Was Arbeitszeit mit dem Weltfrauentag zu tun hat

Veröffentlicht: 08.03.2015

Zusammenfassung: Heute, 8. März ist Weltfrauentag und pünktlich meldet das Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) neue Zahlen: Doppelt so viele Frauen wie 1991 sind beschäftigt.

Damit haben die Frauen in Deutschland bei der Erwerbstätigkeit fast mit den Männer gleichgezogen. Ein Grund zur Freude? Na ja, nicht so wirklich.

Denn dieses Wachstum an Frauenerwerbtätigkeit ist überwiegend auf Teilzeit und geringfügige Beschäftigung zurück zu führen. Wenn auch die Zahl der beschäftigten Frauen seit 1991 um 21 Prozent gestiegen ist, nahm ihr Arbeitszeitvolumen nur um magere vier Prozent zu!
Und hier hat der Weltfrauentag mit Arbeitszeit zu tun.

Warum arbeiten Frauen so wenig?

Weil immer noch das männerdominierte Familienbild gilt. Er ist der Ernäherer, für sie bleiben Küche und Kinder. Außerdem rechnet es sich nicht, denn dank Ehegattensplitting würde ihr Mehrverdienst vom Finanzamt geschluckt. Also geht frau ein bisschen arbeiten, um ihr Taschengeld aufzubessern. Manchen Arbeitgebern kommt das entgegen. Die “verkaufen” Teilzeitjobs sogar als Maßnahme für die Familienfreundlichkeit, was sie teilweise sind. Dumm bloß, dass viele Ehen und Partnerschaften scheitern. Dann steht frau mit leeren Taschen da, wenn der Ex sie und die Kinder nicht mehr oder nicht ausreichend unterhält. Dann kriegt sie mit einer niedrigen Rente auch noch nach Jahrzehnten eine Quittung für diese “Familienfreundlichkeit”.

Jenseits der persönlichen Perspektive hat Arbeitszeit und Weltfrauentag auch was mit der Gesellschaft zu tun. Es kann nur ein Mann auf die Idee kommen, den Fachkräftemangel dadurch zu lösen, dass alle Frauen so viel wie die Männer arbeiten – den Vorschlag hörte ich vorige Woche bei einer Veranstaltung. Und, so müsste man ergänzen, natürlich trotzdem viele Kinder gebären, damit auch künftig kein Fachkräftemangel mehr entsteht. Tolle Idee. Man müsste dafür die Kinder so programmieren, dass sie nie krank werden, immer problemlos durch alle Schulklippen kommen, sich selbstverständlich an die Bürozeiten der Eltern halten bei Unfällen und sonstigen Irritationen. Am besten wäre es sogar, wenn sie endlich betreuungsneutral groß zu ziehen wären. Denn dann könnte sich die Gesellschaft sparen, in mehr und besser Kinderbetreuung zu investieren und ihre Einstellung zu Kindern und Familien zu ändern!

Männer, macht Frauen gute Arbeit möglich!

Jede Frau, die arbeitet und Kinder hat, hat mehrere Jobs: den bezahlten und die vielen unbezahlten als Köchin, Hausmädchen, Spielkameradin, Waschfrau, Nachhilfelehrerin, Seelentrösterin, Einkäuferin, Krankenschwester, Freizeitmanagerin, Chauffeurin. Arbeitszeitgesetz, Pausenregelung, Urlaub – doch nicht für eine Mutter! Das bisschen Erziehen und Haushalt …
Ich weiß, wovon ich rede mit drei Kindern. Väter finden dabei gelegentlich auch statt, ja. Doch der Löwenanteil bleibt für die Mütter. Teilzeit kann natürlich etwas entlasten, aber irgendwann sind die Kinder älter und frau will wieder mehr arbeiten.

Vor allem aber darf Teilzeit – wie viele Stunden und wie lange auch immer – kein Karrierekiller mehr sein, weder für Frauen noch für Männer.

Und muss es die Gesellschaft endlich kapieren, dass wir Frauen mehr wollen als Alete und Pampers: Wir wollen uns genau so einbringen können wie die Männer, mit den selben Chancen, mit der selben Bezahlung. Dafür brauchen wir gute und zuverlässige Betreuungsmöglichkeiten, Ganztagsschulen und viel mehr Unterstützung für den Rest.

Männer, macht endlich was dafür!