Personalführung neu gedacht: 9. Eschborner KMU Abend

Veröffentlicht: 23.07.2015

Zusammenfassung: Je komplexer unsere (Geschäfts-)Welt wird, desto wichtiger kann das Know-how anderer Kollegen, Partner oder Experten werden. Dies trifft besonders für wissensintensive Tätigkeiten zu.

Denn die Wahrnehmungs- und Verarbeitungskapazitäten einzelnen sind schlichtweg überfordert, alle erforderlichen Informationen zu überblicken, die benötigt werden.  Damit werden vielerorts Austausch und Zusammenarbeit immer wichtiger für den geschäftlichen Erfolg.

Hinzu kommt, dass für alle Aufgaben und Tätigkeiten, die mit einem hohen Maß an Verantwortung und Entscheidungsfreiheit ausgestattet sind, das Engagement der Mitarbeiter erfolgskritisch ist. Genauer gesagt, braucht ein Chef unter diesen Arbeitsbedingungen, das, was die Mitarbeiter "freiwillig", zusätzlich oder aus Überzeugung und nicht durch Druck oder wegen einer Belohnung tun.

Die Fähigkeit erfolgreich zu kooperieren und die Bereitschaft auch "mehr als unbedingt nötig" zu geben werden in großen Teilen von der Beziehung zwischen den Beteiligten bestimmt. Daher lohnt es sich, die Beziehungsqualität nicht aus dem Auge zu verlieren. Dies macht die klassischen Führungsaufgaben zwar keinesfalls obsolet, jedoch reicht es vor allem in komplexen und auf Wissen basierten Arbeitsbedingungen nicht mehr aus, nur Ziele zu definieren und diese zu überprüfen, Entscheidungen zu fällen oder die Abläufe zu organisieren (also das Führungshandwerk zu beherrschen).

Gelungene Führung – inklusive guter Ergebnisse – ist ebenso ein Ausdruck einer gelungenen Beziehung zwischen den Beteiligten. Umgekehrt können Führungsprobleme (und schlechte Ergebnisse) jetzt auch als Beziehungsprobleme verstanden und auch als diese bearbeitet werden. Jedoch wer kommt schon auf die Idee, bei schlechten Ergebnissen (auch) auf die Beziehung zwischen den Beteiligten zu schauen oder sie sogar zum Gegenstand der Intervention zu machen?

Das Besondere daran ist, dass die Beziehung nie einseitig gestaltet werden kann. Kurzum, wie soll einer alleine lösen, was beide gemeinsam herstellen? In letzter Konsequenz macht das den Mitarbeiter zum "Mittäter" gelungener Führungsbeziehungen. Hier stoßen wir jedoch immer wieder an überholte Führungsbilder: "Führung ist Chefsache und nicht Sache des Mitarbeiters".

Beim 9. Eschborner KMU Abend „BeziehungsWEISE führen – die Zukunft der Führung wurde dieser dialogische Aspekt von Führung vor knapp 80 Teilnehmern vorgestellt. Klar war anschließend, dass Führungskraft und Mitarbeiter formulieren können müssen, was Sie jeweils vom Gegenüber brauchen, um zu führen bzw. (und das wird immer wichtiger) sich auch führen zu lassen. Ist dieser Grundstein gelegt, können die Beteiligten etwas lernen, was heute immer wichtiger wird: Zur Komplexitätsbewältigung bedarf es Führungskräfte und Mitarbeiter, die in Lage sind, sich zu beeinflussen und (auch ungeachtet der Hierarchie!) sich beeinflussen zu lassen. Belastbare Beziehungen sind die beste Voraussetzung dafür. Chefs die immer Recht haben und Mitarbeiter, die immer zustimmen, sind zur Bearbeitung heutiger Herausforderungen daher in vielen Betrieben deplatziert.