Wer geführt wird, verirrt sich nicht alleine

Veröffentlicht: 17.04.2015

Zusammenfassung: Normalerweise hat die Kolumne ihren angestammten Platz im RKW Magazin. Diesmal allerdings erwartet Sie der augenzwinkernde Blick mit den todernsten Ratschlägen zum Magazinthema nicht als Ausklang Ihrer Magazinlektüre, sondern hier im Blog.

Bei einem so humorlosen und langweiligen Thema wie Führung und im Gegensatz diesem über alle Maßen seriösen Beitrag ist das vielleicht auch besser so. Aber pssst, verpfeifen Sie mich nicht bei der Redaktion … :o) … und lesen Sie trotzdem oder gerade deswegen hier das neueste RKW Magazin!

"Schreibst Du was zum Magazinthema?", hieß es. "Ich weiß nicht, ob mir für die Kolumne das Passende einfällt", antwortete ich. Das war die Wahrheit. Und verdrängt war der Gedanke.

Am Wochenende "führte" mich die Lust auf Konsum in die Innenstadt, die zwar wie stets überlaufen war, aber dennoch denjenigen Befriedigung verschafft, die ihre Geldbörse öffnen wollen – irgendetwas findet man immer. Nur statt DVDs, einer neuen Hose oder dem Winterschlussverkaufsschnäppchen schlechthin, fand ich einen fröhlich dreinschauenden Menschen, dem eine Gruppe "folgte". Diese Masse Menschen waren augenscheinlich japanische Urlauber, und der voranschreitende Herr hielt einen Schirm in die Höhe: ein Fremden- oder Touristenführer (auch wenn es neudeutsch meist nur noch Tour Guide heißt). Perfekt! Diese Personen wissen, was Führung heißt. Hier geht es lang – zu den unzweifelhaften Ratschlägen für Führungskräfte!

Nehmen Sie einen Schirm, Herr Abteilungsleiter!

Das Begriffspaar "Führen und Folgen" beschreibt ein nicht gleichrangiges Verhältnis. Es gibt diejenigen, die führen (sollten). Und es gibt diejenigen, die folgen (sollten). Führt niemand, dann wird auch nicht gefolgt – und umgekehrt. Vermutlich gibt es eine Vielzahl an Führungskräften, die den beschriebenen Fremdenführer beneiden. Im Arbeitsalltag eine Führungsrolle so wahrnehmen zu können, dass ausnahmslos alle Mitarbeiter folgen, gelingt nicht jeder Führungskraft. Aber warum?

Eine kurze Reminiszenz …

Nach dem Wochenende ist klar: Es fehlt der Schirm! Was einstmals bei der Kultserie der 60er Jahre "Mit Schirm, Charme und Melone" Markenzeichen der Geheimdienstarbeit von S.N.O.B. war, verkörpert dieser Fremdenführer in gleichem Maße: das Auftreten mit einer Insignie der "Macht". Aber das ist erst der Anfang! Beobachten wir weiter: Diese Armbinde sieht verheißungsvoll aus. Wahrscheinlich steht da etwas in Richtung "Touristenführer" oder Ähnliches zu lesen. Wohlan, unser Leader muss also auch ein solches Accessoire mit der Aufschrift "Führungskraft" tragen. Schließlich machen Binden Leute – fragen Sie Mannschaftsführer auf (und neben) dem Fußballplatz …

Farblich in einer Linie: Warnbarken, Rettungswesten und Führungskräfte

Nun ist bekannt, dass gerade in Deutschland der demografische Wandel voranschreitet. Die Belegschaften werden älter, die Augen aufgrund der häufig stark beanspruchenden Arbeit am Bildschirm beispielsweise mit dem Alter auch nicht besser. Es wäre also wichtig, diesen Umstand zu berücksichtigen. Die Armbinde und der Schirm müssen daher auffallen. Wählen Sie bevorzugt knallige Farben mit Leuchtkraft. Nehmen Sie aber Abstand von Gelbtönen – es könnte zu ungewollten Witzen ob der fehlenden drei Punkte kommen und Ihre Autorität untergraben.

Neben Armbinden machen auch Kleider Führungskräfte. Ziehen Sie sich seriös an. Overdressed gibt es für Sie nicht. Business Formal ist Standard. Wählen Sie gedeckte Farben oder gleich Schwarz. Dann fällt Ihre knallorangene Binde noch besser ins Auge. Und gerade bei dem Herrn von Welt fügt sich der Schirm elegant ins Gesamterscheinungsbild ein. Das hat Chic!

Werden Sie verstanden!

Ein letztes nützliches Hilfsmittel liefert uns der unaufdringliche Mann noch. Bei näherem Hinsehen erkennt man ein Headset, in das er unaufhörlich hineinspricht. Die ihm folgenden Bewunderer Frankfurter Baukunst indes verstehen ihn wunderbar mit den Funkkopfhörern. So subtil und bescheiden müssen Sie aber nicht sein: Ein Megafon erfüllt den gleichen Zweck und kommt Ihrem Unternehmen billiger. Sollten Sie Zweifel hegen: Es ist unabdingbar, dass Sie von Ihren Mitarbeitern verstanden werden. Hiermit tragen Sie Sorge, dass Sie Gehör finden. Und nochmals: Vergessen Sie nicht, Sie haben im Schnitt ältere Mitarbeiter …

Und Zarathustra sprach: Wenn Du zum Mitarbeiter gehst …

Ein Überschallflug über die Managementliteratur brachte die irrige Erkenntnis, Führungspersönlichkeit und Vertrauen, das diese aufbauen soll, hülfen weiter. Mumpitz! Ihre Mitarbeiter wollen geführt werden – mit harter Hand! Sie wollen kontrolliert, überwacht, ständig korrigiert, bevormundet und schlecht behandelt werden. Ihre Persönlichkeit stellen Sie nebenbei so auf noch deutlichere Weise dar. Was wollen Sie mehr? Guter Tipp am Rande: Tauschen Sie für eine effektvolle Drohgebärde Megafon oder Schirm gegen eine neunschwänzige Katze aus, das wirkt bestimmt!

Resümieren wir. Befolgen Sie alle Ratschläge! Dann wissen Sie, was Ihnen zur perfekten Führungskraft noch fehlt.

Ihre Alternative wäre nach wie vor das RKW Magazin hier.