Social Distancing: Herausforderung für Führungskräfte

Veröffentlicht: 06.04.2020

Zusammenfassung: Auch in Unternehmen gilt: Soziale Kontakte sollen vermieden werden, vieles wird virtuell erledigt. Wie können Vorgesetzte unter diesen Umständen noch ihrem Führungsauftrag gerecht werden und die Leistungsfähigkeit ihres Teams sicherstellen?

Wir haben mit Jochen Iseke gesprochen, dem Referenten der Webinare zu virtuellen Führung beim RKW Sachsen-Anhalt.

Herr Iseke, was ist anders bei der Führung virtueller Teams und worauf kommt es jetzt an?

Wenn Mitarbeitende, die normaler Weise ihre Arbeit im Unternehmen verrichten, nun auf unbestimmte Zeit von zu Hause aus arbeiten, fehlt auch für die Führungskraft der direkte Kontakt im Büro. Führung durch Präsenz ist nicht mehr möglich. Das kann ein Stück weit Machtverlust bedeuten, den es auszugleichen gilt. Unverzichtbar ist in der jetzigen Situation aber Vertrauen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch im Home Office arbeiten und produktiv sein wollen. Statt also Anwesenheit am Rechner zu kontrollieren, sollten Führungskräfte klare Ziele und Deadlines mit ihren Mitarbeitenden vereinbaren. Dabei ist es allerdings auch wichtig, dass alle das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren und verstehen, wie ihr Beitrag auf die Ziele des Teams einzahlt. Virtuelle Teammeetings sind eine Möglichkeit, in denen jede und jeder auch berichten kann, woran sie sitzen, wie sie voran kommen und wo es klemmt. Überhaupt ist Stärkung des Teamgeists eine wichtige Aufgabe. Schließlich fällt der informelle Smalltalk am Arbeitsplatz oder in der Teeküche aktuell ersatzlos weg.

Was raten Sie jetzt Führungskräften?

Sie sollten ansprechbar sein für ihre Mitarbeitenden und dazu ermuntern, sich auch zu melden, wenn es irgendeine Schwierigkeit gibt. Und das betrifft nicht nur die Arbeit, Führungskräfte sollten jetzt besonders ein offenes Ohr haben für andere Sorgen. Schließlich müssen viele Mitarbeitenden aktuell neben ihrem Job auch zusätzliche Familienpflichten stemmen und stehen auch sonst vor ungewohnten Herausforderungen. Wir alle müssen uns in der jetzigen Situation umstellen. Darum sollte die Führungskraft bei den Arbeitsaufträgen und Deadlines sensibel sein und klären, was leistbar ist. Und auch kleine Fortschritte sollten gewürdigt werden. Dazu eignen sich Emails nicht so gut, besser sind Telefonate oder Video-Konferenzen.

Was ist aus Ihrer Sicht das Gute an der aktuellen Situation?

Wir alle müssen kreativ neue Lösungen finden, darin sehe ich große Chancen. Denn wenn sich jetzt zeigt, dass man einen Vorgang auch anders zu einem guten Ergebnis bringen kann, wird niemand den alten Trott wieder aufnehmen wollen. Wir experimentieren mit neuen Formen der Zusammenarbeit, viele Unternehmen werden ganz schnell sehr viel „digitaler“ als das ohne die Corona-Krise gegangen wäre. Und die Beschäftigten arbeiten zwangsläufig viel eigenverantwortlicher, sie übernehmen Verantwortung für ihre Arbeitsergebnisse und sie müssen sich jetzt auch selbst führen.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Iseke! Sie machen uns neugierig auf Ihre Webinare.

Jochen Iseke ist Senior Berater bei der RKW Projekt GmbH in Berlin. Er unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen und ihre Mitarbeitenden dabei, sich in einer immer schneller verändernden Umwelt erfolgreich zu behaupten und Lösungen für neue Herausforderungen zu finden. Sein Beratungsangebot umfasst HR Projektmanagement, agile Führung, die Arbeitswelt 4.0 und die Entwicklung und Umsetzung moderner und wirkungsvoller Karriere- und Talent Management-Lösungen. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Führungserfahrung in mittelständischen deutschen und internationalen Unternehmen.