Unconscious Bias – Was tun gegen die Schubladen im Kopf?

Veröffentlicht: 12.06.2019

Projekt: Diversity und Chancengleichheit

Zusammenfassung: Was genau ist Unconscious bias und wie kann man gegen die hartnäckigen Schubladen im Kopf vorgehen, damit man Vielfalt im Betrieb fördert? Darum geht es in diesem Blogbeitrag.

 Quellen:  

The Diversity Workbook by EY Germany Switzerland Austria

Dossier: Vielfalt Erkennen– Strategien für einen sensiblen Umgang mit unbewussten Vorurteilen, Charta der Vielfalt e. V.

 

 

 

Wer kennt das nicht? Man lernt jemanden kennen, findet raus, dass man viel gemeinsam hat und gleich ist einem die Person sympathischer. Dies liegt daran, dass wir Situationen, Personen oder Verhalten immer durch unseren ganz persönlichen Filter betrachten. Dieser Filter ist geprägt durch Kultur, Sozialisation, Bildung und weitere wertbestimmende Erfahrungen. Das heißt, dass wir Dinge, Sachverhalte und Personen unbewusst voreingenommen betrachten. Dieses Phänomen der unbewussten Vorurteile wird als "Unconscious Bias" bezeichnet. In einem betrieblichen Kontext haben diese Wahrnehmungsmuster­ – teilweise geprägt von Genderstereotypen und Klischees – einen großen Einfluss auf die demografische Zusammensetzung eines Unternehmens.

Weitreichende Konsequenzen

Durch "Unconsious Bias" geht der Blick für das Besondere, der oft hinter augenscheinlichen und oberflächlichen Merkmalen verborgen liegt, verloren. Es sind viele unterschiedliche Kriterien, die eine Person ausmachen und nicht nur die Eigenschaften, die einem auf den ersten Blick auffallen. Es hat sich gezeigt, dass durch eine vielfältige Belegschaft sowohl die Produktivität als auch die Unternehmenskultur eines Betriebes profitieren kann. Oftmals hindert der "Unconsious Bias" Unternehmen daran, eine vielfaltsbewusste und heterogene Belegschaft zu fördern. In Unternehmen können geprägte Wahrnehmungsmuster zu unfairen Handlungen und Bewertungen führen, obwohl dies nicht unsere Intention ist. Die größten Auswirkungen hat "Unconscious Bias" bei Entscheidungen in den Bereichen:

  • Personalauswahl
  • Personalbewertung
  • leistungsabhängige Entgeltvergabe 

Die vielen Gesichter des "Unconscious Bias" und wie man ihm entgegenwirkt

Doch lässt sich das Konzept des "Unconscious Bias" nicht als einfache Stereotypenzuschreibung simplifizieren. Die unbewusste Wahrnehmung ist komplex und folgt unterschiedlichen Mustern. Die häufigsten Formen von Unconscious Bias sind:

Der Engel/Teufel Effekt

Der erste Eindruck von jemandem führt dazu, dass alle weiteren Handlungen und Verhaltensweisen dieser Person in einem – je nach Eindruck – positivem oder negativem Licht gesehen werden.

Affinitätsvorurteile

Wir sind den Menschen wohlgesonnener, die uns in verschiedenen Aspekten  ähneln, als denjenigen, die sich von uns unterscheiden. 

Rezenzeffekt

Die Tendenz Menschen nach ihrem jüngsten Verhalten/ihren aktuellsten Handlungen zu beurteilen (sowohl positiv als auch negativ). Dabei werden vorhergehende Leistungserbringungen ignoriert.

Bestätigungsfehler

Unbewusst nach Beweisen suchen, die unsere Meinung und Überzeugung über eine Person bestätigen. Alle Beweise, die unsere Meinung wiederlegen könnten, werden unbewusst ignoriert.

Stereotypisierung

Entscheidungen und Meinungsbildung sind von der Zugehörigkeit einer Person zu einer bestimmten sozialen Gruppe beeinflusst.

Doch nun zu einer guten Nachricht. Nur weil es diese Wahrnehmungsmuster gibt, heißt es nicht, dass man ihnen widerstandslos ausgeliefert ist. Durch wenige kleine Tricks kann man dafür sorgen, bei Entscheidungsfindungen bewusster vorzugehen. Viele vom "Unconscious Bias" geprägte Entscheidungen entstehen, wenn man unter Druck steht. Daher lohnt es sich innezuhalten und nachzudenken, bevor man Entscheidungen trifft, auch wenn sie selbstverständlich erscheinen. 

Des Weiteren ist es wichtig, sich der verschiedenen Wahrnehmungsmuster bewusst zu sein und sich klar zu machen, wie sie einen beeinflussen können. Wir erwarten oftmals von unseren Mitmenschen das gleiche Verhalten, welches wir auch an den Tag legen. Und wenn sie anders handeln, stempeln wir sie schnell als fehlerhaft und ineffizient ab. Damit dies nicht passiert, sollte man sich auf Resultate und nicht auf die Arbeitsstile der Mitarbeiter fokussieren. 

Diese kleinen Vergegenwärtigungen können große Auswirkungen haben und helfen dabei Unternehmen vielfaltsbewusster zu gestallten.

Nutzt Ihr Betrieb bereits die Vorteile einer vielfältigen Belegschaft?

Mit dem INQA-Check „Vielfaltsbewusster Betrieb“ finden Sie es heraus. Das Selbstbewertungsinstrument unterstützt Sie dabei Ihr Vielfaltsbewusstsein in verschiedenen Bereichen des Unternehmens zu prüfen. Der Check unterstützt Sie dabei, auf die unterschiedlichen Blickwinkel und Fähigkeiten Ihrer Beschäftigten in den Handlungsfeldern Strategie, Führung, Personalarbeit, Arbeitsorganisation und Unternehmenskultur einzugehen und diese für Ihr Unternehmen zu nutzen.

Sie können damit Ihren Handlungsbedarf feststellen, Maßnahmen festlegen und mit einer Selbsterklärung darauf aufmerksam machen, dass Sie Vielfalt im Betrieb fördern.

Den Check finden Sie auf unserer Website zum Herunterladen oder als Online-Tool auf www.inqa-check-vielfalt.de.