Kein flächendeckender Fachkräftemangel…

Veröffentlicht: 12.02.2015

Zusammenfassung: … aber große Engpässe in einigen Berufen. Das ist die Botschaft des Fortschrittsbericht 2014 zur Fachkräftesicherung, den das Bundeskabinett am 10. Februar verabschiedet hat.

Zwar sind so viele Menschen in Deutschland erwerbstätig wie noch nie, und sie sind so gut qualifiziert wie nie , doch diese erfreuliche Feststellung nützt keinem Unternehmen, das einen Altenpfleger oder Maschinenbauer sucht.

Diese beiden Berufen gehören zu den 19 Berufsgruppen, in denen die Bundesagentur für Arbeit aktuell Engpässe sieht. Dabei geht es vor allem um technische Berufe und um Gesundheits- und Pflegeberufe, sowohl mit akademischer als auch mit beruflicher Ausbildung. Immerhin, auch hier zählt die BA im Dezember 2014 eine Berufsgruppe weniger als im Juni zu den Engpassberufen.

Der Fortschrittsbericht zur 2011 verabschiedeten Fachkräftestrategie der Bundesregierung zeigt tatsächlich Fortschritte in allen fünf Sicherungspfaden, aber es bleibt noch viel zu tun. Denn bis 2030 geht das Erwerbspersonenpotenzials um bis zu fünf Millionen Menschen zurück, mit fatalen Folgen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, wenn nicht gegengesteuert würde. Hier sind auch die Unternehmen in der Pflicht:

  • Beispielweise bei den Frauen: Sie sind heute öfter berufstätig als früher, aber viel zu oft unfreiwillig in Teilzeit. Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familienpflichten ist auch für Arbeitgeber eine Herausforderung. Verkaufen sie Teilzeitarbeit als ihr Angebot zur Familienfreundlichkeit, springen  sie zu kurz und werden den Wünschen der Frauen und der Väter nicht gerecht.
  • Beispielsweise bei den Älteren: Auch hier ist die Erwerbsbeteiligung erfreulich auf 63% – und damit die zweithöchste Quote in der EU – gestiegen. Die Älteren bleiben länger im Betrieb. Aber wer über 50 arbeitslos wird, bekommt immer noch zu selten eine neue Stelle. Die Herausforderung heißt jetzt, Arbeit und Alter im Betrieb so zu regeln, dass jeder gesund und motiviert bis zur Rente arbeiten kann. Das muss auch für diejenigen gelten, die gesundheitlich eingeschränkt sind. Hierzu müssen Unternehmen und Gesellschaft gute Konzepte entwickeln.
  • Beispielsweise bei Zuwanderern: Die Bundesregierung freut sich, dass internationale Fachkräfte inzwischen gern nach Deutschland kommen. Aber darüber geraten manchmal die etwas aus dem Blick, die früher zugewandert sind und vielleicht schon in der 3. Generation hier leben. Es ist erschreckend, was die Bertelsmann-Stiftung herausgefunden hat: 60 Prozent der Betriebe haben noch nie einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund eingestellt! Offenbar gibt es extreme Vorbehalte, wenn jemand einen ausländisch klingenden Namen hat, denn selbst die mit mittlerem Schulabschluss finden nur schwer eine Lehrstelle. Ein Viertel der Jugendlichen hat ausländische Wurzeln und andere als die Jugendlichen, die hier leben, werden die Unternehmen nicht ausbilden können.

Fachkräftesicherung bleibt die Herausforderung

Das wissen die Unternehmen meistens auch: 42% der Mittelständler sehen im Fachkräftemangel eines ihrer drängendsten Probleme. Je kleiner das Unternehmen, um so schwerer fällt die Lösung. Es fehlen ihnen die Rezepte für ein systematisches Vorgehen, sie haben selten die Strukturen und die Ressourcen, um im "War for Talents" mit den Konzernen mitzuhalten. Für diese Unternehmen bietet das RKW mit dem Informationsangeboten des Kompetenzzentrums und den Dienstleistungen der RKW-Landesorganisationen pragmatische Empfehlungen.