Unternehmenskultur: Wie geht das?

Veröffentlicht: 15.08.2017

Zusammenfassung: 15 Handwerksbetriebe aus dem Raum Osnabrück fragten sich, wie geht Unternehmenskultur? Mitte August trafen sie sich zum Workshop in der Handwerkskammer.

"Wir machen doch schon so viel, warum wird das von den Mitarbeitern nicht wertgeschätzt?"

Mit dieser Frage hatte die Gruppe einen ersten Workshop im Frühjahr beendet. Sie hatten gesammelt, welche Maßnahmen sie eingeführt haben, um die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen. Eine eindrucksvolle Liste entstand. Und dann diese Frage. 

Gegenfrage: Warum sollten die Mitarbeiter die Maßnahmen denn wertschätzen? Die Teilnehmer sammelten Gründe für die fehlende Wertschätzung und stellten ernüchtert fest: Das meiste davon können sie als Arbeitgeber gar nicht direkt steuern. Es liegt an den Einstellungen, dem Verhalten und der Motivation der Beschäftigten. Und damit waren wir beim "Eisberg":

Die Teilnehmer der Unternehmenswerkstatt hatten schnell verstanden, dass ihre Maßnahmen auf der sichtbaren, der Sachebene, verortet sind. Die entscheidenden Elemente einer guten Unternehmenskultur befinden sich aber unter Wasser,  auf der Beziehungsebene. 

Wie lassen sich die Mitarbeiter enger binden?

Im nächsten Schritt überlegten die zwölf Teilnehmer, was denn helfen könnte, die Mitarbeiter enger an das Unternehmen zu binden. Drei Themen identifizierten sie als besonders vordringlich: Kommunikation, das Setzen und Einhalten von Regeln und das Thema Führung. Mit den drei Themen ging es in die Kleingruppenarbeit und dabei stellte sich schnell heraus: Kommunikation ist überall, als eigenes Thema lässt sich das eigentlich gar nicht bearbeiten. Und so waren es dann zwei Themen, zu denen Vorschläge entwickelt wurden.

Das Spektrum reichte von "Erwartungen der Mitarbeiter" mit "Erwartungen an die Mitarbeiter" abgleichen über "Organigramm erstellen" bis hin zur Frage, ob und wenn ja, welcher Konflikt denn für das "Knirschen" im Betrieb verantwortlich ist. Und wenn schon Regeln, dann müssen sie vorgelebt werden und Nichteinhaltung sanktioniert werden. Das kann sogar heißen: Kündigung, wenn denn einer wirklich nicht mit den anderen an einem Strang ziehen will. Schmerzhaft, auf jeden Fall, auch für das Unternehmen. Aber vermutlich heilsam und auf jeden Fall auf lange Sicht preiswerter. 

Engpassfaktor Zeit

Viele gute Ideen wurden zusammengetragen. Und sofort kam auch Widerspruch: "Dafür haben wir keine Zeit", sagte eine Führungskraft eines kleinen Handwerksbetriebs. "Die haben wir auch nicht", stimmten andere zu. "Aber wir müssen sie uns nehmen, sonst vertun wir viel mehr Zeit mit unproduktiven Reibungsverlusten."

Die guten Ideen auf den Pinnwänden sind das eine - sie im Betrieb umzusetzen das andere. Darum war der letzte Schritt die Aufforderung an die Betriebe, Flagge zu zeigen. Immerhin sechs der zehn Unternehmen haben sich eine Aufgabe vorgenommen, über die sie den anderen Ende November beim dritten Workshop berichten werden. Wir bleiben gespannt!