Wenn das Gleiche nicht das Selbe ist

Veröffentlicht: 09.02.2016

Projekt: Azubimarketing

Zusammenfassung: Über 300 duale Ausbildungsberufe - wie sollen Schüler da den Durchblick behalten? Offensichtlich gelingt's, denn mancher Beruf leidet unter Imageproblemen. Wie können Ausbildungsbetriebe hier gegensteuern?

Kaufmann/-frau im Einzelhandel ist der zweitbeliebteste Ausbildungsberuf bei Jugendlichen. Aber nicht alle finden eine Lehrstelle. Da wäre es doch eigentlich zu erwarten, dass die erfolglosen Bewerber auf einen eng verwandten Beruf umschwenken: Beispielsweise auf die Ausbildung "Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk". Hier gibt es deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber. Trotzdem schwenken die wenigsten um. Das (fast) Gleiche ist offenbar nicht das Selbe. Das BiBB hat untersucht, warum das so ist.

Beide Ausbildungen dauern drei Jahre. Die Tätigkeiten sind sehr ähnlich: Verkaufen, Beraten, Waren präsentieren, Warenbestände planen... Allerdings in dem einen Fall eingegrenzt auf Lebensmittel. Aber kann das so ausschlaggebend sein? In beiden Berufen sind die allermeisten Ausgelernten entsprechend ihrer Qualifikation beschäftigt. 

Ein handfester Unterschied besteht bei der Vergütung: Der Unterschied beträgt rund 200 Euro! Und fast nur junge Frauen lernen Fachverkäuferin - beim Einzelhandelskaufmann/-frau ist das Geschlechter-Verhältnis ausgeglichen. Für junge Männer "geht" der Fachverkäufer offenbar "gar nicht": zu weiblich, zu schlecht bezahlt.

Aber warum sind auch die jungen Frauen zu unflexibel? Offenbar, das legt die BiBB-Untersuchung nahe, hat der Fachverkäufer-Beruf ein Image-Problem: Diejenigen, die bessere Schulabschlüsse haben, können mit dieser Berufswahl ihr Sozialprestige zu wenig stärken. Tatsächlich ist der Anteil der Hauptschüler bzw. derjenigen ohne Schulabschluss im Beruf Fachverkäufer deutlich höher als bei den Einzelhandelskaufleuten. 

Das ist natürlich auch eine Folge der Strategie von Betrieben, die keine Auszubildenden für den Fachverkäufer-Beruf finden: Sie geben auch den schwächeren Kandidaten eine Chance - und fahren sehr gut damit. Zum Beispiel im südbadischen Weil am Rhein: Dort haben 100 Bewerber zum Fachverkäufer bis zu 120  Lehrstellen zur Auswahl. Die Metzgerei Lederer hat aus der Not eine Tugend gemacht und bildet mit großem Erfolg auch schwächere Jugendliche zu Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk aus.

Es bleibt ein Dilemma: Zu wenig Bewerber, weil als Berufe als unattraktiv gelten, darum weiten Unternehmen den Suchfokus aus - und bestätigen damit letztlich das Bild. Was könnte eine alternative Strategie sein? Vielleicht doch eher "Kernberufe", in denen man sich erst relativ spät auf einen Bereich spezialisiert? Mehr dazu demnächst hier im Fachkräfteblog.