Zwei Jahre Azubimarketing

Veröffentlicht: 16.12.2016

Projekt: Azubimarketing

Zusammenfassung: Das zweite Jahr Azubimarketing neigt sich seinem Ende entgegen. In vorweihnachtlicher Zeit und Besinnlichkeit ein guter Zeitpunkt für einen kleinen persönlichen Blick zurück.

Das einjährige Projekt startete Anfang 2015: Azubimarketing für kleine und kleinste Unternehmen. Warum dann ein Rückblick auf ein bereits vor einem Jahr abgeschlossenes Projekt?! Dazu später mehr.

Wir waren ein recht großes, aber auch bunt zusammengewürfeltes Team, denn wir kamen aus den unterschiedlichsten Projekten und Abteilungen. Und warum gab es dieses Projekt und warum wurde dieses Thema gewählt? Objektiv betrachtet musste man sich nur die Zahlen ansehen, um zu wissen, dass es seine Berechtigung hatte, hat und sicherlich weiterhin haben wird. Die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich für die meisten Unternehmen zunehmend schwieriger. Insbesondere die kleinen und kleinsten haben bei rückläufigen Auszubildendenzahlen das Nachsehen, obgleich für sie der Fachkräftenachwuchs aus dem eigenen Haus eigentlich unerlässlich wäre. Es wirkte mithin auf den ersten Blick wie ein brandaktuelles Thema. Das war es. Und das ist es noch immer.

Für mich persönlich reizvoll war die Kombination, die sich hinter diesem Thema verbirgt. Ausbildungsmarketing vereint Elemente der Personalarbeit mit kommunikativen Herausforderungen. Und das – sozusagen – crossmedial. Ein solches Aufgabenspektrum zwischen Facharbeit und Kommunikation beinhaltet das Beste beider (Arbeits-)Welten, so sagte ich mir. Und dann ging es los ...

Am Anfang war das Wort

Oder vielmehr die Schrift. Denn gelesen wurde ausufernd viel: sich mit den gängigen Studien vertraut und das Wissen aus Fachbüchern zueigen machen, in anderen Fachmedien recherchieren, andere Organisationen begutachten, die sich des Themas angenommen haben – sehr viel Theorie. Staubtrocken, aber unerlässlich. Ein paar Monate später sollten wir einmal auf die Idee kommen, über ein Azubimarketing-Haus als Konzept zu sprechen. Für das eigene bauten wir im übertragenden Sinne damals unser Fundament.

Nun sind zwölf Monate nicht sehr viel Zeit für Kompetenzanreicherung, Konzeptentwicklung, Umsetzung und Ergebnispräsentation. Nebenher sollte auch mit möglichst vielen Betroffenen in Unternehmen gesprochen werden, um nicht nur die Theorie zu kennen. Einblicke in Schulen, die Berufsorientierung, Gespräche mit Lehrern. Nichts davon wäre verkehrt. Und so begann ein geschäftiges Treiben. Nur allzu schnell jedoch mussten wir am Kern unseres Projektes arbeiten: der Azubimarketingmappe

Doch es sollte nicht einfach nur eine Mappe sein. Zwei an sich ganz einfache Umstände sorgten dafür, dass wir ein Stück weit Neuland betraten. Zum einen ist es schlichtweg unmöglich, alles Nötige in vier Leitfäden abzubilden, weshalb wir Weiteres zur Verfügung stellen wollten, und zwar online. Zum anderen war uns allen schnell klar, dass die Ansprache von Jugendlichen hauptsächlich im Netz stattfinden musste, und wie geht das besser als mit einer eigenen Website für Azubis? Nun sind gerade kleine und kleinste Unternehmen nicht immer so internetaffin oder haben die Zeit, sich eigens um eine Website zur Information potenzieller Auszubildender der Generation Z zu kümmern. Ein Hexenwerk ist es trotzdem nicht, und so wagten wir den Selbstversuch, um plausibel zu machen, dass es gar nicht so viel Aufwand bedarf, eine solche Website auf die Beine zu stellen. Auch wenn man selbst praktisch kein Vorwissen hat. Aus unserem Experiment und Selbstversuch wurde die Azubiwebsite zweier fiktiver Unternehmen. Unsere Erfahrungen dazu schrieben wir hier nieder.

Und sie sahen, dass es gut war

So reifte ein Projektergebnis heran, dass uns mit vier Leitfäden und zwei Websites durchaus zufrieden stimmte. Aber es sollte ja nicht uns überzeugen, sondern kleinen und mittleren Unternehmen ein Handreichung auf dem Weg zu einem attraktiven Ausbildungsbetrieb mit adäquater Bewerberansprache sein. Einige Gedanken, wie 10.000 Exemplare einer solchen Mappe an die Zielgruppe verteilt werden könne, waren notwendig: Marketing und Vertrieb für Ausbildungsmarketing. Was auf den ersten Blick wie der berüchtigte "weiße Schimmel" als Pleonasmus daherkam, war 2016 eine der zentralen Aufgaben des Transferprojektes im Fachbereich Unternehmensentwicklung und Fachkräftesicherung – allerdings mit kleinerem Team. Und mag sich 2015 auch spannend angehört haben, die wirklich bemerkenswerte Zeit folgte erst.

Lernen und weitergeben

Die Werbetrommel wurde gerührt, eine Bestellseite für die Mappe gebastelt, erste Unternehmenswerkstätten sowie eine Bustour im Saarland zum Thema Ausbildungsmarketing geplant und nicht zuletzt ein crossmediales RKW Magazin in Angriff genommen: Magazin und Website als Kombination und gegenseitige Ergänzung sowie in Form einer zusammenhängenden Geschichte. Gerade in dieser Zeit bekamen wir noch weitaus tiefere Einblicke in einzelne Unternehmen, weil wir gezielt auf Beispielsuche waren und viel Zeit hatten, auch über den "Interview-Tellerrand" hinaus über das Thema Ausbildung zu reden. Jeder besuchte Betrieb war für sich genommen einzigartig, jedes Gespräch lief anders ab, brachte andere Erkenntnisse und auch andere Zugänge zur Unterstützung mit sich. Nicht zuletzt lernten wir faszinierende Unternehmen kennen und konnten gleichzeitig sehen, für wen genau und wofür wir eigentlich als RKW unseren satzungsgemäßen Auftrag erfüllen.

Jetzt, am Ende des Jahres und zurückblickend, haben wir zahlreiche Unternehmenswerkstätten, Vorträge und Unternehmensbesuche durchführen dürfen und ebenso viel lernen wie weitergeben können. Ausbildungsmarketing ist ein Thema, das viele umtreibt und immer mehr ernstgenommen wird. Selbst diejenigen, die sich immer sicher wähnten, erkennen langsam die Notwendigkeit, mehr als das Übliche zu machen – und systematischer. Für mich persönlich war es das lehrreichste, interessanteste und abwechslungsreichste Arbeitsjahr, aber auch das zeitlich wie gedanklich fordernste. Und trotzdem oder gerade deswegen freue ich mich auf das Kommende. Mal schauen, wie sich Ausbildungsmarketing 3.0 entwickelt ... die nächsten Vorträge, Werkstätten und Unternehmensbesuche stehen schon fest. Und ein paar unserer Mappen wollen wir ebenfalls noch sinnvoll weitergeben. Die Nachfrage nach ihnen ist nach wie vor da und gut!

Allen, die sich tatsächlich die Zeit genommen und bis hierher gelesen haben, wünsche ich ein gesegnetes und schönes Weihnachtsfest im Kreise der Familie und alles Gute, Gesundheit und gute Azubis für 2017!