quo erfasst und mögliche Optimierungspotenziale identifiziert.

Die Workshops waren zunächst in zwei Gruppen unterteilt, den Mitarbeitern aus der Fertigung und den Mitarbeitern aus dem Büro, und zwar ohne Geschäftsleitung.  Im nächsten Schritt wurden die beiden Gruppen zusammengeführt und schließlich die Geschäftsleitung mit eingebunden.
Gemeinsam konnten hier erst einmal das wechselseitige Verständnis für die Situation und die Bedürfnisse des Anderen geklärt und dann Regeln für die Kommunikation und für Verhaltensweisen in Stresssituationen aufgestellt werden.
Auf Grund der gewonnenen Erkenntnisse arbeitet derzeit die Geschäftsleitung mit leitenden Mitarbeitern an einem neuen Organigramm, das den künftigen Anforderungen von Kunden und Mitarbeitern noch besser gerecht werden soll.