Azubimarketing im Nordschwarzwald

Veröffentlicht: 06.04.2016

Projekt: Azubimarketing

Zusammenfassung: Unsere virtuellen Azubis - Hänsel und Gretel - wären auch im Nordschwarzwald in komfortabler Situation: Die Betriebe, die gestern zum Feierabendseminar der HWK Karlsruhe nach Nagold kamen, wollten wissen, wie sie Nachwuchs gewinnen.

Die interessanten Altersgruppen, die 16 bis 24-Jährigen, werden deutlich kleiner, und sie sind besonders mobil. "Hänsel" und "Gretel" werden nicht nur darum gefragter und im Wortsinne wertvoller, besonders für das Handwerk.

"Bei Ausbildung winken die doch gleich ab", beklagte sich ein Inhaber. Die Eltern würden ihre Kinder zu immer längerem Schulbesuch drängen. Und wenn sie dann doch jemanden ausgebildet haben, wandert der schnell für ein paar Euro mehr in die Industrie ab, so die weitere Klage. Da ist guter Rat teuer. "Dann müssen wir eben mehr bezahlen", war sich ein Unternehmer sicher. Das sei immer noch rentabler, als auf Geschäft zu verzichten, weil die Leute fehlen. 

Perspektivenwechsel gefragt

Noch gar nicht so lange her, dass Hauptschüler vor den Betrieben Schlange standen und sich die Unternehmen fragten: Wen wollen wir ausbilden? Längst vorbei, heute müssen sie eher die Jugendlichen fragen "Dürfen wir Dich ausbilden?"

Der Bewerbermarkt zwingt dazu, ein überzeugendes Ausbildungsangebot zu unterbreiten. Doch was ist überzeugend? Ansätze dafür haben die Unternehmen des Feierabendseminars: Anerkennung guter Leistungen beispielsweise. Doch viele Möglichkeiten bleiben noch ungenutzt.

Mein Tipp: Nutzen Sie den Online-Check "Standortbestimmung" um herauszufinden, wie Sie Ihr Angebot an Hänsel und Gretel schärfen können.

Ein Beispiel: Die Teilnehmer sagten, das Tolle am Handwerk sei ja auch, dass man sieht, was man geschaffen hat. Das nutzen sie aber noch nicht, um damit für sich zu werben. Im Gegenteil: Bei Azubimessen sei das Interesse der Jugendlichen überschaubar, sie würden nur Prospekte abgreifen.

Mein Tipp: Wie wäre es, sie mit echten Materialien und echtem Werkzeug auszuprobieren lassen, was sie schaffen könnten?

Oder die Idee aufzugreifen, die die Arbeitsagentur Nagold vorstellte: Da wird von der Anwendung eines Produkts - z. B. einem Behindertensportler - ausgegangen, den Kids gezeigt, welche Materialien man für ein Produkt - hier eine Prothese oder ein Rollstuhl - bearbeiten muss, wie so etwas entsteht - und erst ganz am Schluss geht es um den Beruf dahinter: Orthopädiemechaniker ... 

Und damit sind wir beim zweiten Themenschwerpunkt des Abends: Der zielgenauen Kommunikation. Authentische Informationen wollen die Jugendlichen, und das gerne online. Wer nicht im Web zu finden ist, den gibt es für "Hänsel" und "Gretel" nicht. Einzige Ausnahme, gerade im ländlichen Raum: die persönlichen Empfehlungen und Kontakte.

Auch hier mein Tipp für die Handwerkbetriebe in Nagold - und für alle anderen: Mit dem Onlinecheck "Unsere Maßnahmen" lässt sich schnell feststellen, was funktioniert und was nicht. Und Sie bekommen Ideen für Maßnahmen, die Sie bisher nicht genutzt haben.