Nachwuchssicherung in Halberstadt - ein Rückblick

Veröffentlicht: 15.09.2017

Projekt: Azubimarketing

Zusammenfassung: Rund 70 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung in Halberstadt am 5. September. Alle Beteiligten einte ein Wunsch: mehr für die Nachwuchgewinnung und -sicherung tun können. Doch wie? Ein Rückblick auf die drei Stunden aus Sicht eines Gastes.

Lassen Sie sich durch das Artikelbild nicht täuschen: Es waren insgesamt wirklich rund 70 Teilnehmende bei der Halberstädter Veranstaltung zugegen. Das Konzept sah nur vor, dass der Veranstaltungshauptteil in drei Gruppen changierend in drei Modulen und separaten Räumen stattfand. Und dieser schicke Raum (die Holzlehrwerkstatt) beherbergte Modul 3: Worum es eigentlich beim Azubimarketing geht.

Doch der Reihe nach. Was genau war diese Veranstaltung? Was machte sie aus? Und warum konnte das RKW Kompetenzzentrum in Gesellschaft des RKW Sachsen-Anhalts ebenfalls vertreten sein? Das Thema Nachwuchssicherung sowie der Wunsch, gemeinsam etwas zu bewegen, brachte letztlich alle zusammen – in einem ehemaligen Kloster, das unter anderem die AWZ – Aus- und Weiterbildungszentrum GmbH Halberstadt beherbergt, die zusammen mit der Agentur für Arbeit Halberstadt diese Veranstaltung plante und organisierte.

Dass wir mit an Bord waren, verdankten wir der Azubimarketingmappe und dem Umstand, bei einem Planungstreffen Anfang August und anschließendem regem Gedankenaustausch dabei gewesen sein zu dürfen. Wie setzt man eine Veranstaltung um, die eben nicht nur Unternehmen adressiert, sondern Lehrer, Multiplikatoren und mögliche unterstützende Maßnahmen integriert? Denn, wie sagte es der Geschäftsführer Detlef Rutzen der AWZ: "Es solle keine Veranstaltung des Redens um des Redens willen werden." Vielmehr ging es bei den Überlegungen darum, den Teilnehmern im Anschluss konkrete Angebote zu vermitteln, um "vom Reden ins Handeln" zu gelangen. Damit war das Ziel der Veranstaltung abgesteckt ...

Wenig Zeit für sehr viel Inhalt

Das erschwerte Finden von Auszubildenden ist kein lokales oder regionales Problem. Es ist nicht mal ein Problem zwischen Metropolregionen, städtischen und ländlich geprägten Gebieten. Dieser Herausforderung müssen sich ausnahmslos alle stellen. Mit diesem Impuls begannen die Informationen zu fließen. Tenor: Nur wenn Betriebe, Schulen, unterstützende Einrichtungen und staatliche Stellen gemeinsam daran arbeiten, lassen sich Rahmenbedingungen verbessern und vor allen Dingen aber auch Wege finden, den Jugendlichen näherzukommen. Wenn so viele unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen wie an diesem Tag, fällt es schwerer, ähnliche Ansichten zu erzielen. Dies fiel speziell mir auf, als ich den Diskussionsrunden des Parts über Azubimarketing auch Sichtweisen von Unterstützern und Lehrern hören konnte, die nicht leicht übereinkamen. Betriebe sehen die Jugendlichen in der Pflicht, ein wenig vielleicht auch die Schulen. Lehrer hingegen sehen die Unternehmen mehr in der Pflicht und wünschen sich bessere Rahmenbedingungen. Unterstützende Einrichtungen wiederum sehen die Notwendigkeit, dass gerade der Austausch zwischen Schule und Wirtschaft intensiviert werden müsse. Ein wenig bedauere ich es, dass nicht auch noch ein paar Schüler anwesend waren, die ihre Perspektive hätten einbringen können – sollen sich im Ergebnis alle mehr aufeinander zubewegen.

Unbestritten wurden zwei Aspekte thematisiert, wo sich alle einig waren und sind, daran weiterzuarbeiten: Modul 1 beschäftigte sich mit der zentralen Phase der Berufsorientierung und der Bedeutung des Praktikums. Anschlussfähig dazu sind zwei Förderprogramme (BRAFO und BOP). Im zweiten Modul hingegen ging es um die Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieben. Weiterführend in einem Arbeitskreis und Ideen, wie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen ausdifferenziert und intensiviert werden könnte. 

Im dritten Modul wurde Azubimarketing vorgestellt. Ein Unterfangen, das aufgrund der 30 Minuten Zeit pro Gruppe im Nachhinein höchstens einzelne Grundideen aufzeigen konnte. Der Bedarf, über die Kanäle und Wege zu sprechen, wie Jugendliche erreicht und interessiert werden können, schien riesig zu sein, der Frust allerdings ebenso. Und so führten lebhaft geführte Diskussionen in allen drei Runden zu zeitlichen Verzögerungen. Doch das war letztlich in allen drei Gruppen gleich.

Und nun?

Viele der Teilnehmer werden für sich Anregungen mitgenommen haben, was sie tun könnten. Einige werden sich jedoch nicht des Eindrucks erwehrt haben, dass es zu viele Informationen auf einmal waren – was die Auswahl und Einordnung des Gehörten erschwert. Dies mag zwar ein Beleg für die Wichtigkeit und gleichsam auch Komplexität des Themas im Zusammenspiel aller beteiligten Gruppen sein (die Eltern beispielsweise wurden noch nicht erwähnt), wirft aber auch die Frage auf, wie es jetzt wirklich weitergeht. Wenn ich den Blickwinkel einnehme, den wir von Berufs wegen haben (sollten), den der Unternehmen, so erschien es mir so, als sei noch nicht immer ganz klar, was man Neues oder anderes tun könne. Und es wirkte fast so, dass auch der eine oder andere noch nicht die Notwendigkeit sieht, selbst etwas zu tun. Die anderen müssten doch ...

Das Umfeld dort in Halberstadt strotzt vor Bereitschaft, etwas zu bewegen. Ich hoffe sehr, dass mit (oder trotz) dieser Flut an Informationen einige Teilnehmer die für sich richtigen Schlüsse gezogen haben und anfangen, ein wenig umzudenken. Die Angebote und die Unterstützung dafür jedenfalls gibt es schon heute.