Industrie 4.0: Zurückhaltung im Mittelstand?

Veröffentlicht: 10.11.2016

Zusammenfassung: Studien behaupten, der Mittelstand sei bei der Einführung von Industrie 4.0 (zu) zurückhaltend. Kann es sein, dass das die Mittelständler anders sehen?

Betriebsbesichtigung bei einem 100-Mann-Unternehmen, das Werkzeuge für die Automobilindustrie baut. Präzision ist das oberste Gebot, die Qualitätsstandards sind extrem hoch. Man liefert weltweit an alles, was Rang und Namen hat in der Automobilbranche.

Auf meine Frage, welche Bedeutung Industrie 4.0 für das Unternehmen spiele, schaut mich der Geschäftsführer mitleidig an. Man kaufe stets nur Maschinen, die selbstständig laufen, rund um die Uhr. Am Wochenende gäbe es Bereitschaftsdienste, über das Handy sähen die Mitarbeiter, ob die Maschine ein Problem hätte und sie ins Unternehmen kommen müssten. Beim Neubau des Firmengebäudes seien modernste Systeme eingebaut worden, um die Herstellung der Spritzgussteile sicher und effizient zu gestalten. Wenn man nicht von Anfang an automatisiert hätte, wäre man nicht mehr am Markt.

Könnte darin Schlüssel für die "Zurückhaltung" liegen? Verursacht der plakative, aber unklare Begriff Industrie 4.0 Missverständnisse? Die Unternehmer automatisieren, setzen digitale Techniken zur Arbeitserleichterung ein. Was meinen Politik und Studien noch? 

In dem Unternehmen entstehen z. B. Werkzeuge, mit denen Kunststoffteile für Autocockpits hergestellt werden. Das sind analoge Produkte, die irgendwo verbaut werden. Oft steckt sehr viel Know-how drin, aber wo soll eine Lüftungsklappe digital werden? Wozu? Im Kundenauftrag umspritzt man Schalter für elektrische Verbindungen. Was daran könnte digital sein?

Es braucht wohl sehr viel mehr Konkretisierung, was denn Industrie 4.0 für das einzelne Unternehmen bedeuten kann und was es ihm nützt. Sonst verkommt Industrie 4.0.zum nächsten Buzzword.